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Klimawandel sorgt für Rückkehr gefährlicher Infektionskrankheiten

08.10.2008
Wanderung von Krankheitserregern betrifft Mensch und Tier

Die US-Naturschutzorganisation Wildlife Conservation Society (WCS) präsentierte am 07.10. in Barcelona eine Liste mit zwölf Krankheitserregern, die aufgrund des Klimawandels in Regionen vordringen könnten, die bisher nicht zu ihren Verbreitungsgebieten zählten.

Das stelle eine "ernste Gefahr für Mensch und Tier" wie auch für die globalen Finanzmärkte dar, so die Naturschützer in ihrem Bericht. Um rechtzeitig Maßnahmen zu ihrer Eindämmung durchzuführen, müssten Prozesse der freien Wildbahn besser beobachtet werden. So erhalte man Aufschluss, wie sich die Erreger bewegen.

Vogelgrippe, Ebola, Gelbfieber und Cholera sind einige prominente Vertreter der in der Liste aufgezählten Krankheiten. Das "tödliche Dutzend" von Erregern sei jedoch nur ein Abbild einer Vielzahl von Infektionskrankheiten, denen Mensch und Tier durch den Klimawandel zusätzlich ausgesetzt sind, warnt der Bericht.

Krankheitserreger, die von Wildtieren stammen oder über sie transportiert werden, hätten sich in den letzten Jahrzehnten "weit verbreitet". Sie hätten zudem bereits einen "bedeutenden ökonomischen Schaden" angerichtet, den die Naturschützer global mit etwa 100 Mrd. US-Dollar beziffern.

Die von Zecken übertragenen Krankheiten FSME und Borreliose sind die "anschaulichsten Beispiele für klimatisch bedingte Wanderungen von Erregern in Mitteleuropa". Zu diesem Schluss kommt Jürgen Knobloch, der Leiter des Tropeninstituts der Uniklinik Tübingen, im Gespräch mit pressetext. Je wärmer das Klima, desto stärkere sei ihre Ausbreitung.

Schwieriger zu beobachten seien von Mücken übertragene Krankheiten, wie etwa das 2007 in Ravenna aufgetretene Chikungunya-Fieber. In Relation gesehen bildeten klimabedingte Infektionen bisher eher ein Randthema, denn "das Hauptkontingent an schweren Infektionserkrankungen betrifft nach wie vor Tuberkulose, Malaria und HIV". Über die Entwicklung der Erreger in Zukunft wollte der Tropenmediziner jedoch keine Prognose abgeben.

Die Gesundheit der Wildtiere stehe "in direkter Beziehung zu den Ökosystemen, in denen sie leben", so WCS-Präsident Steven Sanderson. Die genaue Beobachtung der Gesundheit der Tierwelt helfe bei der Voraussage, wo Probleme mit Krankheitserregern auch beim Menschen auftreten würden, sowie bei der Planung entsprechender Gegenmaßnahmen.

Einige Initiativen wurden dazu bereits gestartet, WCS überwacht etwa den Vogelgrippe-Virus auf seiner Wanderung mit den Zugvögeln. Wenn wir die aktuellen Veränderungen im Tierreich erkennen, könne uns das die Augen öffnen, um den Klimawandel nicht "nur als Abschmelze der Gletscher und Eisberge" zu sehen, appelliert die Naturschutzorganisation.

Johannes Pernsteiner | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.wcs.org

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