Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Eine Aufnahme des Carinanebels anlässlich der Einweihung des VLT Survey Telescopes

06.12.2012
Pressemitteilung der Europäischen Südsternwarte (Garching) - Das VLT Survey Telescope am Paranal-Observatorium der ESO hat ein eindrucksvolles neues Bild des Carinanebels aufgenommen, das heute anlässlich der Einweihungszeremonie für das Teleskop in Neapel veröffentlicht wird. Die Aufnahme wurde am 5. Juni 2012 unter Mitwirkung von Sebastián Piñera, dem chilenischen Präsidenten, während seines Besuchs des Observatoriums erstellt.
Das neueste Teleskop am Paranal-Observatorium der ESO in Chile – das VLT Survey Telescope (VST) – wurde heute mit einer Feier am nationalen italienischen Institut für Astrophysik (INAF) – Observatorio di Capodimonte im italienischen Neapel eingeweiht. An der Zeremonie nahmen der Bürgermeister von Neapel Luigi De Magistris, INAF-Präsident Giovanni Bignami sowie Bruno Leibundgut und Roberto Tamai als Repräsentanten der ESO und Massimo Capaccioli von der Universität Neapel, einer der Hauptunterstützer des Projektes, teil.

Das VST ist ein hochmodernes 2,6-Meter Teleskop. Sein Herzstück ist die 268-Megapixel-Kamera OmegaCAM. Seine Hauptaufgabe besteht in der schnellen und dennoch sehr genauen Durchmusterung von großen Himmelsbereichen. Es ist das weltweit größte Teleskop, das ausschließlich für Durchmusterungen im sichtbaren Licht eingesetzt wird [1]. Anlässlich seiner Einweihung wurde nun ein beeindruckendes Bild des Carinanebels veröffentlicht, das mit dem VST aufgenommen wurde.

Der Carinanebel ist eine Sternentstehungsregion und eines der prächtigsten und am meisten fotografierten Objekte am Südhimmel. Andere ESO-Teleskope haben ihn schon mehrfach beobachtet. Weil die hell leuchtende Gaswolke aber sehr ausgedehnt ist, haben die meisten Teleskope große Schwierigkeiten, mehr als nur einen winzigen Ausschnitt davon auf einmal abzubilden. Für das VLT Survey Telescope und seine Kamera OmegaCAM ist das Objekt dagegen perfekt geeignet. Von seinem hervorragenden Standort aus kann das VST die Stärken seiner exzellenten Optik ausspielen und extrem scharfe Aufnahmen liefern. Und da es speziell für Himmelsdurchmusterungen konstruiert wurde, hat es ein so großes Gesichtsfeld, dass es beinahe den gesamten Carinanebel auf einmal aufnehmen kann.

Aus diesem Grund bot sich der Carinanebel als Beobachtungsziel an, als Sebastián Piñera, der chilenische Präsident,und seine Frau Cecilia Morel am 5. Juni 2012 das Paranal-Observatorium besuchten und dabei auch an den Beobachtungen teilnahmen. Das an diesem Tag entstandene Bild wurde nun mit anderen kürzlich aufgenommen VST-Daten zu einer der detailliertesten und farbenprächtigsten Aufnahmen des Carinanebels überhaupt kombiniert.

Der Carinanebel ist eine riesige Sternkinderstube, die sich etwa 7500 Lichtjahre von der Erde entfernt im Sternbild Carina (der Schiffskiel) befindet [2]. Damit ist diese leuchtende Gas- und Staubwolke eine der nächstgelegenen Sternentstehungsregionen und ist daher für Astronomen ein ideales Versuchsobjekt, um die spektakuläre Geburt und die frühen Lebensabschnitte von Sternen zu untersuchen. Der Carinanebel enthält einige der massereichsten bekannten Sterne..

Die auffällige rote Farbe im Bild stammt vom Wasserstoffgas des Nebels, das von der starken Ultraviolettstrahlung der vielen jungen und heißen Sterne zum Leuchten angeregt wird [3]. Andere der im Bild sichtbaren Farben stammen von weiteren Elementen im Gas, vor dem sich die zahlreichen Staubwolken dunkel abzeichnen. Etwas oberhalb der Bildmitte befindet sich der helle Stern Eta Carinae (eso0817). Dieser riesige und extrem instabile Stern hat im 19. Jahrhundert einen dramatischen Helligkeitsausbruch durchlaufen und ist ein guter Kandidat für eine Supernovaexplosion in naher Zukunft.

Endnoten

[1] Das VST-Programm war ein Gemeinschaftsprojekt vom italienischen INAF - Osservatorio Astronomico di Capodimonte in Neapel und der ESO. Das INAF hat das Teleskop in Zusammenarbeit mit führenden italienischen Unternehmen entwickelt und gebaut, während die ESO für den Schutzbau und Bautätigkeiten am Standort des Observatoriums verantwortlich war. OmegaCAM, die Kamera des VST, wurde von einem Konsortium aus Instituten in den Niederlanden, Deutschland und Italien gebaut, wobei die ESO auch hier bedeutende Beiträge geleistet hat. Der Betrieb des Teleskops sowie die Archivierung und Weiterverteilung der gewonnenen Daten obliegen ebenfalls der ESO. Weitere Informationen unter eso1119.

[2] Carina ist der Kiel des mythischen Schiffes Argo aus der Sage von Jason und den Argonauten.

[3] Der Spezialfilter, der verwendet wurde um im Licht des Wasserstoffs zu beobachten, wurde freundlicherweise vom VPHAS+ Konsortium zur Verfügung gestellt.

Zusatzinformationen

Im Jahr 2012 feiert die Europäische Südsternwarte ESO (European Southern Observatory) das 50-jährige Jubiläum ihrer Gründung. Die ESO ist die führende europäische Organisation für astronomische Forschung und das wissenschaftlich produktivste Observatorium der Welt. Getragen wird die Organisation durch ihre 15 Mitgliedsländer: Belgien, Brasilien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Italien, die Niederlande, Österreich, Portugal, Spanien, Schweden, die Schweiz, die Tschechische Republik und das Vereinigte Königreich. Die ESO ermöglicht astronomische Spitzenforschung, indem sie leistungsfähige bodengebundene Teleskope entwirft, konstruiert und betreibt. Auch bei der Förderung internationaler Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Astronomie spielt die Organisation eine maßgebliche Rolle. Die ESO betreibt drei weltweit einzigartige Beobachtungsstandorte in Nordchile: La Silla, Paranal und Chajnantor. Auf dem Paranal betreibt die ESO mit dem Very Large Telescope (VLT) das weltweit leistungsfähigste Observatorium für Beobachtungen im Bereich des sichtbaren Lichts und zwei Teleskope für Himmelsdurchmusterungen: VISTA, das größte Durchmusterungsteleskop der Welt, arbeitet im Infraroten, während das VLT Survey Telescope (VST) für Himmelsdurchmusterungen ausschließlich im sichtbaren Licht konzipiert ist. Die ESO ist der europäische Partner für den Aufbau des Antennenfelds ALMA, das größte astronomische Projekt überhaupt. Derzeit entwickelt die ESO ein Großteleskop mit 39 Metern Durchmesser für Beobachtungen im Bereich des sichtbaren und Infrarotlichts, das einmal das größte optische Teleskop der Welt werden wird: das European Extremely Large Telescope (E-ELT).

Die Übersetzungen von englischsprachigen ESO-Pressemitteilungen sind ein Service des ESO Science Outreach Network (ESON), eines internationalen Netzwerks für astronomische Öffentlichkeitsarbeit, in dem Wissenschaftler und Wissenschaftskommunikatoren aus allen ESO-Mitgliedsstaaten (und einigen weiteren Ländern) vertreten sind. Deutscher Knoten des Netzwerks ist das Haus der Astronomie in Heidelberg.

Kontaktinformationen

Carolin Liefke
ESO Science Outreach Network - Haus der Astronomie
Heidelberg, Deutschland
Tel: 06221 528 226
E-Mail: eson-germany@eso.org

Massimo Capaccioli
University of Naples Federico II and INAF-Capodimonte Astronomical Observatory
Naples, Italy
Tel: +39 081 557 5601
Handy: +39 335 677 6940
E-Mail: capaccioli@na.infn.it

Richard Hook
ESO, La Silla, Paranal, E-ELT & Survey Telescopes Press Officer
Garching bei München, Germany
Tel: +49 89 3200 6655
Handy: +49 151 1537 3591
E-Mail: rhook@eso.org

Dr. Carolin Liefke - | ESO Science Outreach Network
Weitere Informationen:
http://www.eso.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht VLT macht den präzisesten Test von Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie außerhalb der Milchstraße
22.06.2018 | ESO Science Outreach Network - Haus der Astronomie

nachricht Neue Phänomene im magnetischen Nanokosmos
22.06.2018 | Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

Noch mehr Reichweite oder noch mehr Nutzlast - das wünschen sich Fluggesellschaften für ihre Flugzeuge. Wegen ihrer hohen spezifischen Steifigkeiten und Festigkeiten kommen daher zunehmend leichte Faser-Kunststoff-Verbunde zum Einsatz. Bei Rümpfen oder Tragflächen sind permanent Innovationen in diese Richtung zu beobachten. Um dieses Innovationsfeld auch für Flugzeugräder zu erschließen, hat das Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF jetzt ein neues EU-Forschungsvorhaben gestartet. Ziel ist die Entwicklung eines ersten CFK-Bugrads für einen Airbus A320. Dabei wollen die Forscher ein Leichtbaupotential von bis zu 40 Prozent aufzeigen.

Faser-Kunststoff-Verbunde sind in der Luftfahrt bei zahlreichen Bauteilen bereits das Material der Wahl. So liegt beim Airbus A380 der Anteil an...

Im Focus: IT-Sicherheit beim autonomen Fahren

FH St. Pölten entwickelt neue Methode für sicheren Informationsaustausch zwischen Fahrzeugen mittels Funkdaten

Neue technische Errungenschaften wie das Internet der Dinge oder die direkte drahtlose Kommunikation zwischen Objekten erhöhen den Bedarf an effizienter...

Im Focus: Innovative Handprothesensteuerung besteht Alltagstest

Selbstlernende Steuerung für Handprothesen entwickelt. Neues Verfahren lässt Patienten natürlichere Bewegungen gleichzeitig in zwei Achsen durchführen. Forscher der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) veröffentlichen Studie im Wissenschaftsmagazin „Science Robotics“ vom 20. Juni 2018.

Motorisierte Handprothesen sind mittlerweile Stand der Technik bei der Versorgung von Amputationen an der oberen Extremität. Bislang erlauben sie allerdings...

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Leben im Plastikzeitalter: Wie ist ein nachhaltiger Umgang mit Plastik möglich?

21.06.2018 | Veranstaltungen

Kongress BIO-raffiniert X – Neue Wege in der Nutzung biogener Rohstoffe?

21.06.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

22.06.2018 | Materialwissenschaften

Lernen und gleichzeitig Gutes tun? Baufritz macht‘s möglich!

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

GFOS und skip Institut entwickeln gemeinsam Prototyp für Augmented Reality App für die Produktion

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics