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Vorhofflimmern: Individuelle Behandlung soll das Sterberisiko senken

27.08.2013
Die Herzrhythmusstörung Vorhofflimmern ist mit einem erhöhten Sterberisiko verbunden. Die einzige Möglichkeit, die Überlebenschancen zu verbessern, ist eine maßgeschneiderte Behandlung jedes einzelnen Patienten.

Dies empfehlen europäische Kardiologen in einem Konsensusbericht, der jetzt gemeinsam vom deutschen Kompetenznetz Vorhofflimmern (AFNET) und der European Heart Rhythm Association (EHRA) herausgegeben wurde. Die Empfehlungen werden beim europäischen Kardiologenkongress Anfang September in Amsterdam vorgestellt.

„Die Sterblichkeit nach einem Herzinfarkt konnte in den letzten 10 bis 15 Jahren um zwei Drittel gesenkt werden, weil die Hauptursachen dieser Krankheit durch gezielte Behandlungsmaßnahmen inzwischen besser bekämpft werden. Beim Vorhofflimmern sind wir noch nicht so weit. Durch die Einführung der oralen Antikoagulation, das heißt der Einnahme von gerinnungshemmenden Medikamenten, können zwar zwei Drittel aller Schlaganfälle bei Vorhofflimmerpatienten verhindert werden. Aber die Patienten haben trotzdem ein höheres Sterberisiko als Gleichaltrige ohne Vorhofflimmern. Und wir sind bis jetzt nicht in der Lage, dieses Sterberisiko wesentlich zu senken, selbst dann nicht, wenn anerkannte Behandlungsmethoden angewandt werden.“ So beschreibt Prof. Paulus Kirchhof, Kardiologe in Birmingham und Mitglied des AFNET Vorstands, die Problematik des Vorhofflimmerns.

Im Rahmen der Vierten AFNET/EHRA Konsensuskonferenz hatten sich europäische und amerikanische Vorhofflimmer-Experten versammelt, um zu diskutieren, wie die wesentlichen pathophysiologischen Ursachen für Vorhofflimmern bei jedem einzelnen Patienten festgestellt werden können, um dann zielgerichtete individuelle Therapien zu entwickeln. Die Ergebnisse der Expertenkonferenz wurden anschließend in der Fachzeitschrift Europace unter Federführung von Prof. Kirchhof publiziert*.

Prof. Kirchhof erklärt: „Eine individuelle Behandlung von Vorhofflimmern erfordert das Verständnis der Krankheitsmechanismen und deren Übersetzung in geeignete Parameter, die wir bei Patienten messen können. Das ist für Vorhofflimmern besonders schwierig, weil der linke Herzvorhof ein kleiner Teil des Herzens ist, der weit hinten im Körper liegt und schwer zugänglich ist.“

Zum Teil werden bereits heute individualisierte Therapieentscheidungen bei Vorhofflimmern getroffen: Die Entscheidung für eine Antikoagulation erfolgt zumeist nach klinisch erfassbaren „Risikofaktoren“. Die Entscheidung zur rhythmuserhaltenden Therapie richtet sich nach der Schwere der Symptome. Dies sind jedoch nur sehr einfache Anfänge auf dem Weg zu einer individualisierten Therapie.

Der Konsensusbericht zeigt drei wesentliche Methoden auf, um die Behandlung von Vorhofflimmern basierend auf seinen Ursachen zu individualisieren: das Elektrokardiogramm (EKG), bildgebende Verfahren wie Echokardiographie und Magnetresonanztomographie (MRT) sowie Biomarker, das sind Proteine oder Gene, die im Blut gemessen werden, um den Typ des Vorhofflimmerns zu bestimmen.

Die Experten schlagen eine neue Systematik von Vorhofflimmern vor, die auf der Pathophysiologie der Rhythmusstörung beruht. Prof. Kirchhof erläutert: „Die Klassifizierung ist unvollständig, da es Überschneidungen zwischen den Kategorien gibt und die Mehrheit der Patienten in die Gruppe „nicht klassifiziertes Vorhofflimmern“ fällt. Aber sie zeigt, dass wir zunächst besser verstehen müssen, warum bestimmte Patienten Vorhofflimmern bekommen, bevor wir sie anhand von Biomarkern, Bildgebung oder EKG zusätzlich zu den klinischen Parametern klassifizieren und bessere Therapien entwickeln können.“

Zusammenfassend fährt er fort: „Wir hoffen, dass wir in den nächsten paar Jahren eine individualisierte Behandlung empfehlen und dadurch das hohe Sterberisiko dieser Krankheit verringern können. Es gibt noch viel Raum, die Behandlung von Vorhofflimmern zu optimieren, selbst wenn wir all die evidenzbasierten Therapien, die heutzutage verfügbar sind, anwenden. Zum Beispiel haben die neuen oralen Antikoagulanzien die Sterblichkeit nur um 5 bis 10 Prozent reduziert. Jeder vierte Vorhofflimmerpatient wird mindestens einmal pro Jahr wegen Vorhofflimmern ins Krankenhaus eingewiesen, was die hohe Erkrankungshäufigkeit und die enormen Versorgungskosten dieser Krankheit verdeutlicht. Dies ist die erste europäische Konsensuspublikation zur individuellen Behandlung von Vorhofflimmern, dem vielversprechendsten Weg, die Erkrankungshäufigkeit und das Sterberisiko bei Vorhofflimmern zu verringern.“

Das Kompetenznetz Vorhofflimmern:
Das Kompetenznetz Vorhofflimmern (AFNET) ist ein interdisziplinäres bundesweites Forschungsnetz, in dem Wissenschaftler und Ärzte aus Kliniken und Praxen zusammenarbeiten. Ziel der Forschungsprojekte, klinischen Studien und Register, die im Kompetenznetz Vorhofflimmern durchgeführt werden, ist es, die Behandlung und Versorgung von Vorhofflimmerpatienten zu verbessern. Das Netzwerk besteht seit 2003 und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Die Netzwerkzentrale befindet sich am Universitätsklinikum Münster.

http://www.kompetenznetz-vorhofflimmern.de

Die European Heart Rhythm Association:
Die European Heart Rhythm Association (EHRA) ist die europäische Fachgesellschaft für Arrhythmien und Elektrophysiologie. Sie ist ein Teil der European Society of Cardiology (ESC), der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie, und hat ihren Sitz in Sofia Antipolis, Frankreich.

http://www.escardio.org/COMMUNITIES/EHRA/Pages/welcome.aspx

Kontakt:
Prof. Paulus Kirchhof
University of Birmingham Centre for Cardiovascular Sciences
p.kirchhof@bham.ac.uk
Pressekontakt:
Dr. Angelika Leute
a.leute@t-online.de
Tel: 0202 2623395
*Kirchhof P et al.: Personalised management of atrial fibrillation: Summary of the 4thAFNET/EHRA consensus conference. Europace 2013; doi:10.1093/europace/eut232

Dr. Angelika Leute | idw
Weitere Informationen:
http://www.kompetenznetz-vorhofflimmern.de
http://www.escardio.org/COMMUNITIES/EHRA/Pages/welcome.aspx

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