Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Internationaler GUESSS-Bericht: Deutschlands Studierende haben hohes Gründerpotential

06.09.2012
Ab heute im Netz: Universität Hohenheim veröffentlicht Bericht des Global University Entrepreneurial Spirit Students‘ Survey (GUESSS) für Deutschland.

Jeder dritte Studierende in Deutschland möchte nach seinem Studium in die Selbstständigkeit. Zu diesem Ergebnis kommt die internationale GUESSS-Befragung, die das Interesse von Studierenden an Firmengründungen auslotet.

Rund 2,4 Prozent werden sogar schon während des Studiums als Gründer aktiv. Das Potential ließe sich stärker ausschöpfen – zum Beispiel durch ein verbessertes Gründerklima an deutschen Hochschulen, meinen die Autoren des GUESSS-Berichtes für Deutschland an der Universität Hohenheim.

Bundesweit hatten über 12.000 Studierende an der Online-Befragung teilgenommen. Weltweit waren es über 90.000 in 26 Ländern. Die Universität Hohenheim veröffentlicht die Ergebnisse für Deutschland samt internationalem Vergleich am heutigen Donnerstag, 6. September unter http://www.guesssurvey.org/

Die stärksten Motive sind der Wunsch nach Selbstverwirklichung, finanzielle Interessen und der Wunsch nach Anerkennung, weiß Dr. Heiko Bergmann, der den Stiftungslehrstuhl für Unternehmensgründung und Unternehmertum der Universität Hohenheim vertritt.

„Fünf Jahre nach dem Studium wollen etwa ein Drittel der Studierenden in irgendeiner Form unternehmerisch aktiv sein. Der Wunsch nach einer selbständigen Erwerbstätigkeit ist also unter Studierenden in Deutschland enorm weit verbreitet“, so der Wissenschaftler.

GUESSS-Bericht:
Nur wenige bereiten Gründungen schon während des Studiums vor

Vergleichsweise gering sei dagegen die Zahl der Befragten, die die Selbstständigkeit schon während des Studiums vorbereiteten. Laut Online-Umfrage hätten sich rund 62 % der Studierenden in Deutschland noch nie oder nur flüchtig mit Gründungsabsichten beschäftigt. Weit mehr als der Durchschnittswert der Teilnehmerländer, den die Studie mit rund 55 % beziffert.

Relativ konkret hätten sich nur 11,7 % des deutschen Akademiker-Nachwuchses mit einer Gründungsidee beschäftigt oder gar den festen Entschluss zur Gründung gefasst (internationaler Vergleich: 15,8 %). Nur 1,8 % hätten bereits einen festen Zeitplan oder mit der Umsetzung begonnen – der internationale Studiendurchschnitt liegt mit 4,8 % fast doppelt so hoch.

Im Schnitt liegt dafür die Zahl der Studierenden, die bereits neben dem Studium ein eigenes Geschäft führen: 2,4 % sind es in Deutschland. Der internationale Studiendurchschnitt bringt es auf 2,5 %.

GUESSS-Bericht:
Potiential in Deutschland wächst – und sollte verstärkt erschlossen werden

Dabei besäße Deutschland durchaus das Potential die Zahl der Gründer schon in jüngeren Jahren zu steigern, meint Dr. Bergmann. Und es sei mehr als sinnvoll, das Potential auch verstärkt zu erschließen.

„Gründungen aus Hochschulen setzen neues Wissen in neue Produkte und Dienstleistungen um. Sie schaffen Arbeitsplätze und fördern Strukturwandel“, so die Begründung des Wissenschaftlers. Gleichzeitig sei die Zahl der Studierenden in den vergangenen Jahren stetig gewachsen: „Im Herbst 1990 hatten wir 1,7 Millionen Studierende. Heute sind es 2,2 Millionen“.

Außerdem sei der potentielle Gründernachwuchs nicht nur zahlenmäßig stark, sondern sehr breit aufgestellt: „Die Anzahl und die Fächerbreite ergeben zusammen ein besonders hohes Potential für unternehmerische Tätigkeit.“

GUESSS-Bericht:
Nur durchschnittliches Gründungsklima an Hochschulen

Die Gründe dafür lägen zum Teil auch an den Hochschulen, so der GUESSS-Bericht für Deutschland der Universität Hohenheim. „Die Studierenden bewerten das Gründungsklima an den Universitäten und Hochschulen gerade mal als durchschnittlich“, so Co-Autorin Beate Cesinger. Am besten schnitten noch die kleinen privaten Universitäten unter den Teilnehmern ab.

Auch das Serviceangebot sei verbesserungsfähig: „Entrepreneurship-Veranstaltungen von Hochschulen werden nur als mittelmäßig bis gut bewertet“, berichtet Mitarbeiter Felix Ostertag. In der Regel seien sich die Studierenden zwar sicher, dass ihre Hochschule ein allgemeines Lehr- und Unterstützungsangebot besäße. „Details dazu sind den meisten Befragten jedoch nicht bekannt.

GUESSS-Bericht:
Interesse an Geschäftsnachfolge vergleichsweise gering

Vergleichsweise gering seien laut Bericht auch die Ambitionen von Studierenden, das Geschäft von selbstständigen Eltern weiterzuführen. Auch hier fällt Deutschland unter den internationalen Vergleich zurück.

„Laut unserer Studie haben lediglich 2 % der Betroffenen Studierenden konkrete Schritte für eine Nachfolge definiert oder unternommen“, meint Dr. Bergmann. Der internationale Studiendurchschnitt bringe es auf 4 %.

GUESSS-Bericht:
Internationale Vergleiche müssen vorsichtig interpretiert werden

Allerdings müssten die internationalen Vergleiche mit besonderer Vorsicht interpretiert werden.

„Die Zahlen zeigen, dass das Interesse am Leben als eigener Chef gerade in Schwellenländern besonders hoch ist“, meint Dr. Bergmann. In wirtschaftlich hochentwickelten Ländern wie z.B. Japan, die Niederlanden und Finnland sei das Interesse wesentlich geringer. „Grund dafür ist sicher, dass es in solchen Ländern viel mehr Job-Alternativen gibt“.

Die USA als Land mit dem Ruf, besonders gründungsfreundlich zu sein, nahm an der Studie nicht teil. „Der Grund ist, dass es leider in diesem Jahr kein entsprechendes Forscherteam in den USA gab. Bei der nächsten Durchführung ist die USA aber in jedem Fall dabei.“

Hintergrund GUESSS

Die Abkürzung GUESSS steht für Global University Entrepreneurial Spirit Students‘ Survey. GUESSS untersucht die unternehmerischen Einstellungen, Absichten und Aktivitäten von Studierenden im internationalen Vergleich. Die Federführung liegt bei dem Schweizerischen Institut für Klein- und Mittelunternehmen an der Universität St. Gallen (KMU-HSG), das die Erhebung erstmals 2003 durchführte. In Deutschland übernahm die Universität Hohenheim die nationale Projektleitung und wertete nun die Daten aus. Während bei der letzten Durchführung des Projektes im Jahr 2008 65.000 Studierende aus 19 Ländern an der Umfrage teilnahmen, konnten diese Zahlen im Jahr 2011 auf 93.265 Befragte in 26 Ländern gesteigert werden. In Deutschland nahmen 12.463 Studierende von insgesamt 45 Hochschulen daran teil. Die Erhebung von GUESSS 2011 in Deutschland wurde von der Mayflower Capital AG unterstützt. Der Forschungsbericht „Unternehmerische Absichten und Aktivitäten von Studierenden in Deutschland im internationalen Vergleich“ erschien am Donnerstag, 6. September 2012 unter http://www.guesssurvey.org/

Kontakt für Medien:
Dr. Heiko Bergmann, Universität Hohenheim, Stiftungslehrstuhl für Unternehmensgründungen und Unternehmertum (Entrepreneurship)
Tel.: 0711/451017-494, E-Mail: heiko.bergmann@uni-hohenheim.de

Beate Cesinger, Universität Hohenheim, Stiftungslehrstuhl für Unternehmensgründungen und Unternehmertum (Entrepreneurship)
Tel.: 0711/451017-490, E-Mail: beate.cesinger@uni-hohenheim.de

Text: Klebs

Florian Klebs | idw
Weitere Informationen:
http://www.guesssurvey.org/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Blinddarmentzündungen bei Kindern: Ultraschall als erstes Mittel zur exakten Diagnose
28.11.2019 | Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM)

nachricht Biologen der TU Dresden untersuchen Spermienqualität anhand ihres Stoffwechsels
28.11.2019 | Technische Universität Dresden

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das 136 Millionen Atom-Modell: Wissenschaftler simulieren Photosynthese

Die Umwandlung von Sonnenlicht in chemische Energie ist für das Leben unerlässlich. In einer der größten Simulationen eines Biosystems weltweit haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler diesen komplexen Prozess an einem Bestandteil eines Bakteriums nachgeahmt – am Computer, Atom um Atom. Die Arbeit, die jetzt in der renommierten Fachzeitschrift „Cell“ veröffentlicht wurde, ist ein wichtiger Schritt zum besseren Verständnis der Photosynthese in einigen biologischen Strukturen. An der internationalen Forschungskooperation unter Leitung der University of Illinois war auch ein Team der Jacobs University Bremen beteiligt.

Das Projekt geht zurück auf eine Initiative des inzwischen verstorbenen, deutsch-US-amerikanischen Physikprofessors Klaus Schulten von der University of...

Im Focus: Developing a digital twin

University of Texas and MIT researchers create virtual UAVs that can predict vehicle health, enable autonomous decision-making

In the not too distant future, we can expect to see our skies filled with unmanned aerial vehicles (UAVs) delivering packages, maybe even people, from location...

Im Focus: Freiformflächen bis zu 80 Prozent schneller schlichten: Neue Werkzeuge und Algorithmen für die Fräsbearbeitung

Beim Schlichtfräsen komplexer Freiformflächen können Kreissegment- oder Tonnenfräswerkzeuge jetzt ihre Vorteile gegenüber herkömmlichen Werkzeugen mit Kugelkopf besser ausspielen: Das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT aus Aachen entwickelte im Forschungsprojekt »FlexiMILL« gemeinsam mit vier Industriepartnern passende flexible Bearbeitungsstrategien und implementierte diese in eine CAM-Software. Auf diese Weise lassen sich große frei geformte Oberflächen nun bis zu 80 Prozent schneller bearbeiten.

Ziel im Projekt »FlexiMILL« war es, für die Bearbeitung mit Tonnenfräswerkzeugen nicht nur neue, verbesserte Werkzeuggeometrien zu entwickeln, sondern auch...

Im Focus: Bis zu 30 Prozent mehr Kapazität für Lithium-Ionen-Akkus

Durch Untersuchungen struktureller Veränderungen während der Synthese von Kathodenmaterialen für zukünftige Hochenergie-Lithium-Ionen-Akkus haben Forscherinnen und Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und kooperierender Einrichtungen neue und wesentliche Erkenntnisse über Degradationsmechanismen gewonnen. Diese könnten zur Entwicklung von Akkus mit deutlich erhöhter Kapazität beitragen, die etwa bei Elektrofahrzeugen eine größere Reichweite möglich machen. Über die Ergebnisse berichtet das Team in der Zeitschrift Nature Communications. (DOI 10.1038/s41467-019-13240-z)

Ein Durchbruch der Elektromobilität wird bislang unter anderem durch ungenügende Reichweiten der Fahrzeuge behindert. Helfen könnten Lithium-Ionen-Akkus mit...

Im Focus: Neue Klimadaten dank kompaktem Alexandritlaser

Höhere Atmosphärenschichten werden für Klimaforscher immer interessanter. Bereiche oberhalb von 40 km sind allerdings nur mit Höhenforschungsraketen direkt zugänglich. Ein LIDAR-System (Light Detection and Ranging) mit einem diodengepumpten Alexandritlaser schafft jetzt neue Möglichkeiten. Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Atmosphärenphysik (IAP) und des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT entwickeln ein System, das leicht zu transportieren ist und autark arbeitet. Damit kann in Zukunft ein LIDAR-Netzwerk kontinuierlich und weiträumig Daten aus der Atmosphäre liefern.

Der Klimawandel ist in diesen Tagen ein heißes Thema. Eine wichtige wissenschaftliche Grundlage zum Verständnis der Phänomene sind valide Modelle zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

QURATOR 2020 – weltweit erste Konferenz für Kuratierungstechnologien

04.12.2019 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Arbeit

03.12.2019 | Veranstaltungen

Intelligente Transportbehälter als Basis für neue Services der Intralogistik

03.12.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Gene für die Biosynthese des Antidepressivums Hypericin in Johanniskraut entdeckt

06.12.2019 | Biowissenschaften Chemie

Goldmedaille: Team der TU Dresden präsentiert DipGene auf der größten Innovationsveranstaltung für Synthetische Biologie

06.12.2019 | Biowissenschaften Chemie

Der Stammbaum der Käfer steht

06.12.2019 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics