Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Grenze zwischen Vollzeit und Teilzeit muss fallen

03.01.2003


Geringfügige Beschäftigung wird Auslaufmodell - Institut Arbeit und Technik untersuchte Erwerbs- und Arbeitszeitwünsche in 16 Ländern: "Wie die Europäer arbeiten wollen..."



Die Grenzen zwischen Voll- und Teilzeitarbeit müssen durchlässiger werden, damit die Europäer arbeiten können, wie sie eigentlich wollen. "Wahlarbeitszeiten" unterhalb des heutigen Vollzeitstandards sollten zur Normalität werden, wie in den Niederlanden muss jeder Beschäftigte das gesetzlich verbriefte Recht haben, seine Arbeitszeit zu ändern, fordert der Arbeitsmarktexperte Prof. Dr. Gerhard Bosch, Vizepräsident des Instituts Arbeit und Technik (IAT/Gelsenkirchen). Das folgt aus einer Studie des IAT zu den tatsächlichen und gewünschten Arbeitszeiten in Europa, die jetzt erschienen ist.



Im Rahmen der im Auftrag der Europäischen Stiftung für die Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen in Dublin durchgeführten repräsentativen Befragung in den 15 EU-Mitgliedsstaaten und Norwegen wurden die Erwerbswünsche und Arbeitszeitpräferenzen empirisch erhoben. Die Studie zeigt eine hohe Übereinstimmung der Wünsche von Arbeitnehmern in den 16 europäischen Ländern, so dass eine europäische Beschäftigungs- und Arbeitspolitik sinnvoll und machbar erscheint.

39 Stunden pro Woche arbeitet im Durchschnitt jeder Erwerbstätige in Europa. Viel wollen jedoch weniger arbeiten - eine Arbeitszeitverkürzung um 4,5 auf 34,5 Stunden ist Wunsch der Europäer. Gleichzeitig müsste die Beschäftigungsquote steigen, Arbeitszeit zwischen Beschäftigten und Nicht-Erwerbstätigen umverteilt werden, wenn die Wünsche wahr werden sollen.

Hinter den Durchschnittzahlen stehen sehr unterschiedliche Entwicklungen: Viele Männer wünschen sich weniger Überstunden, ein Teil vollzeitarbeitender Frauen will Teilzeit arbeiten, viele in geringfügiger Beschäftigung dagegen ihre Arbeitszeit auf 25 bis 34 Stunden ausweiten. "Geringfügige Jobs sind ein Auslaufmodell, nimmt man die Wünsche ernst", so Bosch. Das Interesse der Europäer an "Sabbaticals" ist groß. 57 Prozent fänden es nützlich, ihre Erwerbstätigkeit zeitweilig für eine längere Reise oder Bildungsaktivitäten zu unterbrechen, sofern die Rückkehr an den alten Arbeitsplatz gewährleistet ist. 38 Prozent der Interessierten würden sich sogar ohne Einkommensausgleich freistellen lassen.

Insgesamt wollen die Beschäftigten kürzer arbeiten, aber viele der heute Nichtbeschäftigten - darunter vor allem Frauen - wollen künftig erwerbstätig sein und das nicht nur in prekären Arbeitsverhältnissen. Die Beschäftigungsquote (Anteil der Beschäftigten an allen Personen im erwerbsfähigen Alter von 16 bis 65) in Europa müsste von heute 63 Prozent um 11 Prozentpunkte auf 74 Prozent steigen und würde damit das Niveau in den USA allerdings ohne die dort so langen Arbeitszeiten erreichen. Da die meisten Beschäftigten kürzere Arbeitszeiten wünschen, wäre das europäische Modell durch eine hohe Beteiligung am Erwerbsleben mit kurzen individuellen Arbeitszeiten gekennzeichnet. Durch eine bessere öffentliche Betreuung kleiner Kinder und Ganztagsschulen müssen die tatsächlichen Wahlmöglichkeiten berufstätiger Eltern verbessert werden. In Deutschland und in Südeuropa bestehen hier die größten Defizite.

Die Anforderungen an die Arbeitszeitpolitik sind in allen EU-Ländern ähnlich: Wunsch sind tendenziell kürzere, aber auch differenziertere Wochenarbeitszeiten, die zudem im Verlauf des Erwerbslebens variieren. "Voraussetzung für die Umsetzung der Arbeitszeitwünsche ist eine flexiblere Organisation der Arbeit. Mehr als bisher müssen die Unternehmen Lösungen für neue Arbeitszeitmodelle entwickeln", fordert Prof. Bosch.

Bielenski, Harald / Bosch, Gerhard / Wagner, Alexandra, 2002: Wie die Europäer arbeiten wollen: Erwerbs- und Arbeitszeitwünsche in 16 Ländern. Frankfurt: Campus-Verl. ISBN 3-593-37162-6

Für weitere Fragen steht
Ihnen zur Verfügung:
Prof. Dr. Gerhard Bosch
Durchwahl: 0209/1707-147

Pressereferentin
Claudia Braczko
Munscheidstraße 14
45886 Gelsenkirchen
Tel.: +49-209/1707-176
Fax: +49-209/1707-110
E-Mail: braczko@iatge.de


Claudia Braczko | idw
Weitere Informationen:
http://iat-info.iatge.de

Weitere Berichte zu: Auslaufmodell Beschäftigungsquote

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Grundlagen der Blockchain-Technologie in der Energiewirtschaft
27.07.2018 | Forschungsstelle für Energiewirtschaft e.V.

nachricht Studie zu Werkstoffprüfung: Schäden in nichtmagnetischem Stahl mit Magnetismus aufspüren
23.07.2018 | Technische Universität Kaiserslautern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue interaktive Software: Maschinelles Lernen macht Autodesigns aerodynamischer

Neue Software verwendet erstmals maschinelles Lernen um Strömungsfelder um interaktiv designbare 3D-Objekte zu berechnen. Methode wird auf der renommierten SIGGRAPH-Konferenz vorgestellt

Wollen Ingenieure oder Designer die aerodynamischen Eigenschaften eines neu gestalteten Autos, eines Flugzeugs oder anderer Objekte testen, lassen sie den...

Im Focus: New interactive machine learning tool makes car designs more aerodynamic

Scientists develop first tool to use machine learning methods to compute flow around interactively designable 3D objects. Tool will be presented at this year’s prestigious SIGGRAPH conference.

When engineers or designers want to test the aerodynamic properties of the newly designed shape of a car, airplane, or other object, they would normally model...

Im Focus: Der Roboter als „Tankwart“: TU Graz entwickelt robotergesteuertes Schnellladesystem für E-Fahrzeuge

Eine Weltneuheit präsentieren Forschende der TU Graz gemeinsam mit Industriepartnern: Den Prototypen eines robotergesteuerten CCS-Schnellladesystems für Elektrofahrzeuge, das erstmals auch das serielle Laden von Fahrzeugen in unterschiedlichen Parkpositionen ermöglicht.

Für elektrisch angetriebene Fahrzeuge werden weltweit hohe Wachstumsraten prognostiziert: 2025, so die Prognosen, wird es jährlich bereits 25 Millionen...

Im Focus: Robots as 'pump attendants': TU Graz develops robot-controlled rapid charging system for e-vehicles

Researchers from TU Graz and their industry partners have unveiled a world first: the prototype of a robot-controlled, high-speed combined charging system (CCS) for electric vehicles that enables series charging of cars in various parking positions.

Global demand for electric vehicles is forecast to rise sharply: by 2025, the number of new vehicle registrations is expected to reach 25 million per year....

Im Focus: Der „TRiC” bei der Aktinfaltung

Damit Proteine ihre Aufgaben in Zellen wahrnehmen können, müssen sie richtig gefaltet sein. Molekulare Assistenten, sogenannte Chaperone, unterstützen Proteine dabei, sich in ihre funktionsfähige, dreidimensionale Struktur zu falten. Während die meisten Proteine sich bis zu einem bestimmten Grad ohne Hilfe falten können, haben Forscher am Max-Planck-Institut für Biochemie nun gezeigt, dass Aktin komplett von den Chaperonen abhängig ist. Aktin ist das am häufigsten vorkommende Protein in höher entwickelten Zellen. Das Chaperon TRiC wendet einen bislang noch nicht beschriebenen Mechanismus für die Proteinfaltung an. Die Studie wurde im Fachfachjournal Cell publiziert.

Bei Aktin handelt es sich um das am häufigsten vorkommende Protein in höher entwickelten Zellen, das bei Prozessen wie Zellstabilisation, Zellteilung und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Das Architekturmodell in Zeiten der Digitalen Transformation

14.08.2018 | Veranstaltungen

EEA-ESEM Konferenz findet an der Uni Köln statt

13.08.2018 | Veranstaltungen

Digitalisierung in der chemischen Industrie

09.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Kleine Helfer bei der Zellreinigung

14.08.2018 | Biowissenschaften Chemie

Neue Oberflächeneigenschaften für holzbasierte Werkstoffe

14.08.2018 | Materialwissenschaften

Fraunhofer IPT unterstützt Zweitplatzierten bei SpaceX-Wettbewerb

14.08.2018 | Förderungen Preise

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics