Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Vom Rückzugsraum zum Bildungsort: DJI-Studie beschreibt Wandel der deutschen Jugendzentren

30.10.2012
Das Jugendzentrum als Raum der freien Entfaltung gerät heute zunehmend unter den Erwartungsdruck der Bildungs- und Sozialpolitik.

Wie eine aktuelle DJI-Studie belegt, zeichnet sich als Trend ab, dass aus einem ehemals exklusiven Angebot für Jugendliche zunehmend auch ein Bildungsangebot für Kinder wird. Für die Studie wurden Angaben von 1.140 Jugendzentren in Deutschland ausgewertet.

Gesamtzahl der Einrichtungen seit 1998 kaum verändert –
doch unterschiedliche Entwicklungen in Ost und West:
Aus dem Budget der Jugendbehörden fließen jährlich 1,5. Mrd. Euro in die Kinder- und Jugendarbeit. Knapp die Hälfte der 16.700 Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit in Deutschland sind Jugendzentren und vergleichbare Einrichtungen. 2010 zählte die Statistik der Kinder- und Jugendhilfe (KJH) 7.661 dieser sogenannten Offenen Einrichtungen. Die quantitative Entwicklung verläuft in Ost und West unterschiedlich: Während seit 1998 in Westdeutschland ständig Einrichtungen hinzukamen, hat sich deren Zahl im Osten in den letzten zehn Jahren um ein Drittel verringert.

Stärkere Professionalisierung des Personals:

Das Personal in den Jugendzentren hat an Professionalisierung gewonnen. Der Akademisierungsgrad stieg gemäß den Daten der amtlichen Statistik von einem Viertel 1998 auf gut 40 Prozent im Jahr 2010. Obwohl nach einem Rückgang der personellen Ausstattung zuletzt insgesamt eine Konsolidierung stattgefunden hat, ist im Gegenzug eine Zunahme der Teilzeitbeschäftigung und der geringfügigen Beschäftigung zu beobachten.

Unterschiedliche Angebotsschwerpunkte in Ost und West:

Die „Top 5“ der Angebote sind offene Treffs/Cafés (86%), Ferienfreizeiten/Ausflüge (85%), kreativ-künstlerische Angebote (74%) sowie Beratung (73%) und Sportangebote (70%). Die Formen der Ausgestaltung variieren je nach Bevölkerungsdichte (Stadt-Land) und der Region (Ost-West). Vor allem bei Jugendzentren in Ballungsräumen geht aus den Angaben hervor, dass auch kompensatorische Angebote wie schulische Förderung oder die Vorbereitung auf das Berufsleben vorgehalten werden. Ostdeutsche Jugendzentren bieten den Jugendlichen seltener offene Treffs (77% gegenüber 90%) und machen signifikant häufiger als westdeutsche Jugendzentren Angebote zur schulischen Förderung wie z.B. Nachhilfe (57% gegenüber 48%) sowie sportlich-erlebnisorientierte Angebote (76% gegenüber 66%). Am deutlichsten differieren hier die Angaben zu medienpädagogischen Angeboten mit 28 Prozent (Ost) gegenüber 46 Prozent (West).

Angebote auch für jüngere und ältere Zielgruppen:

Jugendzentren stellen heute nicht mehr ein rein jugendbezogenes Angebot dar. Zwar bilden Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren mit 34 Prozent noch immer die größte Besuchergruppe. Aber bei deutlich mehr als der Hälfte der Jugendzentren gibt es Besucher/innen im Alter von sechs bis neun Jahren sowie über 21 Jahren. Überraschend hoch ist mit einem Fünftel der Anteil an Jugendzentren, die von Kindern unter sechs Jahren besucht werden. Wenn Jugendzentren und Schulen kooperieren, dann erhöht sich der Anteil an Kindern, die Jugendzentren nutzen. Offensichtlich hat die Zusammenarbeit mit Schule sowohl Auswirkungen auf die Angebotsstruktur, als auch auf die Nutzer/innen/gruppen und trägt dazu bei, dass Orte, an denen Jugendliche unter sich sein können, innerhalb der offenen Jugendarbeit seltener werden.

Orte interkultureller Begegnung:

Die meisten Jugendzentren werden von Kindern und Jugendlichen mit unterschiedlichen kulturellen Wurzeln besucht. Sie bieten damit gute Voraussetzungen für interkulturelle Begegnungen. Damit kommt ihnen eine besondere Aufgabe zu.

Inklusion von Jugendlichen mit Behinderung auf einem guten Weg:

Junge Menschen mit Behinderungen nutzen Jugendzentren stärker als angenommen. Über die Hälfte der Jugendzentren in Deutschland wird von Kindern bzw. Jugendlichen mit einer Behinderung besucht. Jugendzentren mit qualifiziertem Personal werben intensiver um diese Zielgruppe und erleichtern ihr damit den Zugang. Heil- bzw. sonderpädagogisch weitergebildetes Personal sorgt zwar einerseits für ein erweitertes Angebotsspektrum, andererseits aber auch für eine geringere Teilnahme an den allgemeinen Angeboten.

Partizipation wird nur selektiv umgesetzt:

Mitbestimmung gehört zum Selbstverständnis und vielfach zum Alltag in den Jugendzentren. Kinder und Jugendliche haben hier unterschiedliche Möglichkeiten, Einfluss zu nehmen, z.B. anlassbezogen durch Gespräche mit Verantwortlichen, durch Ideenwände oder Gästebücher, die Homepage und das soziale Internet-Netzwerk Facebook sowie durch Teilnahme an Umfragen, mit denen Wünsche und Kritik der Besucher/innen ermittelt werden. Seltener sind dagegen fest etablierte Möglichkeiten der Einflussnahme (z.B. gewählte Vertretungen), die Partizipation unabhängiger von der Bereitschaft der Jugendzentrums-Mitarbeiter/innen machen. Der Grad der Einflussnahme ist stark abhängig von den Inhalten. Während es bei knapp der Hälfte der Jugendzentren möglich ist, das Programmangebot mitzubestimmen, ist dies bei der Einstellung/Auswahl neuer Mitarbeiter/innen nur in zwei Prozent der Einrichtungen der Fall.

Andrea Macion | idw
Weitere Informationen:
http://www.dji.de/thema/1210

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Mikroplastik in Kosmetik
16.11.2018 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Laterale Hemmung hält ähnliche Erinnerungen auseinander
02.11.2018 | Institute of Science and Technology Austria

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erste Diode für Magnetfelder

Innsbrucker Quantenphysiker haben eine Diode für Magnetfelder konstruiert und im Labor getestet. Das von den Forschungsgruppen um den Theoretiker Oriol Romero-Isart und den Experimentalphysiker Gerhard Kirchmair entwickelte Bauelement könnte eine Reihe neuer Anwendungen ermöglichen.

Elektrische Dioden sind wichtige elektronische Bauteile, die elektrischen Strom in eine Richtung leiten, die Stromleitung in der anderen Richtung aber...

Im Focus: First diode for magnetic fields

Innsbruck quantum physicists have constructed a diode for magnetic fields and then tested it in the laboratory. The device, developed by the research groups led by the theorist Oriol Romero-Isart and the experimental physicist Gerhard Kirchmair, could open up a number of new applications.

Electric diodes are essential electronic components that conduct electricity in one direction but prevent conduction in the opposite one. They are found at the...

Im Focus: Millimeterwellen für die letzte Meile

ETH-Forscher haben einen Modulator entwickelt, mit dem durch Millimeterwellen übertragene Daten direkt in Lichtpulse für Glasfasern umgewandelt werden können. Dadurch könnte die Überbrückung der «letzten Meile» bis zum heimischen Internetanschluss deutlich schneller und billiger werden.

Lichtwellen eigenen sich wegen ihrer hohen Schwingungsfrequenz hervorragend zur schnellen Übertragung von Daten.

Im Focus: Nonstop-Transport von Frachten in Nanomaschinen

Max-Planck-Forscher entdecken die Nanostruktur von molekularen Zügen und den Grund für reibungslosen Transport in den „Antennen der Zelle“

Eine Zelle bewegt sich ständig umher, tastet ihre Umgebung ab und sendet Signale an andere Zellen. Das ist wichtig, damit eine Zelle richtig funktionieren kann.

Im Focus: Nonstop Tranport of Cargo in Nanomachines

Max Planck researchers revel the nano-structure of molecular trains and the reason for smooth transport in cellular antennas.

Moving around, sensing the extracellular environment, and signaling to other cells are important for a cell to function properly. Responsible for those tasks...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Podiumsdiskussion zur 11. Internationalen MES-Tagung in Hannover hochkarätig besetzt

21.11.2018 | Veranstaltungen

Hüftprothese: Minimalinvasiv oder klassisch implantieren? Implantatmodell wichtiger als OP-Methode

21.11.2018 | Veranstaltungen

Personalisierte Implantologie – 32. Kongress der DGI

19.11.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neuer Blick auf molekulare Prozesse

21.11.2018 | Physik Astronomie

Wechsel zu Carbon Infrarot-Strahlern von Heraeus halbiert die Trocknungszeit für Siebdruck auf T-Shirts

21.11.2018 | Energie und Elektrotechnik

Wie aus Staub Planeten entstehen

21.11.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics