Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Polymer lässt Augenkranke Licht wieder sehen

19.03.2013
Photovoltaik-Material als Hoffnung bei degenerativen Erkrankungen

Ein photovoltaisches Polymer bietet einen Hoffnungsschimmer für Patienten, die aufgrund degenerativer Augenerkrankungen wie Retinitis Pigmentosa das Augenlicht verlieren.


Elektrisierend: Hilfe für Erblindende in Sicht (Foto: Freestyler, pixelio.de)

Denn ein Forscherteam unter Leitung des Italian Institute of Technology (IIT) hat in einer in Nature Photonics veröffentlichten Arbeit gezeigt, dass das Material Rezeptoren einer Ratten-Retina geeignet stimulieren kann, um wieder Licht wahrzunehmen. Das organische Polymer könnte somit langfristig deutlich besser Retina-Implantate ermöglichen.

Da das Material flexibel ist, passt es besser ins Auge als ein steifer Silizium-Chip. Ferner wären Implantate möglich, die im Gegensatz zum bisher einzigen in Europa und den USA tatsächlich zugelassenen Modell "Argus II" von Second Sight http://2-sight.eu wirklich ohne externe Komponenten auskommen. Zudem könnte der Ansatz eine unglaubliche Auflösung bieten. "Im Prinzip könnte jedes Neuron oder Bipolarzelle angeragt werden, das Kontakt zu unserem Polymer hat", erklärt IIT-Materialwissenschaftler Guglielmo Lanzani gegenüber pressetext.

Strom für Neuronen

Die meisten kennen photovoltaische Materialien in Form von Solarzellen, also als Mittel zur Stromgewinnung. Das Team um Fabio Benfenati, Leiter des IIT Department of Neuroscience and Brain Technologies, sowie Lanzani hatte aber schon vor einigen Jahren eine völlig andere Idee. Ein geeignetes photovoltaisches Polymer kann bei Beleuchtung Neuronen anregen, wie 2011 gezeigt wurde. Jetzt haben die Forscher Tests durchgeführt, bei denen beschädigte Ratten-Retinas auf eine Polymer-Schicht aufgebracht wurden. Bei Beleuchtung haben die Neronen dann ähnlich reagiert wie in einer gesunden Retina.

Für die aktuell veröffentlichte Arbeit haben die Forscher zwar mit Retinas außerhalb des lebenden Körpers gearbeitet. Doch inzwischen sind erste Experimente mit Polymer-beschichteten Implantaten bei Ratten gestartet, berichtet Technology Review. Insbesondere untersucht das Team dabei, ob der Ansatz wirklich bei Retinitis Pigmentosa - einer degenerativen Augenkrankheit, die im späteren Verlauf meist zur völligen Erblindung führt und an der weltweit geschätzt 1,5 Mio. Menschen leiden - helfen kann.

Implantate ohne Extras

Bewährt sich das Polymer auch in weiteren Experimenten, wäre es sehr interessant für Retina-Implantate. Denn während beispielsweise Argus II und manche andere in Entwicklung befindliche Lösungen zusätzlich externe Komponenten wie Kameras erfordern, könnte der IIT-Ansatz laut Lanzani rein interne Implantate ermöglichen. Dadurch könnten Nutzer ihren Blick auch ganz normal durch Augenbewegung auf bestimmte Objekte richten, ohne beispielsweise wegen einer Kamera den Kopf drehen zu müssen.

Ein weiterer potenzieller Vorteil gegenüber aktuellen und in Entwicklung befindlichen Lösungen ist die Auflösung. Argus II beispielsweise bietet gerade einmal 64 Pixel, der Mikrochip Alpha IMS des deutschen Unternehmens Retina Implant http://retina-implant.de immerhin 1.500. Eine durchgängige Polymer-Beschichtung, die potenziell alle Rezeptoren im Auge wieder auf Licht reagieren lässt, könnte das klar in den Schatten stellen.

Thomas Pichler | pressetext.redaktion
Weitere Informationen:
http://www.iit.it

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Europaweit erste Patientin mit neuem Hybridgerät zur Strahlentherapie behandelt
19.07.2018 | Universitätsklinikum Heidelberg

nachricht Schonend, schnell und präzise: Innovative Herz-Bildgebung in Freiburg
18.07.2018 | Universitätsklinikum Freiburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Future electronic components to be printed like newspapers

A new manufacturing technique uses a process similar to newspaper printing to form smoother and more flexible metals for making ultrafast electronic devices.

The low-cost process, developed by Purdue University researchers, combines tools already used in industry for manufacturing metals on a large scale, but uses...

Im Focus: Rostocker Forscher entwickeln autonom fahrende Kräne

Industriepartner kommen aus sechs Ländern

Autonom fahrende, intelligente Kräne und Hebezeuge – dieser Ingenieurs-Traum könnte in den nächsten drei Jahren zur Wirklichkeit werden. Forscher aus dem...

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Sichere Schraubverbindungen mit standardisiertem Ultraschallverfahren

23.07.2018 | Verfahrenstechnologie

Studie zu Werkstoffprüfung: Schäden in nichtmagnetischem Stahl mit Magnetismus aufspüren

23.07.2018 | Studien Analysen

Sauerstoffstabile Hydrogenasen für die Anwendung

23.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics