Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kinderknochen heilen anders – Schiefstellungen und Behinderungen vermeiden

30.07.2012
Bei Spiel, Sport und im Straßenverkehr verletzen sich in Deutschland jährlich schätzungsweise 900 000 Kinder so schwer, dass sie vom Arzt behandelt werden müssen. Die dritthäufigste Unfallfolge sind Knochenbrüche – meist von Armen oder Beinen.

Um sie zu heilen, müssen Ärzte die Wachstumsvorgänge und die verschiedenen Therapien gut kennen. Denn bei nicht erkannten oder falsch behandelten Frakturen drohen dauerhafte Schäden, warnt die DGKCH.

Neben vorbeugendem Schutz der Kinder sei nach einem Unfall vor allem eine qualifizierte Behandlung durch einen Kinderchirurgen wichtig, so die DGKCH. Nur dann ließen sich falsches Zusammenwachsen und mögliche Behinderungen vermeiden.

Etwa 43 000 Kinder im Alter von 0 bis 15 Jahren werden hierzulande jedes Jahr wegen eines Knochenbruchs von Arm oder Bein stationär im Krankenhaus aufgenommen. Fast die Hälfte der Verletzungen sind Frakturen des Unterarms, gefolgt von Brüchen von Schulter und Oberarm mit etwa 9000 Fällen. „Aufgrund ihrer Schutzfunktion etwa beim Sturz auf die ausgestreckte Hand sind Ober- und Unterarm am häufigsten betroffen“, sagt Professor Dr. med. Jörg Fuchs, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH) aus Tübingen.

Auch wenn kindliche Knochen schneller heilen als die von Erwachsenen ist ihre Behandlung alles andere als trivial: „Frakturen bei Kindern unterscheiden sich in Diagnostik und Therapie grundlegend von Knochenbrüchen des ausgewachsenen Skelettsystems“, erläutert Professor Fuchs, der Direktor der kinderchirurgischen Universitätsklinik in Tübingen ist. Das beginne schon beim Erheben des Befundes. „Unsere kleinen Patienten können uns oft nicht sagen, wo genau es ihnen weh tut“, erläutert Fuchs.

Die Deutung der Röntgenbefunde erfordere zudem viel Erfahrung: Haarrisse, Drehfehler und Verschiebungen könnten beim wachsenden Knochen leicht übersehen oder falsch eingeschätzt werden. Hier drohen schwerwiegende Folgen: Der Bruch heilt schlechter, Knochen wachsen fehlerhaft zusammen – schließlich können die Kinder die betroffenen Gliedmaßen mitunter nicht mehr uneingeschränkt bewegen.

Deshalb muss der Arzt bei der Wahl der Therapie auch das noch zu erwartende Wachstum des Knochens einbeziehen: „Eine korrekte Wachstumsprognose der jeweiligen Fraktur durch den Kinderchirurgen ist für eine optimale Therapie essenziell“, so Professor Fuchs. Denn je nach Lage und Art des Knochenbruchs, Alter, Geschlecht und Entwicklungsstadium des Patienten heile der Bruch unterschiedlich.

Viele Knochenbrüche im frühen Kindesalter wachsen komplikationslos wieder zusammen. Mitunter gleichen körpereigene Spontankorrekturen sogar etwaige Fehlstellungen aus. Doch bestimmte Körperteile nach einem Bruch zu heilen erfordert vom Arzt große Expertise: Die Wachstumsfugen des Ellenbogengelenks etwa, die für das Längenwachstum des Knochens verantwortlich sind, hören schon früh auf zu wachsen. „Deshalb gleicht der Körper hier eventuelle Fehlstellungen nur in geringem Maße aus“, sagt der Kinderchirurg und Knochenexperte Dr. med. Justus Lieber von der Abteilung für Kinderchirurgie und Kinderurologie der Universitätskinderklinik Tübingen. Mit 77 Prozent Komplikationen weisen diese Frakturen die höchste Fehlerquote bei Behandlungen auf.

Idealerweise besprechen Ärzte, Eltern und wenn möglich auch das Kind gemeinsam, welche Behandlung die geeignete ist. „Wir klären individuell, inwieweit die in Frage kommenden Therapien jedem einzelnen Kind zumutbar sind“, meint Professor Fuchs. In jedem Fall sollten sie den kleinen Patienten in seinem natürlichen Bewegungsdrang unterstützen und nicht unnötig einschränken. „Auch wenn kindertraumatologische Zentren sehr gute Behandlungsmöglichkeiten bieten, ist jeder Unfall ein Unfall zu viel“, gibt Professor Fuchs zu bedenken. Viele Unfälle ließen sich vermeiden, wenn Verkehrsregeln eingehalten, Protektoren und Helme getragen und nur TÜV-geprüfte Spielgeräte zum Einsatz kämen.

Die Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie
Gegründet im Jahr 1963, schafft die Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH) bis heute Grundlagen für eine bestmögliche kinderchirurgische Versorgung in Deutschland. Dazu gehören Neugeborenenchirurgie, allgemeine Kinderchirurgie und Kindertraumatologie ebenso wie Kinderurologie. Die DGKCH vertritt das Fach in allen wissenschaftlichen, fachlichen und beruflichen Belangen. Derzeit praktizieren hierzulande Fachärzte für Kinderchirurgie in mehr als 80 kinderchirurgischen Kliniken und Abteilungen sowie in der Niederlassung. Kinderchirurgie gehört in die Hände von Kinderchirurgen. Denn ihre Patienten sind keine kleinen Erwachsenen.

Kontakt für Journalisten:
Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH)
Pressestelle
Anna Voormann, Dr. Adelheid Liebendörfer
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Tel.: 0711 8931-552/-173
Fax: 0711 8931-167
E-Mail: liebendoerfer@medizinkommunikation.org

| idw
Weitere Informationen:
http://www.medizinkommunikation.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Zwei Städte, ein Operationstisch
17.10.2018 | Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

nachricht Antiblockiersystem in Arterien schützt vor Herzinfarkt
16.10.2018 | Eberhard Karls Universität Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Größter Galaxien-Proto-Superhaufen entdeckt

Astronomen enttarnen mit dem ESO Very Large Telescope einen kosmischen Titanen, der im frühen Universum lauert

Ein Team von Astronomen unter der Leitung von Olga Cucciati vom Istituto Nazionale di Astrofisica (INAF) Bologna hat mit dem VIMOS-Instrument am Very Large...

Im Focus: Auf Wiedersehen, Silizium? Auf dem Weg zu neuen Materalien für die Elektronik

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung (MPI-P) in Mainz haben zusammen mit Wissenschaftlern aus Dresden, Leipzig, Sofia (Bulgarien) und Madrid (Spanien) ein neues, metall-organisches Material entwickelt, welches ähnliche Eigenschaften wie kristallines Silizium aufweist. Das mit einfachen Mitteln bei Raumtemperatur herstellbare Material könnte in Zukunft als Ersatz für konventionelle nicht-organische Materialien dienen, die in der Optoelektronik genutzt werden.

Bei der Herstellung von elektronischen Komponenten wie Solarzellen, LEDs oder Computerchips wird heutzutage vorrangig Silizium eingesetzt. Für diese...

Im Focus: Goodbye, silicon? On the way to new electronic materials with metal-organic networks

Scientists at the Max Planck Institute for Polymer Research (MPI-P) in Mainz (Germany) together with scientists from Dresden, Leipzig, Sofia (Bulgaria) and Madrid (Spain) have now developed and characterized a novel, metal-organic material which displays electrical properties mimicking those of highly crystalline silicon. The material which can easily be fabricated at room temperature could serve as a replacement for expensive conventional inorganic materials used in optoelectronics.

Silicon, a so called semiconductor, is currently widely employed for the development of components such as solar cells, LEDs or computer chips. High purity...

Im Focus: Blauer Phosphor – jetzt erstmals vermessen und kartiert

Die Existenz von „Blauem“ Phosphor war bis vor kurzem reine Theorie: Nun konnte ein HZB-Team erstmals Proben aus blauem Phosphor an BESSY II untersuchen und über ihre elektronische Bandstruktur bestätigen, dass es sich dabei tatsächlich um diese exotische Phosphor-Modifikation handelt. Blauer Phosphor ist ein interessanter Kandidat für neue optoelektronische Bauelemente.

Das Element Phosphor tritt in vielerlei Gestalt auf und wechselt mit jeder neuen Modifikation auch den Katalog seiner Eigenschaften. Bisher bekannt waren...

Im Focus: Chemiker der Universitäten Rostock und Yale zeigen erstmals Dreierkette aus gleichgeladenen Ionen

Die Forschungskooperation zwischen der Universität Yale und der Universität Rostock hat neue wissenschaftliche Ergebnisse hervorgebracht. In der renommierten Zeitschrift „Angewandte Chemie“ berichten die Wissenschaftler über eine Dreierkette aus Ionen gleicher Ladung, die durch sogenannte Wasserstoffbrücken zusammengehalten werden. Damit zeigen die Forscher zum ersten Mal eine Dreierkette aus gleichgeladenen Ionen, die sich im Grunde abstoßen.

Die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen den Professoren Mark Johnson, einem weltbekannten Cluster-Forscher, und Ralf Ludwig aus der Physikalischen Chemie der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

11. Jenaer Lasertagung

16.10.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2018

16.10.2018 | Veranstaltungen

Künstliche Intelligenz in der Medizin

16.10.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Test zeigt Erfolgsaussichten von Heuschnupfen-Therapien

18.10.2018 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihren grünen Farbstoff Chlorophyll binden

18.10.2018 | Biowissenschaften Chemie

Artenvielfalt kann Ökosysteme auch destabilisieren

18.10.2018 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics