Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Integrative Medizin in der Onkologie

31.08.2012
Vor allem in der Behandlung von Nebenwirkungen und bei der Tumornachsorge gibt es Potenzial für komplementäre Methoden und Naturheilkunde. So lautet das Fazit einer Fachtagung über integrative Onkologie am Tempelhofer Darmzentrum, St. Joseph Krankenhaus Berlin, gefördert von der Karl und Veronica Carstens-Stiftung.
Die Akutbehandlung von Krebserkrankungen des Dickdarms hat inzwischen ein erstklassiges Niveau erreicht. Doch eine Krankengeschichte ist mit Operation und Krankenhausaufenthalt nicht zu Ende. "Wir stellen immer wieder fest, dass bei vielen Patienten im ersten oder zweiten Jahr nach der Operation Beschwerden auftreten", sagt Prof. Dr. Reiner Kunz, Leiter des Tempelhofer Darmzentrums.

Die Symptome werden dabei in den meisten Fällen nicht vom Tumor verursacht, sondern sind Folge der Nebenwirkungen oder psychisch bedingt – eine somatische Therapie greift daher nicht. Der Patient hat häufig das Vertrauen in seinen Körper verloren, empfindet die Erkrankung möglicherweise als soziales Stigma und verliert seine Zukunftsperspektive.

"Eine Depression erhöht die Mortalitätsrate bei Krebspatienten um bis zu 40 Prozent", so Andreas Michalsen, Professor für klinische Naturheilkunde an der Charité und Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin. Die psychoonkologische Betreuung während und nach der Akutphase sei zentral für den Behandlungserfolg. Vier von zehn Patienten benötigen eine solche Unterstützung.

Komplementärmedizin in der Onkologie
Neben einer Psychotherapie kann die Komplementärmedizin eine tragende Rolle spielen, um Nebenwirkungen der medikamentösen Therapie abzumildern. Am häufigsten leiden Patienten beispielsweise an Fatigue, einem chronischen Erschöpfungssyndrom. Dies wiederum kann eine Depression auslösen oder verstärken. Akupunktur-Sitzungen sind in der Lage, die Ausprägung zu verringern; regelmäßige Bewegung und eine ausgewogene Ernährung wirken sich günstig auf die Lebensqualität aus. Trainings in achtsamkeitsbasierter Stressreduktion unterstützen Patienten darin, mit ihrer Angst umzugehen und im Alltag wieder Fuß zu fassen.

Oft machen derartige Supportiva eine intensive schulmedizinische Therapie überhaupt erst möglich. Eine Studie gibt erste Hinweise darauf, dass kurzzeitiges Fasten vor einer Chemotherapie Krebszellen empfänglicher für die Therapie macht und gleichzeitig gesunde Körperzellen schützt.

Perspektiven und Hindernisse integrativer Onkologie
„Die Evidenz ist vorhanden – das Wichtigste ist die Frage, wie die Umsetzung in die Praxis erfolgen kann“, resümiert Prof. Andreas Michalsen. Denn es gibt durchaus Hindernisse: Akupunktursitzungen müssen beispielsweise mehrmals in der Woche wiederholt werden, um eine Wirkung zu erzielen – das macht Ressourcen nötig. Ambulanzen für Integrative Onkologie, in denen Onkologen, Komplementärmediziner und Psychologen gemeinsam arbeiten, sind derzeit auf die Unterstützung von Stiftungen und anderen Mittelgebern angewiesen. Eine breitere Anerkennung durch das Gesundheitssystem wäre daher wünschenswert.

Die Versorgungsforschung in der integrativen Onkologie müsse ferner ausgebaut werden um Qualität und Kosteneffizienz komplementärer Verfahren sicherzustellen und den Bedarf zu ermitteln. Die von der Carstens-Stiftung geförderte Konferenz am Tempelhofer Darmzentrum konnte hierzu einen wesentlichen Beitrag leisten.

Ansprechpartner

Prof. Dr. med. Andreas Michalsen
Charité Universitätsmedizin Berlin und Immanuel Diakonie Group Berlin
Stiftungsprofessur für Klinische Naturheilkunde der Charité
Immanuel Krankenhaus Berlin
Königstrasse 63, 14109 Berlin
Tel.: 030 80505 691
a.michalsen@immanuel.de
http://naturheilkunde.immanuel.de

Prof. Dr. Reiner Kunz
St. Joseph Krankenhaus
TeDaZett (Tempelhofer Darmzentrum)
Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Visceralchirurgie
Wüsthoffstraße 15, 12101 Berlin
Tel. 030 7882 2282
reiner.kunz@sjk.de
www.sjk.de

Michèl Gehrke
Karl und Veronica Carstens-Stiftung
Kommunikation und Medien
Am Deimelsberg 36, 45276 Essen
Tel: 0201 56305 61
m.gehrke@carstens-stiftung.de

Frederik Betsch | idw
Weitere Informationen:
http://www.carstens-stiftung.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue Prüfmethode für die Trinkwassertechnik
21.02.2020 | Technische Hochschule Mittelhessen

nachricht Zwei Fliegen mit einer Klappe: Entzündung gehemmt, Knochenheilung gefördert
20.02.2020 | Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ultraschnelles Schalten eines optischen Bits: Gewinn für die Informationsverarbeitung

Wissenschaftler der Universität Paderborn und der TU Dortmund veröffentlichen Ergebnisse in Nature Communications

Computer speichern Informationen in Form eines Binärcodes, einer Reihe aus Einsen und Nullen – sogenannten Bits. In der Praxis werden dafür komplexe...

Im Focus: Fraunhofer IOSB-AST und DRK Wasserrettungsdienst entwickeln den weltweit ersten Wasserrettungsroboter

Künstliche Intelligenz und autonome Mobilität sollen dem Strukturwandel in Thüringen und Sachsen-Anhalt neue Impulse verleihen. Mit diesem Ziel fördert das Bundeswirtschaftsministerium ab sofort ein innovatives Projekt in Halle (Saale) und Ilmenau.

Der Wasserrettungsdienst Halle (Saale) und das Fraunhofer Institut für Optronik,
Systemtechnik und Bildauswertung, Institutsteil Angewandte Systemtechnik...

Im Focus: A step towards controlling spin-dependent petahertz electronics by material defects

The operational speed of semiconductors in various electronic and optoelectronic devices is limited to several gigahertz (a billion oscillations per second). This constrains the upper limit of the operational speed of computing. Now researchers from the Max Planck Institute for the Structure and Dynamics of Matter in Hamburg, Germany, and the Indian Institute of Technology in Bombay have explained how these processes can be sped up through the use of light waves and defected solid materials.

Light waves perform several hundred trillion oscillations per second. Hence, it is natural to envision employing light oscillations to drive the electronic...

Im Focus: Haben ein Auge für Farben: druckbare Lichtsensoren

Kameras, Lichtschranken und Bewegungsmelder verbindet eines: Sie arbeiten mit Lichtsensoren, die schon jetzt bei vielen Anwendungen nicht mehr wegzudenken sind. Zukünftig könnten diese Sensoren auch bei der Telekommunikation eine wichtige Rolle spielen, indem sie die Datenübertragung mittels Licht ermöglichen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) am InnovationLab in Heidelberg ist hier ein entscheidender Entwicklungsschritt gelungen: druckbare Lichtsensoren, die Farben sehen können. Die Ergebnisse veröffentlichten sie jetzt in der Zeitschrift Advanced Materials (DOI: 10.1002/adma.201908258).

Neue Technologien werden die Nachfrage nach optischen Sensoren für eine Vielzahl von Anwendungen erhöhen, darunter auch die Kommunikation mithilfe von...

Im Focus: Einblicke in die Rolle von Materialdefekten bei der spin-abhängigen Petahertzelektronik

Die Betriebsgeschwindigkeit von Halbleitern in elektronischen und optoelektronischen Geräten ist auf mehrere Gigahertz (eine Milliarde Oszillationen pro Sekunde) beschränkt. Die Rechengeschwindigkeit von modernen Computern trifft dadurch auf eine Grenze. Forscher am MPSD und dem Indian Institute of Technology in Bombay (IIT) haben nun untersucht, wie diese Grenze mithilfe von Lichtwellen und Festkörperstrukturen mit Defekten erhöht werden könnte, um noch größere Rechenleistungen zu erreichen.

Lichtwellen schwingen mehrere hundert Trillionen Mal pro Sekunde und haben das Potential, die Bewegung von Elektronen zu steuern. Im Gegensatz zu...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Leopoldina-Symposium: „Mission – Innovation“ 2020

21.02.2020 | Veranstaltungen

Gemeinsam auf kleinem Raum - Mikrowohnen

19.02.2020 | Veranstaltungen

Chemnitzer Linux-Tage am 14. und 15. März 2020: „Mach es einfach!“

12.02.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Globale Datenbank für Karstquellenabflüsse

21.02.2020 | Geowissenschaften

Leopoldina-Symposium: „Mission – Innovation“ 2020

21.02.2020 | Veranstaltungsnachrichten

Langlebige Fachwerkbrücken aus Stahl einfacher bemessen

21.02.2020 | Architektur Bauwesen

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics