Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zahlen nicht vorbehaltlos vertrauen

11.06.2008
International Mathematical Union veröffentlicht Bericht "Citation Statistics". Zahlen wie der Impact Factor, berechnet mittels statistischer Auswertung von Zitaten in der wissenschaftlichen Literatur, werden immer häufiger eingesetzt, um Forschungsleistungen zu bewerten. Aber sind diese wirklich die besten Indikatoren zur Messung wissenschaftlicher Qualität?

Drei internationale mathematische Organisationen haben heute einen Bericht mit dem Titel "Citation Statistics" herausgegeben, der sich mit dieser Frage beschäftigt.

Der Report, geschrieben aus der Sicht von Statistikern und Mathematikern, gibt Aufschluss über Bewertungsmethoden wie den Impact Factor, den h-Index und verwandte Größen und mahnt, diesen Zahlen nicht vorbehaltlos zu vertrauen. Ihre vermeintliche Genauigkeit, Objektivität und Einfachheit wird oft gelobt, doch der Glaube daran ist unbegründet.

Wichtige Erkenntnisse des Berichts sind:
*Statistiken sind nicht genauer als andere Methoden, wenn sie unsachgemäß erstellt werden; Statistiken können in die Irre führen, wenn sie falsch benutzt oder falsch verstanden werden.
... mehr zu:
»Forschungsleistung

*Die Objektivität von Zitaten ist illusorisch, da die Bedeutung von Zitation nicht richtig verstanden ist. Häufig haben Zitate nichts mit dem zu tun, was mit "Impact" gemeint ist.

*Die Reduzierung der Bewertung von Forschungsleistungen auf eine einzige Zahl ist verführerisch einfach, das kann jedoch zu einem sehr oberflächlichen Verständnis von etwas so kompliziertem wie Forschung führen. Zahlen sind nicht von Natur aus sorgfältiger Beurteilung überlegen.

Der Bericht wirbt für eine vernünftige Nutzung von Zitationsstatistiken bei der Bewertung von Forschung und weist auf häufige falsche Anwendungen hin. Die Autoren erkennen an, dass möglichst einfache und praktisch handhabbare Verfahren Teil von Bewertungsprozessen sein müssen und dass dabei natürlich auch Zitate zu berücksichtigen sind. Sie warnen jedoch davor, sich dabei zu stark auf den Impact Factor und verwandte Zahlen zu verlassen, da diese nur einen sehr eingeschränkten Rückschluss auf die Qualität von Forschung erlauben. Forschung ist zu wichtig, um sie nur mit einem einzigen groben Werkzeug zu messen.

Der Bericht "Citation Statistics" wurde von der International Mathematical Union (IMU) gemeinsam mit dem International Council for Industrial and Applied Mathematics (ICIAM) und dem Institute of Mathematical Statistics (IMS) in Auftrag gegeben. Er stützt sich auf umfangreiche Literatur über die Verwendung von Zitationsdaten zur Bewertung von Forschungsleistungen, untersucht insbesondere den Impact Factor, den h-Index und dessen verschiedene Varianten und verwertet Berichte von Mathematikern und anderen Wissenschaftlern aus aller Welt über die Verwendung dieser Indikatoren in der Praxis.

IMU, ICIAM, IMS

Die International Mathematical Union (IMU) ist eine internationale, nichtstaatliche, gemeinnützige wissenschaftliche Organisation, die die internationale Zusammenarbeit in der Mathematik fördert.

Den gesamten Bericht als pdf erhalten Sie bei:
Prof. Martin Grötschel, Generalsekretär der International Mathematical Union,
Zuse-Institut Berlin, Takustr. 7, D-14195 Berlin, Deutschland
E-mail: secretary@mathunion.org, Tel: +49 30 84185 210

Rudolf Kellermann | idw
Weitere Informationen:
http://www.matheon.de/
http://www.mathunion.org/

Weitere Berichte zu: Forschungsleistung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Statistiken:

nachricht Zahl der Rheuma-Patienten höher als bisher angenommen
23.11.2017 | Versorgungsatlas

nachricht Frauenanteil in Professorenschaft 2015 auf 23 % gestiegen
14.07.2016 | Statistisches Bundesamt

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Statistiken >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleine Teilchen, große Wirkung: Wie Nanoteilchen aus Graphen die Auflösung von Mikroskopen verbessern

Konventionelle Lichtmikroskope können Strukturen nicht mehr abbilden, wenn diese einen Abstand haben, der kleiner als etwa die Lichtwellenlänge ist. Mit „Super-resolution Microscopy“, entwickelt seit den 80er Jahren, kann man diese Einschränkung jedoch umgehen, indem fluoreszierende Materialien eingesetzt werden. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Polymerforschung haben nun entdeckt, dass aus Graphen bestehende Nano-Moleküle genutzt werden können, um diese Mikroskopie-Technik zu verbessern. Diese Nano-Moleküle bieten eine Reihe essentieller Vorteile gegenüber den bisher verwendeten Materialien, die die Mikroskopie-Technik noch vielfältiger einsetzbar machen.

Mikroskopie ist eine wichtige Untersuchungsmethode in der Physik, Biologie, Medizin und vielen anderen Wissenschaften. Sie hat jedoch einen Nachteil: Ihre...

Im Focus: Small particles, big effects: How graphene nanoparticles improve the resolution of microscopes

Conventional light microscopes cannot distinguish structures when they are separated by a distance smaller than, roughly, the wavelength of light. Superresolution microscopy, developed since the 1980s, lifts this limitation, using fluorescent moieties. Scientists at the Max Planck Institute for Polymer Research have now discovered that graphene nano-molecules can be used to improve this microscopy technique. These graphene nano-molecules offer a number of substantial advantages over the materials previously used, making superresolution microscopy even more versatile.

Microscopy is an important investigation method, in physics, biology, medicine, and many other sciences. However, it has one disadvantage: its resolution is...

Im Focus: Mit künstlicher Intelligenz zum besseren Holzprodukt

Der Empa-Wissenschaftler Mark Schubert und sein Team nutzen die vielfältigen Möglichkeiten des maschinellen Lernens für holztechnische Anwendungen. Zusammen mit Swiss Wood Solutions entwickelt Schubert eine digitale Holzauswahl- und Verarbeitungsstrategie unter Verwendung künstlicher Intelligenz.

Holz ist ein Naturprodukt und ein Leichtbauwerkstoff mit exzellenten physikalischen Eigenschaften und daher ein ausgezeichnetes Konstruktionsmaterial – etwa...

Im Focus: Eine Fernsteuerung für alles Kleine

Atome, Moleküle oder sogar lebende Zellen lassen sich mit Lichtstrahlen manipulieren. An der TU Wien entwickelte man eine Methode, die solche „optischen Pinzetten“ revolutionieren soll.

Sie erinnern ein bisschen an den „Traktorstrahl“ aus Star Trek: Spezielle Lichtstrahlen werden heute dafür verwendet, Moleküle oder kleine biologische Partikel...

Im Focus: Atome hüpfen nicht gerne Seil

Nanooptische Fallen sind ein vielversprechender Baustein für Quantentechnologien. Forscher aus Österreich und Deutschland haben nun ein wichtiges Hindernis für deren praktischen Einsatz aus dem Weg geräumt. Sie konnten zeigen, dass eine besondere Form von mechanischen Vibrationen gefangene Teilchen in kürzester Zeit aufheizt und aus der Falle stößt.

Mit der Kontrolle einzelner Atome können Quanteneigenschaften erforscht und für technologische Anwendungen nutzbar gemacht werden. Seit rund zehn Jahren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Chemnitzer Linux-Tage 2020: „Mach es einfach!“

18.11.2019 | Veranstaltungen

Humanoide Roboter in Aktion erleben

18.11.2019 | Veranstaltungen

1. Internationale Konferenz zu Agrophotovoltaik im August 2020

15.11.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Kleine Teilchen, große Wirkung: Wie Nanoteilchen aus Graphen die Auflösung von Mikroskopen verbessern

20.11.2019 | Materialwissenschaften

Eisberge als Nährstoffquelle - Führt der Klimawandel zu mehr Eisendüngung im Ozean?

20.11.2019 | Geowissenschaften

Gehen verändert das Sehen

20.11.2019 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics