Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Alter, Einkommen und Familienstand: Soziodemografische Faktoren beeinflussen Kosten durch Rückenschmerzen

06.06.2008
Dass Rückenschmerzen zu den häufigsten Gesundheitsproblemen in den Industrienationen gehören, ist ebenso bekannt, wie dass durch sie erhebliche Kosten für Krankenkassen und Wirtschaft entstehen. 70 Prozent der erwachsenen Deutschen leiden im Zeitraum von einem Jahr an Rückenschmerzen.

Christina Wenig und Bernd Schweikert vom Institut für Gesundheitsökonomie und Management im Gesundheitswesen des Helmholtz Zentrums München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt haben nun zusammen mit Wissenschaftlern des Instituts für Community Medicine der Ernst-Moritz-Arndt-Universität in Greifswald soziodemografische Variablen der Patienten als potentielle kostenbeeinflussende Parameter unter die Lupe genommen.

Erstmals untersuchten damit Wissenschaftler in einer deutschen sogenannten Bottom-up-Studie, wie sich etwa Geschlecht, Alter, Bildung und Familienstand auf die durch Rückenschmerzen verursachten Kosten auswirken. Vorteil dieser Methode ist, dass sowohl die wichtigsten Kostenkomponenten identifiziert, als auch Variabilität und Verteilung der Belastung erklärt werden können. Einbezogen in die Befragung des Deutschen Forschungsnetzwerks für Rückenschmerzen wurden 9267 Deutsche; das Ergebnis wurde auf die Gesamtbevölkerung zwischen 18 und 75 Jahren extrapoliert. Die Resultate im European Journal of Pain online veröffentlicht.

Das Team stellte fest, dass durchschnittlich 1322 Euro an Kosten pro Person in einem Jahr durch Rückenschmerzen verursacht wurden. Direkte Kosten, also Ausgaben, die durch die Behandlung der Beschwerden entstanden, nahmen 46 Prozent ein und entsprachen damit in etwa den indirekten Kosten, also Produktionsausfällen, mit 54 Prozent. Die höchsten Kosten entstanden im Alter von 50 Jahren. Unter den Patienten, die Leistungen in Anspruch nahmen, wirkten auch soziale Umstände wie Arbeitslosigkeit, niedrige Bildung und Singledasein kostensteigernd. Die deutlichste Korrelation fanden die Forscher zwischen Schmerzgrad und Kosten.

... mehr zu:
»Rückenschmerz

Insgesamt ermittelten die Forscher Kosten in Höhe von 48,9 Milliarden Euro, die durch Rückenschmerzen in Deutschland verursacht wurden, also 2,2 Prozent des Deutschen Bruttoinlandprodukts. Ausgaben, die durch Präventions- oder Therapiemaßnahmen verursacht wurden, hatten daran einen Anteil von 9,7 Prozent. Oft war der Patient auch persönlich von den Kosten betroffen.

Die Ergebnisse der Studie legen nahe, dass effektive Präventionsprogramme Ausgaben im privaten wie öffentlichen Bereich senken können. Zusätzlich können die Erkenntnisse helfen Forschungsschwerpunkte zu setzen sowie das Budget für innovative medizinische Strategien sinnvoll einzusetzen.

Redaktion

Heinz-Jörg Haury,
Helmholtz Zentrum München -
Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (GmbH)
Tel.: 089-3187-2460, E-Mail: presse@helmholtz-muenchen.de

Michael van den Heuvel | idw
Weitere Informationen:
http://www.helmholtz-muenchen.de
http://www.europeanjournalpain.com/article/S1090-3801(08)00082-7/abstract

Weitere Berichte zu: Rückenschmerz

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Wenn das Smartphone zur Schuldenfalle wird
15.10.2018 | Justus-Liebig-Universität Gießen

nachricht Atomare Verunreinigung ähnlich wie bei Edelsteinen dient als Quanten-Informationsspeicher
01.10.2018 | Technische Universität Kaiserslautern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit Gravitationswellen die Dunkle Materie ausleuchten

Schwarze Löcher stossen zusammen, Gravitationswellen breiten sich durch die Raumzeit aus - und ein riesiges Messgerät ermöglicht es, die Struktur des Universums zu erkunden. Dies könnte bald Realität werden, wenn die Raumantenne LISA ihren Betrieb aufnimmt. UZH-Forschende zeigen nun, dass LISA auch Aufschluss über die schwer fassbaren Partikel der Dunklen Materie geben könnte.

Dank der Laserinterferometer-Raumantenne (LISA) können Astrophysiker Gravitationswellen beobachten, die von Schwarzen Löchern ausgesendet werden. Diese...

Im Focus: Auf dem Weg zu maßgeschneiderten Naturstoffen

Biotechnologen entschlüsseln Struktur und Funktion von Docking Domänen bei der Biosynthese von Peptid-Wirkstoffen

Mikroorganismen bauen Naturstoffe oft wie am Fließband zusammen. Dabei spielen bestimmte Enzyme, die nicht-ribosomalen Peptid Synthetasen (NRPS), eine...

Im Focus: Größter Galaxien-Proto-Superhaufen entdeckt

Astronomen enttarnen mit dem ESO Very Large Telescope einen kosmischen Titanen, der im frühen Universum lauert

Ein Team von Astronomen unter der Leitung von Olga Cucciati vom Istituto Nazionale di Astrofisica (INAF) Bologna hat mit dem VIMOS-Instrument am Very Large...

Im Focus: Auf Wiedersehen, Silizium? Auf dem Weg zu neuen Materalien für die Elektronik

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung (MPI-P) in Mainz haben zusammen mit Wissenschaftlern aus Dresden, Leipzig, Sofia (Bulgarien) und Madrid (Spanien) ein neues, metall-organisches Material entwickelt, welches ähnliche Eigenschaften wie kristallines Silizium aufweist. Das mit einfachen Mitteln bei Raumtemperatur herstellbare Material könnte in Zukunft als Ersatz für konventionelle nicht-organische Materialien dienen, die in der Optoelektronik genutzt werden.

Bei der Herstellung von elektronischen Komponenten wie Solarzellen, LEDs oder Computerchips wird heutzutage vorrangig Silizium eingesetzt. Für diese...

Im Focus: Goodbye, silicon? On the way to new electronic materials with metal-organic networks

Scientists at the Max Planck Institute for Polymer Research (MPI-P) in Mainz (Germany) together with scientists from Dresden, Leipzig, Sofia (Bulgaria) and Madrid (Spain) have now developed and characterized a novel, metal-organic material which displays electrical properties mimicking those of highly crystalline silicon. The material which can easily be fabricated at room temperature could serve as a replacement for expensive conventional inorganic materials used in optoelectronics.

Silicon, a so called semiconductor, is currently widely employed for the development of components such as solar cells, LEDs or computer chips. High purity...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Lehren und Lernen mit digitalen Medien im Fokus

22.10.2018 | Veranstaltungen

Natürlich intelligent

19.10.2018 | Veranstaltungen

Rettungsdienst und Feuerwehr - Beschaffung von Rettungsdienstfahrzeugen, -Geräten und -Material

18.10.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Chemie aus der Luft: atmosphärischem Stickstoff als Alternative

22.10.2018 | Biowissenschaften Chemie

Gebirge bereiten Boden für Artenreichtum

22.10.2018 | Geowissenschaften

Neuer Wirkstoff gegen Anthrax

22.10.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics