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An-Institut erforscht die Entwicklung ostdeutscher Hochschulen - Studie läuft bis Ende 2007

23.12.2005


Wie entwickeln sich die deutschen Hochschulen? Sind unterschiedliche Entwicklungstendenzen in Ost- und Westdeutschland erkennbar? Zwei von vielen Fragen, mit denen sich das in Wittenberg ansässige Institut für Hochschulforschung (HoF) seit mehreren Jahren beschäftigt. Materialauswertungen vorangegangener Analysen der 90er Jahre belegen ein gespaltenes Verhältnis zwischen den alten und neuen Bundesländern. Gerade ostdeutsche Hochschulen standen nach dem politischen Umbruch vor den größten Reformaufgaben in ihrer Geschichte. Eine erste große Bestandsaufnahme erschien 1997 unter dem Titel "Die Hochschulen in den neuen Ländern der Bundesrepublik Deutschland". Nun soll in zehnjährigem Abstand in einer Nachfolgestudie bis Mitte 2007 analysiert werden, welche Entwicklungstendenzen derzeit zu erkennen und welche Folgen zu erwarten sind.



"Wir betrachten die ostdeutschen Bundesländer im Gesamtkontext. Grundlegend wollen wir feststellen, ob die ostdeutsche Hochschullandschaft noch immer als etwas Besonderes zu sehen ist. Wir interessieren uns zum Beispiel dafür, ob die demografischen Besonderheiten der neuen Bundesländer ("Geburtenknick" nach 1990), ihre ausgeprägte Haushaltsschwäche und die hohe Arbeitslosigkeit im Osten auch an den Hochschulen zu bleibenden Ost-West-Unterschieden führt", erläutert Prof. Dr. Reinhard Kreckel, Leiter des An-Institutes und Professor am Institut für Soziologie an der MLU. Gerade der Transfer von Geldern spiele eine wesentliche Rolle. Denn immerhin seien die westdeutschen Landeshaushalte einfach "nur" verschuldet, die Ostdeutschen hingegen tief verschuldet.



Vor allem in der demografischen Entwicklung sieht Kreckel massive Probleme auf ostdeutsche Hochschulen zukommen: "Im Gegensatz zur westdeutschen Bevölkerung kommt der Geburteneinbruch der Ostdeutschen zu Beginn der 90er Jahre spätestens im Jahr 2010 vollständig zum Tragen. Die Anzahl der in den neuen Bundesländern geborenen Studierenden wird sich dann zwangsläufig halbieren", warnt Kreckel. Daraus könne man viele negative Folgen ableiten, nicht nur für das Hochschulbudget und das "Wanderungsverhalten" der Studenten. Aber er sieht auch Chancen, weil man gerade im Osten gelernt habe, nicht "wie das Kaninchen auf die Schlange zu starren", sondern selbst aktiv zu werden.

Kreckel sieht den wissenschaftlichen Wert der Studie vor allem in ihrer umfassenden Betrachtungsweise. "Es gibt viele unausgewertete Daten und viele kleinere Analysen zum Thema, deren Ergebnisse auf Grund ihrer regionalen Sichtweise nur eingeschränkt auf Ostdeutschland anwendbar sind. Wir wollen einen größeren Überblick geben", erklärt der Soziologieprofessor weiter.

In den folgenden Monaten werden mehrere forschungserfahrene Mitarbeiter des Instituts Datenbanken durchqueren und Statistiken analysieren. "Es existiert genügend Datenmaterial verschiedener Herkunft, das noch nicht ausreichend ausgewertet wurde und brach liegt", fährt Kreckel fort und beruft sich unter anderem auf Migrations- und Hochschulstatistiken fremder Provenienz. Die Ergebnisse der Studie werden 2007 in einem größeren Band nachzulesen sein.

Das Institut für Hochschulforschung mit Sitz in Wittenberg wurde 1996 als An-Institut der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg gegründet. Es befasst sch mit der Erforschung des Hochschulreformgeschehens in Deutschland im internationalen Vergleich. Einer seiner Forschungsschwerpunkte liegt im Bereich der Entwicklung ostdeutscher Hochschulen. Neben Projektaufträgen werden auch eigene Projekte initiiert.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Reinhard Kreckel
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Philosophische Fakultät, Institut für Soziologie
Tel.: 0345 55-24250
E-Mail: kreckel@soziologie.uni-halle.de

Dr. Margarete Wein | idw
Weitere Informationen:
http://www.hof.uni-halle.de/

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