Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Herzinfarkte - Gefährlichen Entzündungen auf der Spur

09.10.2012
Neue Ergebnisse zeigen, dass bestimmte microRNAs wesentlich zu einer Arteriosklerose beitragen. Werden sie gehemmt, lässt sich - vorerst im Tiermodell – diese Entzündungsreaktion vermindern und damit in Zukunft möglicherweise Herzinfarkte verhindern.

Herzinfarkten geht oft eine entzündliche Gefäßerkrankung voraus: die Arteriosklerose. Dabei lagert sich schädliches Cholesterin in Gefäßen ab, was Makrophagen auf den Plan ruft. Das sind die Fresszellen des Immunsystems, die wiederum eine Entzündung auslösen und so die Gefäßablagerungen, bis hin zur Verkalkung, verschlimmern und so letztlich zu einem Herzinfarkt beitragen können.

Ein Team um den LMU-Forscher Professor Andreas Schober hat nun im Tiermodell gezeigt, wie sich diese Entzündung möglicherweise verhindern lässt. Der Schlüssel hierzu sind die microRNAs.

Erst jetzt ist bekannt, wo die Bauanleitung für diese winzigen RNA-Moleküle zu finden ist: Sie liegt in Abschnitten des Erbmoleküls DNA, die bis vor Kurzem noch als nutzlos galten - wohl aber über eine Vielzahl von molekularen Schaltern die genetische Aktivität einer jeden Zelle steuert. Auch die microRNAs spielen hier eine entscheidende Rolle, unter anderem bei den Abwehrzellen des Körpers, deren Funktion oft kurzfristig angepasst werden muss.
Ein gehemmter Entzündungshemmer

Das Team um Schober untersuchte am Mausmodell für Arteriosklerose, welche der micro-RNAs in Makrophagen besonders häufig gebildet werden - und konnten dabei die microRNA-155 als Spitzenreiter identifizieren. „Wir wollten zudem aber herausfinden, ob und, wenn ja, auf welche Weise dieses Molekül die entzündliche Aktivität der Makrophagen steuert“, sagt Schober. Tatsächlich konnten die Forscher zeigen, dass die microRNA-155 vor allem den Bau eines speziellen Proteins unterbindet.

Dabei handelt es sich um Bcl6, ein entzündungshemmendes Protein. Kurz gesagt: Ist die microRNA-155 vorhanden, wird Bcl6 nicht mehr gebildet - und kann die Entzündung nicht mehr länger unterdrücken. In einem nächsten Schritt untersuchten die Wissenschaftler Mäuse, denen das Gen für die microRNA-155 in Makrophagen fehlte - in denen also die Synthese des Entzündungshemmer Bcl6 also ungehindert ablaufen kann.

Die Ergebnisse waren eindeutig: „Bei diesen Tieren war die Arteriosklerose deutlich vermindert“, sagt Schober. „Weil Herzinfarkte bei Mäusen selten sind, haben wir sie nicht direkt untersucht.“ Allerdings konnten in der Studie auch in menschlichen arteriosklerotischen Plaques eine erhöhte Bildung der microRNA-155 nachgewiesen werden - was möglicherweise für eine Übertragbarkeit der Ergebnisse auf den Menschen spricht.

Therapeutische Ansätze

„Ich bin überzeugt, dass die Arteriosklerose auch im Menschen durch Hemmung von microRNAs therapieren lässt“, sagt Schober. „Es gibt synthetische Hemmstoffe für jede microRNA, die therapeutisch eingesetzt werden könnten, wenn sie sich natürlich erst in entsprechenden Tests bewährt haben.“ Die Forschung geht also weiter - auch in Schobers Labor. Der Mediziner möchte nun untersuchen, inwieweit die microRNA-155 auch zum Metabolischen Syndrom beiträgt, das neben einer erhöhten Herzinfarktrate auch durch Übergewicht, Diabetes sowie veränderte Blutfettwerte und Bluthochdruck gekennzeichnet ist.
(bedo/suwe)

Publikation:
Titel: MicroRNA-155 promotes atherosclerosis by repressing Bcl6 in macrophages
Autor(en): Univ.-Prof. Dr. med. Andreas Schober
Journal of Clinical Investigation, 8. Oktober 2012
Doi: 10.1172/JCI61716DS1

Ansprechpartner:
Professor Andreas Schober
Institut für Prophylaxe und Epidemiologie der Kreislaufkrankheiten (IPEK) am Klinikum der Universität München
Phone: +49-(0)89-5160-5151
Fax: +49-(0)89-5160-4740
Web: http://ipek.klinikum.uni-muenchen.de
E-Mail: aschober@med.lmu.de

Luise Dirscherl | idw
Weitere Informationen:
http://ipek.klinikum.uni-muenchen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Mit körpereigenem Protein Herpes bekämpfen
13.11.2018 | Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

nachricht Mit Lichtimpulsen Herzzellen abschalten
06.11.2018 | Universitäts-Herzzentrum Freiburg - Bad Krozingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Rasende Elektronen unter Kontrolle

Die Elektronik zukünftig über Lichtwellen kontrollieren statt Spannungssignalen: Das ist das Ziel von Physikern weltweit. Der Vorteil: Elektromagnetische Wellen des Licht schwingen mit Petahertz-Frequenz. Damit könnten zukünftige Computer eine Million Mal schneller sein als die heutige Generation. Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) sind diesem Ziel nun einen Schritt nähergekommen: Ihnen ist es gelungen, Elektronen in Graphen mit ultrakurzen Laserpulsen präzise zu steuern.

Eine Stromregelung in der Elektronik, die millionenfach schneller ist als heutzutage: Davon träumen viele. Schließlich ist die Stromregelung eine der...

Im Focus: UNH scientists help provide first-ever views of elusive energy explosion

Researchers at the University of New Hampshire have captured a difficult-to-view singular event involving "magnetic reconnection"--the process by which sparse particles and energy around Earth collide producing a quick but mighty explosion--in the Earth's magnetotail, the magnetic environment that trails behind the planet.

Magnetic reconnection has remained a bit of a mystery to scientists. They know it exists and have documented the effects that the energy explosions can...

Im Focus: Eine kalte Supererde in unserer Nachbarschaft

Der sechs Lichtjahre entfernte Barnards Stern beherbergt einen Exoplaneten

Einer internationalen Gruppe von Astronomen unter Beteiligung des Max-Planck-Instituts für Astronomie in Heidelberg ist es gelungen, beim nur sechs Lichtjahre...

Im Focus: Mit Gold Krankheiten aufspüren

Röntgenfluoreszenz könnte neue Diagnosemöglichkeiten in der Medizin eröffnen

Ein Präzisions-Röntgenverfahren soll Krebs früher erkennen sowie die Entwicklung und Kontrolle von Medikamenten verbessern können. Wie ein Forschungsteam unter...

Im Focus: Ein Chip mit echten Blutgefäßen

An der TU Wien wurden Bio-Chips entwickelt, in denen man Gewebe herstellen und untersuchen kann. Die Stoffzufuhr lässt sich dabei sehr präzise dosieren.

Menschliche Zellen in der Petrischale zu vermehren, ist heute keine große Herausforderung mehr. Künstliches Gewebe herzustellen, durchzogen von feinen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Kalikokrebse: Erste Fachtagung zu hochinvasiver Tierart

16.11.2018 | Veranstaltungen

Können Roboter im Alter Spaß machen?

14.11.2018 | Veranstaltungen

Tagung informiert über künstliche Intelligenz

13.11.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Mikroplastik in Kosmetik

16.11.2018 | Studien Analysen

Neue Materialien – Wie Polymerpelze selbstorganisiert wachsen

16.11.2018 | Materialwissenschaften

Anomale Kristalle: ein Schlüssel zu atomaren Strukturen von Schmelzen im Erdinneren

16.11.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics