Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Geld macht geizig

29.04.2010
Studie: Spitzenverdiener sind die größeren Egoisten

Wer besonders viel verdient, ist weniger großzügig als Normalverdiener. Zu diesem Schluss kommt zumindest der Ökonom Nikos Nikiforakis von der Universität Melbourne. Er überprüfte in einem Experiment, welchen Einfluss ein hohes Gehalt auf die Bereitschaft zu teilen hat. Je mehr Menschen verdienen, desto geringer ist der Anteil, den sie anderen weiterzugeben bereit sind.

Im Labor traten Versuchspersonen zunächst gegeneinander in einem Spiel an, dessen Ausgang das "Spielgehalt" für den weiteren Verlauf des Experiments bestimmte. Anschließend mussten die Teilnehmer entscheiden, ob sie einen Teil der Einkünfte einem bzw. mehreren Mitspielern abtreten wollten. Geber und Empfänger blieben dabei jeweils anonym, um durch das Ausklammern strategischer Überlegungen allein das "Geben um des Gebens willen" zu untersuchen. Den Spielern winkte am Schluss eine Belohnung in echtem Geld.

Quelle des Reichtums entscheidend

Die Ergebnisse fielen sehr deutlich aus. Bei den Probanden mit dem höchsten Einkommen war die Chance des Teilens dreimal niedriger als bei den Nächstgereihten. "Selbst wenn Taktiken ausgeblendet werden, sind jene die größten Egoisten, die am härtesten für ihr Gehalt arbeiten", berichtet Nikiforakis. Der Studienleiter glaubt, dass die sozialen Einstellungen eines Menschen hier ein Wörtchen mitreden. Nette Menschen dürften weniger hart für Geld arbeiten, da sie eher auf die Hilfe anderer zählten, wie auch egoistische die anderen eher für egoistisch halten würden.

Ein anderes Resultat kam allerdings zustande, als man das Gehalt nach dem Zufallsprinzip verteilte. Die Unterschiede im Teilen zwischen Besser- und Schlechterverdienenden waren nun verschwunden. Es dürfte somit darauf ankommen, womit man sein Geld verdient. "Nicht alle Spitzenverdiener sind Egoisten. Menschen, denen das Geld zufällt wie etwa in einer Lotterie oder durch eine Erbschaft, dürften eher zum Teilen bereit sein als solche, die es durch andere Quellen wie etwa durch Arbeit erworben haben", so der australische Forscher.

Selbstachtung und Gleichheitsdenken machen großzügig

"Ob höheres Einkommen geiziger macht oder Geiz das Einkommen erhöht, kann man aus den Ergebnissen nicht eindeutig schließen. Es ist wie die Henne-Ei-Frage", erklärt Hans-Theo Normann, Doktorvater von Nikoforakis am Düsseldorfer Institut für Wettbewerbsökonomie DICE http://www.dice.uni-duesseldorf.de , im pressetext-Interview. Relevant sei das Studienergebnis überall dort, wo es auf individuelle Hilfsbereitschaft ankomme. "Hilfsorganisationen erhalten zwar ihre Großspenden von den Großverdienern, doch es ist nicht diese Gruppe, die den höchsten Anteil ihres Einkommens spendet", so der Experte.

Wie das "Geben um des Gebens willen" zustande kommt, kann laut Normann auf zwei Arten erklärt werden. "Es könnte sein, dass Spender sich wirklich für das Wohlergehen anderer interessieren. Sie spenden, da sie die Ungleichheit nicht mögen. Die zweite Möglichkeit ist, dass die Menschen sich und andere durch Spenden überzeugen wollen, dass sie gute Menschen sind. Der Respekt der anderen und auch die Selbstachtung stünden dann im Vordergrund, nicht so sehr die Bedürftigkeit der Mitmenschen."

Johannes Pernsteiner | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.unimelb.edu.au

Weitere Berichte zu: Egoist Gleichheitsdenken Selbstachtung Spielgehalt Spitzenverdiener

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Körpereigener Wirkstoff stärkt das Herz
13.12.2018 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Klein und vielseitig: Schlüsselorganismen im marinen Stickstoffkreislauf nutzen Cyanat und Harnstoff
10.12.2018 | Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Data use draining your battery? Tiny device to speed up memory while also saving power

The more objects we make "smart," from watches to entire buildings, the greater the need for these devices to store and retrieve massive amounts of data quickly without consuming too much power.

Millions of new memory cells could be part of a computer chip and provide that speed and energy savings, thanks to the discovery of a previously unobserved...

Im Focus: Quantenkryptographie ist bereit für das Netz

Wiener Quantenforscher der ÖAW realisierten in Zusammenarbeit mit dem AIT erstmals ein quantenphysikalisch verschlüsseltes Netzwerk zwischen vier aktiven Teilnehmern. Diesen wissenschaftlichen Durchbruch würdigt das Fachjournal „Nature“ nun mit einer Cover-Story.

Alice und Bob bekommen Gesellschaft: Bisher fand quantenkryptographisch verschlüsselte Kommunikation primär zwischen zwei aktiven Teilnehmern, zumeist Alice...

Im Focus: An energy-efficient way to stay warm: Sew high-tech heating patches to your clothes

Personal patches could reduce energy waste in buildings, Rutgers-led study says

What if, instead of turning up the thermostat, you could warm up with high-tech, flexible patches sewn into your clothes - while significantly reducing your...

Im Focus: Tödliche Kombination: Medikamenten-Cocktail dreht Krebszellen den Saft ab

Zusammen mit einem Blutdrucksenker hemmt ein häufig verwendetes Diabetes-Medikament gezielt das Krebswachstum – dies haben Forschende am Biozentrum der Universität Basel vor zwei Jahren entdeckt. In einer Folgestudie, die kürzlich in «Cell Reports» veröffentlicht wurde, berichten die Wissenschaftler nun, dass dieser Medikamenten-Cocktail die Energieversorgung von Krebszellen kappt und sie dadurch abtötet.

Das oft verschriebene Diabetes-Medikament Metformin senkt nicht nur den Blutzuckerspiegel, sondern hat auch eine krebshemmende Wirkung. Jedoch ist die gängige...

Im Focus: Lethal combination: Drug cocktail turns off the juice to cancer cells

A widely used diabetes medication combined with an antihypertensive drug specifically inhibits tumor growth – this was discovered by researchers from the University of Basel’s Biozentrum two years ago. In a follow-up study, recently published in “Cell Reports”, the scientists report that this drug cocktail induces cancer cell death by switching off their energy supply.

The widely used anti-diabetes drug metformin not only reduces blood sugar but also has an anti-cancer effect. However, the metformin dose commonly used in the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Tagung 2019 in Essen: LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

14.12.2018 | Veranstaltungen

Pro und Contra in der urologischen Onkologie

14.12.2018 | Veranstaltungen

Konferenz zu Usability und künstlicher Intelligenz an der Universität Mannheim

13.12.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Tagung 2019 in Essen: LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

14.12.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Rittal heizt ein in Sachen Umweltschutz - Rittal Lackieranlage sorgt für warme Verwaltungsbüros

14.12.2018 | Unternehmensmeldung

Krankheiten entstehen, wenn das Netzwerk von regulatorischen Autoantikörpern aus der Balance gerät

14.12.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics