Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Jeder Finger kann einzeln bewegt werden

10.04.2008
Neue Prothesenhand wird an der Orthopädischen Universitätsklinik Heidelberg getestet / Greiffunktion kommt natürlicher Hand sehr nahe

Sie kann eine Scheckkarte halten, mit dem Zeigefinger eine Tastatur bedienen und bis zu 20 Kilo schwere Tasche hochheben: Die weltweit erste, kommerziell vertriebene Prothesenhand, die jeden Finger einzeln bewegen kann und über eine erstaunliches Griffspektrum verfügt.

Erstmals hat ein Patient der Orthopädischen Universitätsklinik Heidelberg die "i-Limb-Hand" getestet. Der achtzehnjährige Sören Wolf, der mit nur einer Hand geboren wurde, ist begeistert über ihre Fähigkeiten.

Die neue Prothesenhand wird von der schottischen Firma "Touch Bionics" entwickelt und vertrieben; sie hat Vorteile gegenüber den bewährten Modellen. So erlaubt ein vergleichbares Produkt eines anderen Herstellers nur einen "Spitzgriff" von Daumen, Zeige- und Mittelfinger und kein Greifen mit allen fünf Fingern. Hierdurch ist ein formschlüssiges Umfassen eines Gegenstandes unmöglich.

Elektrische Muskelreize aus dem Armstumpf steuern die Prothese

Dass bei der i-Limb Hand jeder Finger aktiviert werden kann, ermöglichen eine komplexe Elektronik sowie fünf Motoren, die in den Fingern untergebracht sind. Über eine passive Positionierung des Daumens können verschiedene Griffmuster abgerufen werden. Die elektrischen Muskelreize aus dem Armstumpf steuern die Prothese; Muskelsignale werden von Elektroden auf der Haut abgenommen und zur Steuerungselektronik in der Prothesehand geleitet. Akkumulatoren sorgen für die notwendige Energie.

Auf einem anderen etwas Prinzip beruht die bislang nur als Prototyp entwickelte Karlsruher "Fluidhand", die ebenfalls in der Orthopädischen Universitätsklinik Heidelberg getestet wird. Anders als ihre Vorläufer kann die neue Hand Gegenstände umschließen, auch wenn deren Oberflächen unregelmäßig sind. Eine große Kontaktfläche und weiche, passive Formelemente verringern die Greifkraft, die erforderlich ist, um einen Gegenstand sicher festzuhalten um ein Vielfaches. Die Hand fühlt sich zudem weicher, elastischer und natürlicher an als herkömmliche, starre Prothesen.

Prothese "Fluidhand" bietet bessere Verarbeitung und bessere Greiffunktion

Die flexiblen Antriebe befinden sich direkt in den beweglichen Fingergelenken und arbeiten nach dem biologischen Vorbild des Spinnenbeins: Um die Gelenke zu beugen, werden elastische Kammern mittels einer Miniaturhydraulik aufgepumpt. Zeigefinger, Mittelfinger und Daumen lassen sich auf diese Weise unabhängig voneinander bewegen. Die Prothesenhand gibt dem Stumpf eine Rückmeldung, so dass der Amputierte die Griffkraft spürt.

Bislang hat Sören als einziger Heidelberger Patient beide Modelle getestet. "Für uns sind diese Erfahrungen sehr wichtig", erklärt Simon Steffen, Leiter der Abteilung Obere Extremität an der Orthopädischen Universitätsklinik Heidelberg. Die beiden neuen Modelle schneiden im Test am besten ab, mit leichtem Vorteil für die Fluidhand wegen ihrer besseren Verarbeitung, den programmierten Griffmustern, der Kraftrückkopplung sowie der besser einjustierbaren Ansteuerung.

Allerdings wird die Prothese nicht serienmäßig produziert, "Erst müssen die Entwickler eine Firma finden, die sie auch herstellt", so Alfons Fuchs, Leiter der Orthopädietechnik an der Orthopädischen Universitätsklinik Heidelberg, denn die Produktionskosten sind vergleichsweise hoch. Eine Einzelanfertigung ist jedoch möglich. Bisher hat weltweit nur ein einziger Patient die Fluidhand für seinen Alltag bekommen. Ein zweiter Patient wird demnächst in Heidelberg mit der innovativen Prothese versorgt.

Heidelberger Orthopädische Werkstätten liefern einzigartigen Service in Deutschland

Die Werkstatt der Orthopädischen Universitätsklinik Heidelberg besteht seit 1919 und ist in ihrer Form einzigartig in Deutschland. Seit der Contergankrise in den sechziger Jahren besitzt sie eine eigene Forschungsabteilung. Heute sind rund 60 hochspezialisierte Fachleute in der orthopädischen Werkstatt beschäftigt, die ihr Handwerk in einer mehrjährigen Ausbildung gelernt haben. Jährlich werden rund 5.000 Patienten mit orthopädietechnischen Hilfsmitteln versorgt und beraten.

Kontakt:

Alfons Fuchs
Leiter Technische Orthopädie
Stiftung Orthopädische Universitätsklinik
Schlierbacher Landstraße 200
69118 Heidelberg
Tel.: 06221/966406
E-Mail: alfons.fuchs@ok.uni-heidelberg.de
Pressemitteilung der Orthopädischen Universitätsklinik Heidelberg zur Armprothetik ("Ein Hauch von Science-Fiction") vom 10. September 2007:

idw-online.de/pages/de/news224826

Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 45 36
Fax: 06221 / 56 45 44
E-Mail: annette.tuffs(at)med.uni-heidelberg.de

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.orthopaedie.uni-hd.de
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/presse

Weitere Berichte zu: Greiffunktion Prothese Prothesenhand

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizintechnik:

nachricht Fester Zahnersatz trotz massiven Knochenschwunds
17.10.2018 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Neue Methode der statistischen Inferenz in der Magnetresonanztomographie (fMRI) entwickelt
16.10.2018 | Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Auf dem Weg zu maßgeschneiderten Naturstoffen

Biotechnologen entschlüsseln Struktur und Funktion von Docking Domänen bei der Biosynthese von Peptid-Wirkstoffen

Mikroorganismen bauen Naturstoffe oft wie am Fließband zusammen. Dabei spielen bestimmte Enzyme, die nicht-ribosomalen Peptid Synthetasen (NRPS), eine...

Im Focus: Größter Galaxien-Proto-Superhaufen entdeckt

Astronomen enttarnen mit dem ESO Very Large Telescope einen kosmischen Titanen, der im frühen Universum lauert

Ein Team von Astronomen unter der Leitung von Olga Cucciati vom Istituto Nazionale di Astrofisica (INAF) Bologna hat mit dem VIMOS-Instrument am Very Large...

Im Focus: Auf Wiedersehen, Silizium? Auf dem Weg zu neuen Materalien für die Elektronik

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung (MPI-P) in Mainz haben zusammen mit Wissenschaftlern aus Dresden, Leipzig, Sofia (Bulgarien) und Madrid (Spanien) ein neues, metall-organisches Material entwickelt, welches ähnliche Eigenschaften wie kristallines Silizium aufweist. Das mit einfachen Mitteln bei Raumtemperatur herstellbare Material könnte in Zukunft als Ersatz für konventionelle nicht-organische Materialien dienen, die in der Optoelektronik genutzt werden.

Bei der Herstellung von elektronischen Komponenten wie Solarzellen, LEDs oder Computerchips wird heutzutage vorrangig Silizium eingesetzt. Für diese...

Im Focus: Goodbye, silicon? On the way to new electronic materials with metal-organic networks

Scientists at the Max Planck Institute for Polymer Research (MPI-P) in Mainz (Germany) together with scientists from Dresden, Leipzig, Sofia (Bulgaria) and Madrid (Spain) have now developed and characterized a novel, metal-organic material which displays electrical properties mimicking those of highly crystalline silicon. The material which can easily be fabricated at room temperature could serve as a replacement for expensive conventional inorganic materials used in optoelectronics.

Silicon, a so called semiconductor, is currently widely employed for the development of components such as solar cells, LEDs or computer chips. High purity...

Im Focus: Blauer Phosphor – jetzt erstmals vermessen und kartiert

Die Existenz von „Blauem“ Phosphor war bis vor kurzem reine Theorie: Nun konnte ein HZB-Team erstmals Proben aus blauem Phosphor an BESSY II untersuchen und über ihre elektronische Bandstruktur bestätigen, dass es sich dabei tatsächlich um diese exotische Phosphor-Modifikation handelt. Blauer Phosphor ist ein interessanter Kandidat für neue optoelektronische Bauelemente.

Das Element Phosphor tritt in vielerlei Gestalt auf und wechselt mit jeder neuen Modifikation auch den Katalog seiner Eigenschaften. Bisher bekannt waren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Natürlich intelligent

19.10.2018 | Veranstaltungen

Rettungsdienst und Feuerwehr - Beschaffung von Rettungsdienstfahrzeugen, -Geräten und -Material

18.10.2018 | Veranstaltungen

11. Jenaer Lasertagung

16.10.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Ultraleichte und belastbare HighEnd-Kunststoffe ermöglichen den energieeffizienten Verkehr

19.10.2018 | Materialwissenschaften

IMMUNOQUANT: Bessere Krebstherapien als Ziel

19.10.2018 | Biowissenschaften Chemie

Raum für Bildung: Physik völlig schwerelos

19.10.2018 | Bildung Wissenschaft

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics