Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Tuberkulose: Klinische Erprobung eines neu entwickelten Medikaments startet

05.06.2018

Das erste in Deutschland entwickelte Antibiotikum gegen Tuberkulose wird jetzt klinisch erprobt. Die neu entwickelte Prüfsubstanz mit der Bezeichnung BTZ043 ist auch gegen multiresistente Erreger wirksam, die zunehmend weltweit eine Behandlung erschweren. Das Projekt wird von Wissenschaftlern der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München und des Leibniz-Instituts für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie – Hans-Knöll-Instituts (HKI) in Jena geleitet. Das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) und das Konsortium InfectControl 2020 unterstützen einen Großteil der Studien.

In den letzten Jahrzehnten hat sich das Problem der Antibiotikaresistenz weltweit dramatisch verschärft. Wir stehen heute vor der Herausforderung, dass es immer mehr resistente Keime gibt, gegen die nur noch wenige Antibiotika helfen.


Tuberkulosebakterien, die mit BTZ043 behandelt werden (links), bekommen Löcher und laufen aus.

Dr. Andreas Wieser

Im Falle der Tuberkulose ist die Situation besonders schwierig, denn für ihre Behandlung müssen nach wie vor mehrere Antibiotika gleichzeitig verabreicht werden. Hinzu kommt, dass Mykobakterien, die Auslöser der Tuberkulose, über viele Mechanismen verfügen, um sich gegen die Wirkung einzelner Antibiotika zu schützen. Um neue Therapieformen zu entwickeln, werden daher dringend mehrere neue Wirkstoffe benötigt, idealerweise mit unterschiedlichen Wirkmechanismen.

Neuer Angriffspunkt am Mykobakterium wird genutzt

BTZ043 ist die zuerst entdeckte Substanz einer neuen Klasse von Antibiotika – chemisch den Benzothiazinonen zugehörig. „Der Wirkstoff bindet irreversibel an ein Enzym, das zum Aufbau der Bakterienzellwand gebraucht wird“, erklärt Dr. Florian Kloß, Leiter der Transfergruppe Antiinfektiva im Rahmen des Konsortiums InfectControl 2020 am HKI.

„Dieses Enzym kann dadurch nicht mehr arbeiten, in den Zellwänden der Mykobakterien entstehen Löcher und sie laufen aus“, ergänzt DZIF-Wissenschaftler Prof. Michael Hoelscher, Direktor des Tropeninstituts der Ludwig-Maximilians-Universität München (siehe auch Bild). Dieser Angriff auf die Tuberkuloseerreger sei so gezielt, dass nur die Erreger, nicht aber andere Bakterien bekämpft werden.

Klinische Studie testet Verträglichkeit

Nach Genehmigung durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) und der Ethikkommission der Bayerischen Landesärztekammer können nun die ersten Probanden für die klinische Erprobung von BTZ043 rekrutiert werden. Unter Leitung von Prof. Hoelscher werden bis zu 40 freiwillige Teilnehmer am Studienzentrum der Firma Nuvisan in Neu-Ulm das Antibiotikum erhalten.

„Wir wollen sicherstellen, dass das Medikament im Körper aufgenommen und gut vertragen wird. Hierzu wird eine sehr geringe Dosis einmalig verabreicht, die dann bei den nächsten Probanden Schritt für Schritt erhöht wird“, erklärt Hoelscher das Vorgehen. Ziel der Studie ist es, die Dosierung zu erreichen, die im Tiermodell eine gute Wirksamkeit gezeigt hat. Diese wirksame Dosis liege weit unter der Höchstmenge, die die Tiere noch gut vertragen haben.

Gemeinsam gegen Infektionen

Ein Team aus Wissenschaftlern und Unternehmern ist an der Entwicklung des neuen Tuberkulosemedikaments beteiligt. Der Wirkstoff BTZ043 wurde am HKI in Jena entdeckt. Seit 2014 wird das Medikament in einer Kooperation zwischen dem Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität und dem HKI unter anderem im DZIF und im Konsortium InfectControl 2020 weiterentwickelt. H

ierbei ist das HKI für die präzise Untersuchung der Aufnahme, Verteilung, Verstoffwechselung und Ausscheidung zuständig sowie für die Entwicklung der analytischen Nachweismethoden der Abbauprodukte. Als Sponsor ist das Klinikum der LMU für die präklinische und klinische Entwicklung sowie die Qualität und Sicherheit des Arzneimittels verantwortlich.

Die Herstellung der Substanz erfolgt bei einem mittelständischen pharmazeutischen Unternehmen, der Hapila GmbH in Gera. Die mehrere Millionen Euro teure Medikamentenentwicklung ist nur durch gemeinsame Finanzierung von öffentlicher und privater Hand möglich. Insbesondere die beiden Forschungsverbünde DZIF und InfectControl 2020 sind an der Wirkstoffentwicklung beteiligt. Sie werden vom Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt.

Kontakt

Prof. Michael Hoelscher
Abteilung für Infektions- und Tropenmedizin des Klinikums der LMU
T +49 89 2180 17613
E-Mail: hoelscher@lrz.uni-muenchen.de

DZIF-Pressestelle
Karola Neubert und Janna Schmidt
T +49 531 6181 1170/1154
E-Mail: presse@dzif.de

Karola Neubert | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Verlauf von Alzheimer zeichnet sich schon frühzeitig im Blut ab
22.01.2019 | Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e.V. (DZNE)

nachricht Verlagert
21.01.2019 | Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Zweigesichtige Stammzellen produzieren Holz und Bast

Heidelberger Forscher untersuchen einen der wichtigsten Wachstumsprozesse auf der Erde

Für einen der wichtigsten Wachstumsprozesse auf der Erde – die Holzbildung – sind sogenannte zweigesichtige Stammzellen verantwortlich: Sie bilden nicht nur...

Im Focus: Bifacial Stem Cells Produce Wood and Bast

Heidelberg researchers study one of the most important growth processes on Earth

So-called bifacial stem cells are responsible for one of the most critical growth processes on Earth – the formation of wood.

Im Focus: Energizing the immune system to eat cancer

Abramson Cancer Center study identifies method of priming macrophages to boost anti-tumor response

Immune cells called macrophages are supposed to serve and protect, but cancer has found ways to put them to sleep. Now researchers at the Abramson Cancer...

Im Focus: Klassisches Doppelspalt-Experiment in neuem Licht

Internationale Forschergruppe entwickelt neue Röntgenspektroskopie-Methode basierend auf dem klassischen Doppelspalt-Experiment, um neue Erkenntnisse über die physikalischen Eigenschaften von Festkörpern zu gewinnen.

Einem internationalen Forscherteam unter Führung von Physikern des Sonderforschungsbereichs 1238 der Universität zu Köln ist es gelungen, eine neue Variante...

Im Focus: Ten-year anniversary of the Neumayer Station III

The scientific and political community alike stress the importance of German Antarctic research

Joint Press Release from the BMBF and AWI

The Antarctic is a frigid continent south of the Antarctic Circle, where researchers are the only inhabitants. Despite the hostile conditions, here the Alfred...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Führende Röntgen- und Nanoforscher treffen sich in Hamburg

22.01.2019 | Veranstaltungen

Smarte Sensorik für Mobilität und Produktion 4.0 am 07. Februar 2019 in Oldenburg

18.01.2019 | Veranstaltungen

16. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

17.01.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Zweigesichtige Stammzellen produzieren Holz und Bast

22.01.2019 | Biowissenschaften Chemie

Wie tickt die rote Königin?

22.01.2019 | Biowissenschaften Chemie

Digitaler Denker: Argument-Suchmaschine hilft bei der Meinungsbildung

22.01.2019 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics