Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Getrennt marschieren, vereint schlagen

15.08.2011
MHH-Forscher zeigen mit Mikro-Injektionstechnik, wie Abwehrzellen des Immunsystems in den Lymphknoten gelangen / Veröffentlichung in „Nature Immunology“

Ständig patrouillieren die Wächter- und Abwehrzellen des Immunsystems durch fast alle Gewebe unseres Körpers. Für einen Standortwechsel werden die Immunzellen durch Lymphgefäße, die „Autobahnen“ des Immunsystems, aus den Geweben zurück in den Blutkreislauf transportiert.


Querschnitt eines Lymphknotens unter dem Mikroskop. Mit der Mikro-Injektionstechnik zeigten die Forscher, dass normale dendritische Zelle (grün gefärbt) in das Innere des Lymphknotens, den Paracortex, einwandern, während dendritische Zellen, denen die Wissenschaftler einen bestimmten Rezeptor entfernt hatten (CCR7, rot gefärbt), draußen bleiben müssen. Foto: MHH

Lymphknoten sind als zentrale Kontrollstationen in diese Lymphgefäß-„Autobahnen“ eingebaut, um den aus dem Gewebe kommenden Strom an Flüssigkeit und Zellen zu überwachen. Lange Zeit war dabei unklar, über welche Routen die verschiedenen Immunzellen in den Lymphknoten eintreten, und welche Signale dafür sorgen, dass sie „ihre Autobahn-Ausfahrt“ nicht verpassen. Forscher des Instituts für Immunologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) haben diese Fragen jetzt mit Hilfe einer von ihnen entwickelten Mikro-Injektionstechnik geklärt. Ihre Arbeit wurde am jetzt im Wissenschaftsjournal „Nature Immunology“ als Titelgeschichte veröffentlicht.

Mit der Mikro-Injektionstechnik ist es möglich, markierte Immunzellen direkt in die winzigen Lymphgefäße narkotisierter Versuchsmäuse zu injizieren. Die sogenannte Zwei-Photonen-Laser-Scanning-Mikroskopie erlaubte es anschließend, die leuchtenden Zellen auf ihren Wegen in den nächsten Lymphknoten „live“ zu beobachten. „Es war sehr spannend zu sehen, wie sich verschiedene Immunzellen in ihrem Wanderungsverhalten vollkommen unterscheiden“, sagt Assolina Braun, Doktorandin am Institut für Immunologie und Erstautorin der Studie. Während nämlich die sogenannten dendritischen Zellen die Zellschicht zwischen Lymphgefäß und Lymphknoten aus eigener Kraft frontal „durchbohren“ konnten, gelangten T-Helferzellen fast ausschließlich über einen „Hintereingang“ ins Innere des Lymphknoten. Kamen beide Zelltypen jedoch gemeinsam am Lymphknoten an, funktionierten die dendritischen Zellen wie Türöffner und ermöglichten auch den T-Helferzellen den direkten Weg in den Lymphknoten. „Diese gegenseitige Hilfe könnte sehr wichtig sein, um im Fall einer Entzündung möglichst effektiv dendritische Zellen und T-Helferzellen im zuständigen Lymphknoten zu versammeln“, vermutet Professor Dr. Reinhold Förster, Direktor des MHH-Instituts für Immunologie.

Auch wenn Mechanismen der Immunabwehr und -überwachung bei dieser Arbeit im Vordergrund standen, so kommen die Erkenntnisse auch anderen Gebieten der medizinischen Forschung zugute. So ist naheliegend, dass die direkte Mikro-Injektion von Zellen in Lymphgefäße die Wirksamkeit von sogenannten zellulären Vakzinen verbessern könnte, die derzeit als neue Behandlungsmethode von Krebserkrankungen untersucht werden. Ebenso ist es nun möglich, das Metastasierungsverhalten von Tumoren in die Lymphknoten gezielter zu untersuchen.

Weitere Informationen erhalten Sie bei Professor Dr. Reinhold Förster, Telefon (0511) 532-9721, foerster.reinhold@mh-hannover.de

Stefan Zorn | Medizinische Hochschule Hannover
Weitere Informationen:
http://www.mh-hannover.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Kokosöl verlängert Leben bei peroxisomalen Störungen
20.06.2018 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Überdosis Calcium
19.06.2018 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

Noch mehr Reichweite oder noch mehr Nutzlast - das wünschen sich Fluggesellschaften für ihre Flugzeuge. Wegen ihrer hohen spezifischen Steifigkeiten und Festigkeiten kommen daher zunehmend leichte Faser-Kunststoff-Verbunde zum Einsatz. Bei Rümpfen oder Tragflächen sind permanent Innovationen in diese Richtung zu beobachten. Um dieses Innovationsfeld auch für Flugzeugräder zu erschließen, hat das Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF jetzt ein neues EU-Forschungsvorhaben gestartet. Ziel ist die Entwicklung eines ersten CFK-Bugrads für einen Airbus A320. Dabei wollen die Forscher ein Leichtbaupotential von bis zu 40 Prozent aufzeigen.

Faser-Kunststoff-Verbunde sind in der Luftfahrt bei zahlreichen Bauteilen bereits das Material der Wahl. So liegt beim Airbus A380 der Anteil an...

Im Focus: IT-Sicherheit beim autonomen Fahren

FH St. Pölten entwickelt neue Methode für sicheren Informationsaustausch zwischen Fahrzeugen mittels Funkdaten

Neue technische Errungenschaften wie das Internet der Dinge oder die direkte drahtlose Kommunikation zwischen Objekten erhöhen den Bedarf an effizienter...

Im Focus: Innovative Handprothesensteuerung besteht Alltagstest

Selbstlernende Steuerung für Handprothesen entwickelt. Neues Verfahren lässt Patienten natürlichere Bewegungen gleichzeitig in zwei Achsen durchführen. Forscher der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) veröffentlichen Studie im Wissenschaftsmagazin „Science Robotics“ vom 20. Juni 2018.

Motorisierte Handprothesen sind mittlerweile Stand der Technik bei der Versorgung von Amputationen an der oberen Extremität. Bislang erlauben sie allerdings...

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Leben im Plastikzeitalter: Wie ist ein nachhaltiger Umgang mit Plastik möglich?

21.06.2018 | Veranstaltungen

Kongress BIO-raffiniert X – Neue Wege in der Nutzung biogener Rohstoffe?

21.06.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

22.06.2018 | Materialwissenschaften

Lernen und gleichzeitig Gutes tun? Baufritz macht‘s möglich!

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

GFOS und skip Institut entwickeln gemeinsam Prototyp für Augmented Reality App für die Produktion

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics