Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Frühkindliche Sexualhormone führen zu früherer Pubertät

29.04.2010
Schon Dreijährige bilden in der Nebenniere Geschlechtshormone. Diese können je nach Menge den Beginn der Pubertät um bis zu 18 Monate nach vorne verlagern.

Das zeigen Wissenschaftler des Forschungsinstituts für Kinderernährung der Universität Bonn in Kooperation mit Giessener und Heidelberger Kollegen. Ihren Ergebnissen zufolge kann auch eine eiweißreiche Ernährung den Beginn der Pubertät beschleunigen. Die Studie erscheint im Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism, ist aber schon online abrufbar (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20371661).

Kinder produzieren bereits ab dem dritten Lebensjahr steigende Mengen an Geschlechtshormonen. Diese werden fast ausschließlich in der Nebenniere gebildet, also dem Organ, das auch für die Ausschüttung der Stresshormone Cortisol, Cortison und Adrenalin zuständig ist. Sie wirken wie schwache männliche Geschlechtshormone (Androgene). Sie werden im Körper aber auch zu weiblichen Geschlechtshormonen (Östrogenen) umgewandelt. Der Beginn dieser Androgenproduktion in der Kindheit wird als Adrenarche bezeichnet. Aufgrund fehlender Langzeit-Untersuchungsdaten an gesunden Kindern nahm man bisher an, Nebennierenandrogene spielten keine nennenswerte Rolle für das Pubertäts-Timing.

Dass diese Annahme falsch ist, haben nun Wissenschaftler des in Dortmund ansässigen Forschungsinstituts für Kinderernährung (FKE), eines Instituts der Universität Bonn, in Kooperation mit Giessener und Heidelberger Hormonforschungslaboren gezeigt. Die Forscher hatten im Rahmen der so genannten DONALD-Studie die Adrenarche-Hormone im Urin von 109 gesunden Kindern untersucht. Die DONALD-Studie (das Akronym steht für „Dortmund Nutritional and Longitudinally Designed Study“) ist eine international renommierte Langzeitstudie zu Ernährung, Stoffwechsel und Wachstum von Kindern.

Deutliche Effekte gefunden

Die Wissenschaftler fanden deutliche Effekte: So begann die Brust- und Genitalentwicklung bei Kindern mit einer stärker ausgeprägten Adrenarche fast 10 Monate früher als bei Kindern mit niedriger Nebennieren-Androgensekretion. Auch auf die Ausbildung der Schambehaarung hat die Adrenarche einen wichtigen Einfluss. „Man weiß schon seit einiger Zeit, dass eine krankhaft erhöhte Konzentration von Adrenarche-Hormonen zu einer früheren Schambehaarung führt“, sagt Studienleiter Professor Dr. Thomas Remer vom FKE. „Wir konnten nun aber erstmals auch bei gesunden Kindern zeigen, wie stark dieser Einfluss ist: Kinder mit stärkerer Nebennieren-Androgensekretion bekamen ihre ersten Schamhaare im Mittel 18 Monate früher als Kinder mit schwacher Adrenarche.“

Eiweißreiche Kost beschleunigt Eintritt der Pubertät

Auch die Eiweißzufuhr wirkt sich auf den Start der Pubertät aus, und zwar unabhängig von den Adrenarche-Hormoneffekten: Bei Kindern, die in den zwei Jahren vor Pubertätsbeginn besonders eiweißreich ernährt hatten, setzte der charakteristische Pubertätswachstums¬schub etwa ein halbes Jahr früher ein.

Die Ergebnisse der Studie sind unter Umständen auch von klinischem Interesse: Je früher die Pubertät, desto größer ist das Risiko, an Brust- oder Hodenkrebs zu erkranken. Eine proteinarme Diät empfehlen die Forscher dennoch nicht. „Eiweiß ist – zumindest in Kombination mit einer obst- und gemüsereichen Ernährung – positiv für den Knochenaufbau und für die Muskulatur“, betont Remer. „Allerdings ist es gerade in Kindheit und Jugend wichtig, auf eine ausgewogene Kost zu achten.“

Remer et al.: Prepubertal Adrenarchal Androgens and Animal Protein Intake Independently and Differentially Influence Pubertal Timing; J Clin Endocrinol Metab. 2010

Kontakt:
Prof. Dr. Thomas Remer
Forschungsinstitut für Kinderernährung Dortmund
Institut der Universität Bonn
Telefon: 0231/7922-1043
E-Mail: remer@fke-do.de

Frank Luerweg | idw
Weitere Informationen:
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20371661
http://www.uni-bonn.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht STICA-Studie belegt: Spezielle Verhaltenstherapie bei Computerspiel- und Internetsucht erfolgreich
11.09.2019 | Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

nachricht Wie wir 2030 unterwegs sind: acatech Studie skizziert Zukunftsbild der vernetzten Mobilität
11.09.2019 | acatech - Deutsche Akademie der Technikwissenschaften

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Controlling superconducting regions within an exotic metal

Superconductivity has fascinated scientists for many years since it offers the potential to revolutionize current technologies. Materials only become superconductors - meaning that electrons can travel in them with no resistance - at very low temperatures. These days, this unique zero resistance superconductivity is commonly found in a number of technologies, such as magnetic resonance imaging (MRI).

Future technologies, however, will harness the total synchrony of electronic behavior in superconductors - a property called the phase. There is currently a...

Im Focus: Ultraschneller Blick in die Photochemie der Atmosphäre

Physiker des Labors für Attosekundenphysik haben erkundet, was mit Molekülen an den Oberflächen von nanoskopischen Aerosolen passiert, wenn sie unter Lichteinfluss geraten.

Kleinste Phänomene im Nanokosmos bestimmen unser Leben. Vieles, was wir in der Natur beobachten, beginnt als elementare Reaktion von Atomen oder Molekülen auf...

Im Focus: Wie entstehen die stärksten Magnete des Universums?

Wie kommt es, dass manche Neutronensterne zu den stärksten Magneten im Universum werden? Eine mögliche Antwort auf die Frage nach der Entstehung dieser sogenannten Magnetare hat ein deutsch-britisches Team von Astrophysikern gefunden. Die Forscher aus Heidelberg, Garching und Oxford konnten mit umfangreichen Computersimulationen nachvollziehen, wie sich bei der Verschmelzung von zwei Sternen starke Magnetfelder bilden. Explodieren solche Sterne in einer Supernova, könnten daraus Magnetare entstehen.

Wie entstehen die stärksten Magnete des Universums?

Im Focus: How Do the Strongest Magnets in the Universe Form?

How do some neutron stars become the strongest magnets in the Universe? A German-British team of astrophysicists has found a possible answer to the question of how these so-called magnetars form. Researchers from Heidelberg, Garching, and Oxford used large computer simulations to demonstrate how the merger of two stars creates strong magnetic fields. If such stars explode in supernovae, magnetars could result.

How Do the Strongest Magnets in the Universe Form?

Im Focus: Wenn die Erde flüssig wäre

Eine heisse, geschmolzene Erde wäre etwa 5% grösser als ihr festes Gegenstück. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie unter der Leitung von Forschenden der Universität Bern. Der Unterschied zwischen geschmolzenen und festen Gesteinsplaneten ist wichtig bei die Suche nach erdähnlichen Welten jenseits unseres Sonnensystems und für das Verständnis unserer eigenen Erde.

Gesteinsplaneten so gross wie die Erde sind für kosmische Massstäbe klein. Deshalb ist es ungemein schwierig, sie mit Teleskopen zu entdecken und zu...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Bildung.Regional.Digital: Tagung bietet Rüstzeug für den digitalen Unterricht von heute und morgen

10.10.2019 | Veranstaltungen

Zukunft Bau Kongress 2019 „JETZT! Bauen im Wandel“

10.10.2019 | Veranstaltungen

Aktuelle Trends an den Finanzmärkten im Schnelldurchlauf

09.10.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer IZM setzt das E-Auto auf die Überholspur

11.10.2019 | Energie und Elektrotechnik

IVAM-Produktmarkt auf der COMPAMED 2019: Keine Digitalisierung in der Medizintechnik ohne Mikrotechnologien

11.10.2019 | Messenachrichten

Kryptografie für das Auto der Zukunft

11.10.2019 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics