Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

„Schaufensterkrankheit“: Neue Therapiemöglichkeit am UKM gegen die unterschätzte Gefahr

27.04.2010
Komplett verschlossene Beinarterien können über „Umweg“ wieder geöffnet werden / Prof. Reinecke: „Neues System hilft dabei, Amputationen zu vermeiden“

Nach 150 Metern Gehstrecke ging nichts mehr bei Manfred Lühring: Die krampfartigen Schmerzen in den Waden wurden unerträglich. Er musste eine Pause einlegen, erst dann konnte er weiter gehen. So ging es rund zwei Jahre. Und die Strecken, die er zwischen den Pausen zurücklegen konnte, wurden immer kürzer. Der 59-Jährige aus Ostfriesland litt an einer schweren Durchblutungsstörung in den Beinen.

Der Volksmund nennt sie stark verniedlichend „Schaufensterkrankheit“ (da die Betroffenen zur Ablenkung oft vor Schaufenstern stehen bleiben). Mediziner sprechen von der peripheren Arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK). Hierbei verengen sich die Beinarterien im Extremfall bis zum völligen Verschluss. Am Universitätsklinikum Münster (UKM) steht nun ein neues Verfahren zur Verfügung, um auch bei komplett verschlossen Beinarterien wieder den Blutfluss zu ermöglichen.

„Gerade bei einem kompletten Arterienverschluss ist es schwierig oder kaum möglich, die Gefäße mit einem Katheter zu durchdringen und so die Gefäße mit einem Ballon aufzudehnen oder einen Stent (Gefäßstütze) zu setzen. Durch ein neues Verfahren kann jedoch auch solchen Patienten besser geholfen werden, deren Arterien komplett verschlossen sind“, erklärt Prof. Dr. Holger Reinecke, kommissarischer Leiter der Medizinischen Klinik und Poliklinik C (Kardiologie und Angiologe) des UKM.

Manfred Lühring war einer der ersten Patienten am UKM, bei denen das neue System zum Einsatz kam. Der Name des Systems ist dabei Programm: „Outback“, zu deutsch: Hinterland. Denn im „Hinterland“ der Gefäße kommt das neue System zum Einsatz als „Rekanalisationssystem“ für die Arterien. Dr. Matthias Meyborg, Oberarzt der Medizinischen Klinik C erläutert das Verfahren. „Dabei wird ein speziell konstruierter Katheter in der Gefäßwand an dem Verschluß vorbei geführt und erst hinter dem Verschluss wieder in die Arterie eingeführt. Dieser neue Zugang über den „Umweg“ ermöglicht dann die weitere Behandlung mit dem Ballon oder einem Stent, um das Gefäß wieder zu öffnen.“

Prof. Holger Reinecke weist dabei auch auf die Spätfolgen der unbehandelten Schaufensterkrankheit hin: „Im schlimmsten Fall kann bei solchen Arterienverschlüssen sogar zum Absterben von Teilen des Beines kommen oder eine Amputation nötig werden. In Deutschland sind es ca. 50.000 Amputationen jährlich, die aus diesem Grund durchgeführt werden müssen. Gerade bei Patienten, bei denen sich bereits offene oder sogar schwarze Stellen an den Beinen gebildet haben, kann das neue System sehr oft erfolgreich eingesetzt und weitere Schäden verhindert werden.“

Bislang wurde das neue System in Deutschland etwa 500 Mal eingesetzt, in der Uniklinik Münster bereits 25 Mal. Prof. Reinecke und Dr. Meyborg rechnen allerdings mit einem starken Anstieg: „Die Häufigkeit der peripheren Arteriellen Verschlusskrankheit ist u.a. auch altersabhängig und steigt mit Lebensalter an. Ab dem 65. Lebensjahr ist inzwischen jeder fünfte Mann betroffen. Mit dem demographischen Wandel geht damit zwangsläufig auch ein Anstieg der Krankheitsfälle einher. Umso wichtiger sind neue Therapiemöglichkeiten, wie das Outback-System für die betroffenen Patienten.“

Manfred Lühring ist heute froh über die zurück gewonnene Lebensqualität und Mobilität: „Heute kann ich Strecken von vier bis fünf Kilometer problemlos bewältigen. Ich bin wieder zu Fuß mobil. Das ist natürlich eine ganz andere Lebensqualität – und natürlich sind die Schmerzen verschwunden.“ Auch ein langer stationärer Krankenhausaufenthalt blieb ihm erspart: Nach vier Tagen konnte er das UKM bereits wieder verlassen.

Stefan Dreising | Universitätsklinikum Münster (UK
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-muenster.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Telomerverlängerung entscheidend für Krankheitsverlauf
07.12.2018 | Uniklinik Köln

nachricht Frischfleisch schnell und mobil kontrollieren
06.12.2018 | Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tödliche Kombination: Medikamenten-Cocktail dreht Krebszellen den Saft ab

Zusammen mit einem Blutdrucksenker hemmt ein häufig verwendetes Diabetes-Medikament gezielt das Krebswachstum – dies haben Forschende am Biozentrum der Universität Basel vor zwei Jahren entdeckt. In einer Folgestudie, die kürzlich in «Cell Reports» veröffentlicht wurde, berichten die Wissenschaftler nun, dass dieser Medikamenten-Cocktail die Energieversorgung von Krebszellen kappt und sie dadurch abtötet.

Das oft verschriebene Diabetes-Medikament Metformin senkt nicht nur den Blutzuckerspiegel, sondern hat auch eine krebshemmende Wirkung. Jedoch ist die gängige...

Im Focus: Lethal combination: Drug cocktail turns off the juice to cancer cells

A widely used diabetes medication combined with an antihypertensive drug specifically inhibits tumor growth – this was discovered by researchers from the University of Basel’s Biozentrum two years ago. In a follow-up study, recently published in “Cell Reports”, the scientists report that this drug cocktail induces cancer cell death by switching off their energy supply.

The widely used anti-diabetes drug metformin not only reduces blood sugar but also has an anti-cancer effect. However, the metformin dose commonly used in the...

Im Focus: New Foldable Drone Flies through Narrow Holes in Rescue Missions

A research team from the University of Zurich has developed a new drone that can retract its propeller arms in flight and make itself small to fit through narrow gaps and holes. This is particularly useful when searching for victims of natural disasters.

Inspecting a damaged building after an earthquake or during a fire is exactly the kind of job that human rescuers would like drones to do for them. A flying...

Im Focus: Neuartige Lasertechnik für chemische Sensoren in Mikrochip-Größe

Von „Frequenzkämmen“ spricht man bei speziellem Laserlicht, das sich optimal für chemische Sensoren eignet. Eine revolutionäre Technik der TU Wien erzeugt dieses Licht nun viel einfacher und robuster als bisher.

Ein gewöhnlicher Laser hat genau eine Farbe. Alle Photonen, die er abstrahlt, haben genau dieselbe Wellenlänge. Es gibt allerdings auch Laser, deren Licht...

Im Focus: Topological material switched off and on for the first time

Key advance for future topological transistors

Over the last decade, there has been much excitement about the discovery, recognised by the Nobel Prize in Physics only two years ago, that there are two types...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

ICTM Conference 2019 in Aachen: Digitalisierung als Zukunftstrend für den Turbomaschinenbau

12.12.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Januar und Februar 2019

11.12.2018 | Veranstaltungen

Eine Norm für die Reinheitsbestimmung aller Medizinprodukte

10.12.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Biofilme generieren ihre Nährstoffversorgung selbst

12.12.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Tanz mit dem Feind

12.12.2018 | Physik Astronomie

Künstliches Perlmutt nach Mass

12.12.2018 | Materialwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics