Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Genveränderungen definieren die Prognose beim Krebs

13.03.2013
Nachweis von Mikrosatelliteninstabilität und Chromosomen-Explosion

Obwohl viele mit dem Beruf des Pathologen spontan die Obduktion von Leichen verbinden, beschreibt dies das Spektrum des Faches Pathologie nur am Rande.

Denn in erster Linie befasst sich die Pathologie mit dem lebenden Patienten. Ihre Hauptaufgabe ist die Diagnostik von morphologisch erfassbaren krankhaften Veränderungen des Körpers. In erster Linie mithilfe des Mikroskops, zunehmend aber auch mittels biochemischer und molekularbiologischer Methoden, gibt der Pathologe Auskunft über die Art einer Erkrankung und ihren Schweregrad.

Er liefert damit wichtige Informationen zur Prognose des einzelnen Patienten, vor allem bei Krebserkrankungen, und bietet außerdem dem klinisch tätigen Arzt tumorbiologische Informationen, mit denen dieser die am besten geeignete Therapie wählen kann.

Pathologen beherrschen aber nicht nur die zytologische und histologische Routinediagnostik, sie betreiben auch medizinische Forschung. Ein Beispiel dafür ist Privatdozent Dr. Timo Gaiser, Leitender Oberarzt am Institut für Pathologie der Universitätsmedizin Mannheim. In der von Professor Dr. Alexander Marx geleiteten Einrichtung beschäftigt er sich mit genetischen Veränderungen (Mutationen) im Zusammenhang mit bösartigen Tumoren. Die Ergebnisse seiner Forschungen, die er kürzlich in zwei hochrangigen Journalen veröffentlicht hat, helfen dabei, Patienten mit prognostisch günstigeren Tumoren zu identifizieren.

Mutationen sind nicht zwangsläufig ein Indiz für krankhafte Veränderungen. Das komplette Erbgut gesunder Menschen weist im Schnitt etwa 120 bis 400 Veränderungen in den Genen auf. In Zellen eines bösartigen Tumors jedoch geht die Zahl der Mutationen in die Tausende. Diese massiven Veränderungen spielen nicht nur bei der Entstehung, sondern auch für die Prognose einer Krebserkrankung eine wichtige Rolle.

PD Dr. Gaiser hat eine wichtige Entdeckung im Zusammenhang mit der Prognose von Dickdarmkrebs gemacht. Dickdarmkrebs entwickelt sich aus harmlosen Vorstufen, den Darmpolypen. Diese gutartigen Geschwulste sind zwar per se nicht gefährlich, sie haben aber das Potenzial zu entarten. Daher werden sie entfernt, wenn sie bei einer Darmspiegelung entdeckt werden. Die abgetragenen Polypen werden anschließend vom Pathologen untersucht, um festzustellen ob sie gutartig sind, oder bereits auf dem Weg, bösartig zu werden.

Das Team um PD Dr. Gaiser konnte zeigen, dass sich bereits am Polypen ermitteln lässt, ob dieser sich zu einem so genannten mikrosatelliteninstabilen Karzinom entwickeln wird. Die Mikrosatelliteninstabilität ist auf einen Gendefekt im DNA-Reparatursystem der Zelle zurückzuführen. Obwohl sie Ursache für vererbbare Tumore des Dickdarms ist, ist der Nachweis der Mikrosatelliteninstabilität mit einer besseren Prognose des Krankheitsverlaufs vergesellschaftet. Für betroffene Patienten ist diese Entdeckung wichtig, weil damit früher das richtige Überwachungsintervall gewählt sowie die notwendige Diagnostik des familiären Umfelds des Patienten eingeleitet werden kann.

Die Ergebnisse dieser Forschungsarbeit wurden im September des vergangenen Jahres im International Journal of Cancer veröffentlicht. In einer weiteren Arbeit ist es dem Forscherteam gelungen, einen prognostischen genetischen Faktor im Zusammenhang mit dem besonders gefährlichen schwarzen Hautkrebs (Melanom) zu entschlüsseln.

Die Wissenschaftler konnten zeigen, dass das genetische Phänomen der so genannten Chromosomen-Explosion (Chromothripsis) für die Prognose des Melanoms relevant ist. Genetische Veränderungen werden normalerweise langsam und schrittweise erworben. In seltenen Fällen treten jedoch zahlreiche Mutationen bei einer einzigen Zellteilung auf. Diese so genannte Chromosomen-Explosion konnten die Wissenschaftler auch im Melanom nachweisen und zeigen, dass Patienten mit einem solchen Phänomen im Tumor eine deutlich schlechtere Prognose haben als Patienten ohne eine solche Chromothripsis. Diese Arbeit hat das Team um PD Dr. Gaiser in der Fachzeitschrift Cancer Research publiziert.

Publikationen

Molecular patterns in the evolution of serrated lesion of the colorectum
Gaiser Timo, Meinhardt Sandra, Hirsch Daniela, Killian Jonathan Keith, Gaedcke Jochen, Jo Peter, Ponsa Immaculada, Miró Rosa, Rüschoff Josef, Seitz Gerhard, Hu Yue, Camps Jordi, Ried Thomas
International Journal of Cancer, 2012 Sep 26
doi: 10.1002/ijc.27869
Chromothripsis and focal copy number alterations determine poor outcome in malignant melanoma
Hirsch Daniela, Kemmerling Ralf, Davis Sean, Camps Jordi, Meltzer Paul S., Ried Thomas, Gaiser Timo
Cancer Research, 2012 Dec 27
doi: 10.1158/0008-5472.CAN-12-0928

Dr. Eva Maria Wellnitz | idw
Weitere Informationen:
http://www.umm.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Kokosöl verlängert Leben bei peroxisomalen Störungen
20.06.2018 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Überdosis Calcium
19.06.2018 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: IT-Sicherheit beim autonomen Fahren

FH St. Pölten entwickelt neue Methode für sicheren Informationsaustausch zwischen Fahrzeugen mittels Funkdaten

Neue technische Errungenschaften wie das Internet der Dinge oder die direkte drahtlose Kommunikation zwischen Objekten erhöhen den Bedarf an effizienter...

Im Focus: Innovative Handprothesensteuerung besteht Alltagstest

Selbstlernende Steuerung für Handprothesen entwickelt. Neues Verfahren lässt Patienten natürlichere Bewegungen gleichzeitig in zwei Achsen durchführen. Forscher der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) veröffentlichen Studie im Wissenschaftsmagazin „Science Robotics“ vom 20. Juni 2018.

Motorisierte Handprothesen sind mittlerweile Stand der Technik bei der Versorgung von Amputationen an der oberen Extremität. Bislang erlauben sie allerdings...

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Im Focus: Revolution der Rohre

Forscher*innen des Instituts für Sensor- und Aktortechnik (ISAT) der Hochschule Coburg lassen Rohrleitungen, Schläuchen oder Behältern in Zukunft regelrecht Ohren wachsen. Sie entwickelten ein innovatives akustisches Messverfahren, um Ablagerungen in Rohren frühzeitig zu erkennen.

Rückstände in Abflussleitungen führen meist zu unerfreulichen Folgen. Ein besonderes Gefährdungspotential birgt der Biofilm – eine Schleimschicht, in der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Leben im Plastikzeitalter: Wie ist ein nachhaltiger Umgang mit Plastik möglich?

21.06.2018 | Veranstaltungen

Kongress BIO-raffiniert X – Neue Wege in der Nutzung biogener Rohstoffe?

21.06.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue Phänomene im magnetischen Nanokosmos

22.06.2018 | Physik Astronomie

Roboter zeichnet Skizzen von Messebesuchern

22.06.2018 | Messenachrichten

Wärmestrahlung bei kleinsten Teilchen

22.06.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics