Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schlafen auf molekularen Befehl

01.03.2007
Jülicher Forscher entdecken Substanz, die Müdigkeit verursacht

Ein Eiweiß im Gehirn macht den Menschen schläfrig. Das berichten Jülicher Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins Journal of Neuroscience. Sie hatten in einer Studie erstmals beobachtet, dass sich ein bestimmtes Protein bei Schlafentzug im Gehirn anreichert. Schon länger vermuten Forscher, dass das Bedürfnis nach Schlaf über bestimmte Moleküle oder Botenstoffe im Gehirn gesteuert wird; ein Beweis stand bislang aber aus.

"Es gibt bisher noch keine wirklich plausible Erklärung dafür, warum wir schlafen müssen, obwohl wir ungefähr ein Drittel unseres Lebens im Schlaf verbringen", sagt Prof. Andreas Bauer vom Institut für Neurowissenschaften und Biophysik am Forschungszentrum Jülich. "Allerdings gibt es seit über 100 Jahren die Idee, dass sich bestimmte Stoffe während der Wachphase im Gehirn anreichern, die das Schlafbedürfnis erhöhen und schließlich das Einschlafen auslösen."

In ihrer Studie hatten die Wissenschaftler die Menge eines Eiweißes (A1-Adenosinrezeptor) beobachtet, das in hoher Konzentration im Gehirn vorkommt. Mit der so genannten Positronenemissions-Tomographie (PET) konnten sie bei Testpersonen untersuchen, wie sich die Konzentration durch Schlafentzug ändert. Tatsächlich stieg die Menge des Eiweißes bei Personen an, die nicht schlafen durften. "Es gibt zahlreiche körpereigene Substanzen, die unter Verdacht stehen, den Schlaf zu beeinflussen", sagt Bauer, "wir haben nun zum ersten Mal ein Eiweiß direkt im Gehirn untersuchen können, von dem bekannt ist, dass es durch Koffein blockiert werden kann."

... mehr zu:
»Eiweiß »Koffein »Morbus »Schlafentzug

Die Wissenschaftler konnten bereits früher zeigen, dass die Anzahl der Adenosinrezeptoren - den Bindungsstellen für Koffein - mit steigendem Lebensalter abnimmt, pro Lebensjahrzehnt um vier bis sieben Prozent. Dies könnte erklären, warum ältere Menschen ein verringertes Schlafbedürfnis haben. In weiteren Studien wollen die Hirnforscher nun klären, welche Wirkung Koffein auf die Rezeptoren müder Probanden hat, im Vergleich zu ausgeschlafenen Versuchspersonen.

Schlafstörungen treten häufig als Begleiterscheinung von neurologischen Erkrankungen wie Morbus Alzheimer oder Morbus Parkinson auf. Die neuen Erkenntnisse der Jülicher Wissenschaftler könnten helfen, diese Schlafstörungen besser zu verstehen. Möglich wäre beispielsweise, dass die Bildung der Rezeptoren bei den Patienten gestört ist.

Auch für das grundlegende Verständnis zum Schlaf sind die Ergebnisse von Bedeutung. "Wir konnten mit dem neuen Verfahren erstmals die Bildung neuer Eiweißbausteine unmittelbar im Gehirn von Probanden verfolgen, die unter Schlafentzug standen", erklärt Andreas Bauer. "Diese Erkenntnis modifiziert die bisher vorherrschende These, wonach Schlaf fördernde Substanzen eher Stoffwechselprodukte seien, die beim Wachsein entstehen."

Annette Stettien | Forschungszentrum Jülich
Weitere Informationen:
http://www.fz-juelich.de/portal/
http://www.fz-juelich.de

Weitere Berichte zu: Eiweiß Koffein Morbus Schlafentzug

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Wasserelektrolyse hat Potenzial zur Gigawatt-Industrie
18.09.2018 | Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE

nachricht Was ist Asthma – und wenn ja wie viele?
12.09.2018 | Deutsches Zentrum für Lungenforschung e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie Magnetismus entsteht: Elektronen stärker verbunden als gedacht

Wieso sind manche Metalle magnetisch? Diese einfache Frage ist wissenschaftlich gar nicht so leicht fundiert zu beantworten. Das zeigt eine aktuelle Arbeit von Wissenschaftlern des Forschungszentrums Jülich und der Universität Halle. Den Forschern ist es zum ersten Mal gelungen, in einem magnetischen Material, in diesem Fall Kobalt, die Wechselwirkung zwischen einzelnen Elektronen sichtbar zu machen, die letztlich zur Ausbildung der magnetischen Eigenschaften führt. Damit sind erstmals genaue Einblicke in den elektronischen Ursprung des Magnetismus möglich, die vorher nur auf theoretischem Weg zugänglich waren.

Für ihre Untersuchung nutzten die Forscher ein spezielles Elektronenmikroskop, das das Forschungszentrum Jülich am Elettra-Speicherring im italienischen Triest...

Im Focus: Erstmals gemessen: Wie lange dauert ein Quantensprung?

Mit Hilfe ausgeklügelter Experimente und Berechnungen der TU Wien ist es erstmals gelungen, die Dauer des berühmten photoelektrischen Effekts zu messen.

Es war eines der entscheidenden Experimente für die Quantenphysik: Wenn Licht auf bestimmte Materialien fällt, werden Elektronen aus der Oberfläche...

Im Focus: Scientists present new observations to understand the phase transition in quantum chromodynamics

The building blocks of matter in our universe were formed in the first 10 microseconds of its existence, according to the currently accepted scientific picture. After the Big Bang about 13.7 billion years ago, matter consisted mainly of quarks and gluons, two types of elementary particles whose interactions are governed by quantum chromodynamics (QCD), the theory of strong interaction. In the early universe, these particles moved (nearly) freely in a quark-gluon plasma.

This is a joint press release of University Muenster and Heidelberg as well as the GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt.

Then, in a phase transition, they combined and formed hadrons, among them the building blocks of atomic nuclei, protons and neutrons. In the current issue of...

Im Focus: Der Truck der Zukunft

Lastkraftwagen (Lkw) sind für den Gütertransport auch in den kommenden Jahrzehnten unverzichtbar. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der Technischen Universität München (TUM) und ihre Partner haben ein Konzept für den Truck der Zukunft erarbeitet. Dazu zählen die europaweite Zulassung für Lang-Lkw, der Diesel-Hybrid-Antrieb und eine multifunktionale Fahrerkabine.

Laut der Prognose des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur wird der Lkw-Güterverkehr bis 2030 im Vergleich zu 2010 um 39 Prozent steigen....

Im Focus: Extrem klein und schnell: Laser zündet heißes Plasma

Feuert man Lichtpulse aus einer extrem starken Laseranlage auf Materialproben, reißt das elektrische Feld des Lichts die Elektronen von den Atomkernen ab. Für Sekundenbruchteile entsteht ein Plasma. Dabei koppeln die Elektronen mit dem Laserlicht und erreichen beinahe Lichtgeschwindigkeit. Beim Herausfliegen aus der Materialprobe ziehen sie die Atomrümpfe (Ionen) hinter sich her. Um diesen komplexen Beschleunigungsprozess experimentell untersuchen zu können, haben Forscher aus dem Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) eine neuartige Diagnostik für innovative laserbasierte Teilchenbeschleuniger entwickelt. Ihre Ergebnisse erscheinen jetzt in der Fachzeitschrift „Physical Review X“.

„Unser Ziel ist ein ultrakompakter Beschleuniger für die Ionentherapie, also die Krebsbestrahlung mit geladenen Teilchen“, so der Physiker Dr. Thomas Kluge vom...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

4. BF21-Jahrestagung „Car Data – Telematik – Mobilität – Fahrerassistenzsysteme – Autonomes Fahren – eCall – Connected Car“

21.09.2018 | Veranstaltungen

Forum Additive Fertigung: So gelingt der Einstieg in den 3D-Druck

21.09.2018 | Veranstaltungen

12. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

20.09.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Tiefseebergbau: Forschung zu Risiken und ökologischen Folgen geht weiter

21.09.2018 | Geowissenschaften

4. BF21-Jahrestagung „Car Data – Telematik – Mobilität – Fahrerassistenzsysteme – Autonomes Fahren – eCall – Connected Car“

21.09.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Optimierungspotenziale bei Kaminöfen

21.09.2018 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics