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Spenderherzen weiterhin dringend benötigt

03.06.2011
Pressemitteilung zum Tag der Organspende am 4. Juni 2011

Appell der Herzchirurgen für Bereitschaft zur Organspende; Kunstherzen weiterhin nur Überbrückungshilfe vor Organtransplantation

Rund 950 Menschen in Deutschland stehen zurzeit auf der Warteliste für ein neues Herz, weil ihr eigenes Herz zu krank ist, die lebensnotwendigen Funktionen vollständig zu erfüllen. In den letzten Jahren konnten nur knapp 400 Herztransplantationen pro Jahr durchgeführt werden, weil nicht einmal halb so viele Spenderherzen wie eigentlich benötigt zur Verfügung standen.

Sogenannte „Kunstherzen“ sind trotz beeindruckender medizintechnischer Weiterentwicklungen in den letzten Jahren bisher noch kein dauerhafter Ersatz für ein menschliches Herz, wie die Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG) anlässlich des Tages der Organspende am 4. Juni betonte.

Angesichts der großen Zahl der fehlenden Spenderherzen appellierte die wissenschaftlich-medizinische Fachgesellschaft an die Bevölkerung, sich mit der Thematik zu befassen, einen Spenderausweis auszufüllen und damit vielleicht eines Tages Leben zu retten.

„Selbst Patienten, die ohne Herztransplantation nach medizinischem Ermessen nur noch einige Tage oder wenige Wochen zu leben haben und deshalb auf den vordersten Plätzen der Warteliste eingruppiert werden, müssen im Durchschnitt zwischen 80 und 100 Tagen warten, bevor sie ein Spenderherz erhalten. Ein Viertel dieser Patienten überlebt die Zeit auf der Warteliste nicht und 90 Prozent aller Herztransplantationen werden bei Patienten, die auf einer Intensivstation liegen durchgeführt.“ Mit diesen Fakten verdeutlicht Professor Friedhelm Beyersdorf, Vizepräsident der DGTHG, die Dramatik der Situation für alle Patienten, die auf ein Spenderherz angewiesen sind.

„Bis ein Spenderherz bereitsteht, setzen wir als Übergangslösung meist Herzunterstützungssysteme ein, die die Herzfunktion teilweise ersetzen können, allerdings auch Gefahren bergen und die Lebensqualität der betroffenen Patienten mindern, da ständig die lebenserhaltende Maschinerie mitgeführt werden muss“, so Beyersdorf.

Eine Transplantation bedeutet für die Patienten auf der Warteliste meist ein Ende des Leidensweges. Rund 80 Prozent der Patienten überleben heute die komplexe Herztransplantation und haben anschließend im Durchschnitt weitere zwölf Lebensjahre vor sich, in denen zwar zur Verhinderung von Abstoßreaktionen des fremden Herzens Medikamente eingenommen werden müssen, aber ansonsten mit akzeptablen Einschränkungen gelebt werden kann.

Kunstherzen nur Zwischenlösung, Herzen von Schweinen weiterhin Zukunftsvision
Die oft als Alternative zu menschlichen Spenderherzen bezeichneten Kunstherzen sind bisher nur eine vorübergehende Lösung, bis ein geeignetes Spenderherz zur Verfügung steht. „Obwohl die Entwicklung von Kunstherzen von Jahr zu Jahr sehr große Fortschritte macht, werden sie voraussichtlich auch in den kommenden Jahren menschliche Spenderherzen nicht gänzlich ersetzen können“, erläuterte Beyersdorf. Die bisher längste Einsatzzeit eines Kunstherzens betrage annähernd acht Jahre. Auch eine weitere Alternative, die Herzen von Schweinen, die naturgemäß dem menschlichen Herzen sehr ähnlich sind, erscheine nach derzeitigem Forschungsstand noch als Zukunftsvision.
Sorgfältige Spenderauswahl erforderlich
Statistisch gesehen kommen höchstens zwei Prozent der Menschen, die in deutschen Krankenhäusern versterben, als potenzielle Organspender infrage. Entsprechend dem Transplantationsgesetz informieren die behandelnden Ärzte des Krankenhauses im Falle einer möglichen Organspende die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO), die als Koordinierungsstelle für die Organspende dient. Die Mitarbeiter der DSO begleiten sämtliche Schritte des Spendeprozesses von der qualifizierten Feststellung des Hirntods über das Gespräch mit den Angehörigen bis hin zum Organtransport. Bei Vorliegen einer Zustimmung werden die Daten an die Vergabezentrale Eurotransplant im niederländischen Leiden übermittelt. Die Kriterien, nach denen diese europäische Vermittlungszentrale Spenderherzen verteilt, sind Wartezeit, Zustand des Kranken, Blutgruppengleichheit und Gewicht. Von ihr werden der Spendenempfänger und das Transplantationszentrum informiert. Der Name des Spenders darf dem Empfänger nicht mitgeteilt werden. Auch die Angehörigen des Spenders erfahren nicht, wem das Organ gespendet wurde.
Der politischen Entscheidung müssen Verbesserungen in den Kliniken folgen
Zurzeit gilt in Deutschland die „erweiterte Zustimmungslösung“. Diese besagt, dass Organe nur entnommen werden dürfen, wenn der Verstorbene dies zu Lebzeiten schriftlich erlaubt hat oder nach dessen Tod die Angehörigen eine Einwilligung geben. Zur Diskussion stehen zwei Änderungsvorschläge: Einerseits die „Widerspruchslösung“, nach der alle Menschen mit Eintritt des Todes potenzielle Organspender wären, außer sie widersprechen zu Lebzeiten schriftlich. In Österreich und Spanien, in denen dies Gesetz ist, gibt es keinen Mangel an Spenderorganen. Die andere Alternative ist die Entscheidungslösung, nach der sich alle Bürger einmal im Leben für oder gegen eine Organspende entscheiden müssen. „Unabhängig davon, welche Lösung der Bundestag voraussichtlich im Herbst beschließen wird, muss diese von der verbindlichen Festlegung begleitet werden, Transplantationsbeauftragte in allen Kliniken einzusetzen, da zurzeit die potenziell verfügbaren Spenderherzen nicht zur Transplantation zur Verfügung stehen, weil es bundesweit an Wissen und Koordination in Kliniken fehlt“, so Beyersdorf.
Tag der Organspende
Der Tag der Organspende wurde erstmals 1982 von Selbsthilfeverbänden der Organtransplantierten ins Leben gerufen. Seitdem werben sie jeweils am ersten Samstag im Juni für Organspendeausweise und machen auf die Situation der zurzeit insgesamt rund 12 000 schwer kranken Menschen in Deutschland aufmerksam, die auf ein Spenderorgan warten. Ein Organspendeausweis kann kostenlos bei der DGTHG über die Telefonnummer 030 28004-370 bzw. mit einer E-Mail an organspende@dgthg.de angefordert werden.

Thomas Krieger | idw
Weitere Informationen:
http://www.dgthg.de
http://www.dso.de

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