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Zusammenhang zwischen Kündigungsschutz und Ausbildungsniveau

01.06.2006


Flexibilisierung des Schutzes bringt nicht automatisch mehr Arbeitsplätze



Im Rahmen des Projektes "Regulierung von Beschäftigungsverhältnissen, Qualifikationsstruktur und Arbeitsmarktergebnis" haben Forscher der Johannes Gutenberg-Universität Mainz nachweisen können, dass zwischen einem höheren Kündigungsschutz und einer besseren Ausbildung vor dem Arbeitseintritt ein direkter Zusammenhang besteht. Zudem hat eine bessere Ausbildung eindeutig eine Verringerung des individuellen Arbeitslosigkeitsrisikos zur Folge. Demnach würde eine Erhöhung des Kündigungsschutzes einen weniger ausgeprägten Anstieg der Arbeitslosigkeit zur Folge haben oder ein Rückgang verstärkt werden. Erwartungen, dass mehr Flexibilisierung beim Kündigungsschutz mehr Arbeitsplätze bringt, konnten jedoch nicht bestätigt werden.



In Ländern mit überdurchschnittlichem Kündigungsschutz wie etwa Belgien, Finnland, Deutschland, den Niederlanden oder Norwegen weist ein überproportionaler Anteil der Bevölkerung eine tertiäre Ausbildung auf. Im Vergleich zu anderen OECD-Ländern ist der Anteil von Akademikern hier besonders hoch. Wie die Studie zeigt, führt ein höherer Ausbildungsstand im Durchschnitt zu einer geringeren Entlassungs- und besseren Wiedereinstellungswahrscheinlichkeit und zu einer kürzeren Dauer der Arbeitslosigkeit. Für Schulabgänger seien das wichtige Gründe, sich für eine tertiäre Ausbildung zu entscheiden. Allerdings müsste es sich für die Arbeitsnehmer auch finanziell auszahlen, sich auszubilden.

"Es mag vielleicht seltsam anmuten, Kündigungsschutz als ein Instrument zu betrachten, um das Ausbildungsniveau zu erhöhen", so Forscher Nikolai Stähler. Für industrialisierte Länder könnte das aber durchaus interessant sein. Es wird schließlich oft behauptet, dass Wettbewerbsvorteile in Zeiten der Globalisierung nur durch besser ausgebildete Arbeitskräfte erreicht werden. "Dennoch können die Ergebnisse nicht als Plädoyer für mehr Kündigungsschutz verstanden werden", warnt der Mainzer Volkswirtschafter Laszlo Goerke. Der Effekt von stärkeren Kündigungsschutzmaßnahmen auf die gesamte Beschäftigung und Arbeitslosigkeit könne theoretisch nicht eindeutig bestimmt werden. Zur Beantwortung dieses Zusammenhangs seien weitere empirische Studien notwendig.

Reanne Leuning | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.uni-mainz.de

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