Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forschung für den Augenblick: Neue Technik analysiert Blutfluss bei Glaukom-PatientInnen

20.05.2014

Der Zusammenhang von Blutfluss in der Netzhaut und der Entwicklung eines Glaukoms kann jetzt erstmals exakt gemessen werden. Dies wurde durch Fortschritte bei einer etablierten Messmethode möglich, der Optischen Kohärenztomographie.

Diese erlaubt die visuelle Beurteilung der Netzhaut und wurde so zu einem wichtigen Diagnoseinstrument, kann jedoch keine Daten zur Funktion der Netzhaut erheben. Mit Unterstützung des Wissenschaftsfonds FWF gelang es einem Team der Medizinischen Universität Wien, diese Technik deutlich weiterzuentwickeln. So sind Messungen des Blutflusses möglich geworden. In einer Vergleichsstudie wird nun die Bedeutung dieses Wertes für die Entwicklung eines Glaukoms ermittelt. 


AugenärztInnen sehen rot bei zu hohem Augeninnendruck. Ein aktuelles FWF-Projekt bietet neue Einblicke.

Für redaktionelle Zwecke bei Nennung der Quelle kostenfrei:

© Rene Werkmeister

Auch das Auge steht manchmal ganz schön unter Druck – und leidet dann massiv. Konkret leiden Nervenzellen der Netzhaut unter einem erhöhten Augendruck (Glaukom oder Grüner Star). Dabei kommt es zu einem irreversiblen Schaden am Sehnervenkopf, dem Untergang von Nervenzellen und dem Verlust des Gesichtfeldes. Ein erhöhter Augendruck führt aber potenziell auch zu einer verminderten Durchblutung des Gewebes.

Inwieweit dieser Mechanismus am Absterben von Nervenzellen beteiligt ist, ist umstritten. Als Hauptursache dafür gilt zwar hoher Augendruck, doch mehren sich Hinweise, dass auch der Blutfluss in der Netzhaut (der retinale Blutfluss) ursächlich sein kann. Dessen Untersuchung scheiterte bisher aber an zuverlässigen Messmethoden. Ein Team der Medizinischen Universität Wien (MUW) änderte das mithilfe des Wissenschaftsfonds FWF und beginnt nun eine erste Studie dazu. 

FLUSSMESSUNG 

Zu der Studie meint deren Leiter Prof. Leopold Schmetterer vom Zentrum für Medizinische Physik und Biomedizinische Technik der MUW: "Erstmals werden wir bei Glaukom-Betroffenen den absoluten retinalen Blutfluss messen können. So überprüfen wir die Hypothese, dass bei Glaukom der Blutfluss in der Netzhaut reduziert ist. Gleichzeitig werden wir die von uns entwickelte Technologie evaluieren – insbesondere ihre Eignung für die langfristige Analyse des Blutflusses bei einzelnen Betroffenen." 

Die von Prof. Schmetterer und seinem Team optimierte Technologie nennt sich "Fourier-Domain Optische Doppler Kohärenztomographie" (FDODT) und stellt eine Weiterentwicklung der optischen Kohärenztomographie dar. Neben der Erfassung von Schnittbildern der Netzhaut ist nun eine Quantifizierung des Blutflusses möglich. Ergänzt mit weiteren Optimierungen durch das Team von Prof. Schmetterer kann die Methode nun den absoluten Blutfluss in der Netzhaut erfassen und so erstmals Information über dessen Einfluss auf ein Glaukom liefern. 

PRAXISTEST 

Jetzt wird die Technologie in einer Vergleichsstudie mit über 80 TeilnehmerInnen kritisch evaluiert. Dazu wird der Blutfluss in der Netzhaut von Glaukom-PatientInnen mit dem von gesunden ProbandInnen verglichen. Doch noch weitere Aspekte des Glaukoms werden untersucht, wie Prof. Schmetterer erläutert: "Zusätzlich wird analysiert, ob bei einem Glaukom die Selbstregulation des Blutflusses in der Papille gestört ist."

Tatsächlich können die Gefäße der Netzhaut den Blutfluss autonom regulieren. So ist sichergestellt, dass bei einem Abfall des Blutdrucks die Versorgung der Netzhautzellen mit Sauerstoff nicht verändert wird. Ob diese Selbstregulierung bei Glaukom-PatientInnen gestört ist, war bisher nicht festzustellen. Dank der technischen Weiterentwicklungen durch Prof. Schmetterer hat sich das aber geändert. 

Unterstützung erhält diese medizinisch wichtige Studie aus dem Programm KLIF (Klinische Forschung) des FWF. Dieses hat u. a. die Optimierung von diagnostischen und therapeutischen Verfahren als Zielsetzung. Ein Ziel, das mit der Evaluierung der FDODT im Rahmen einer klinischen Studie bestens erreicht werden kann – und das damit dazu beiträgt, eine der führenden Erblindungsursachen in Industrienationen besser therapieren zu können.  

Wissenschaftlicher Kontakt:

Prof. Leopold Schmetterer

Medizinische Universität Wien

Zentrum f. Medizinische Physik und Biomedizinische Technik Währinger Gürtel 18-20

A-1090 Wien

T +43 / 1 / 404 00 - 1984

E leopold.schmetterer@meduniwien.ac.at

Der Wissenschaftsfonds FWF:

Mag. Stefan Bernhardt

Haus der Forschung

Sensengasse 1

1090 Wien

T +43 / 1 / 505 67 40 - 8111

E stefan.bernhardt@fwf.ac.at

W http://www.fwf.ac.at

Redaktion & Aussendung:

PR&D - Public Relations für Forschung & Bildung Mariannengasse 8

1090 Wien

T +43 / 1 / 505 70 44

E contact@prd.at

W http://www.prd.at

Mag. Stefan Bernhardt | PR&D Wien
Weitere Informationen:
http://www.fwf.ac.at/de/public_relations/press/pv201405-de.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Kokosöl verlängert Leben bei peroxisomalen Störungen
20.06.2018 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Überdosis Calcium
19.06.2018 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

Noch mehr Reichweite oder noch mehr Nutzlast - das wünschen sich Fluggesellschaften für ihre Flugzeuge. Wegen ihrer hohen spezifischen Steifigkeiten und Festigkeiten kommen daher zunehmend leichte Faser-Kunststoff-Verbunde zum Einsatz. Bei Rümpfen oder Tragflächen sind permanent Innovationen in diese Richtung zu beobachten. Um dieses Innovationsfeld auch für Flugzeugräder zu erschließen, hat das Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF jetzt ein neues EU-Forschungsvorhaben gestartet. Ziel ist die Entwicklung eines ersten CFK-Bugrads für einen Airbus A320. Dabei wollen die Forscher ein Leichtbaupotential von bis zu 40 Prozent aufzeigen.

Faser-Kunststoff-Verbunde sind in der Luftfahrt bei zahlreichen Bauteilen bereits das Material der Wahl. So liegt beim Airbus A380 der Anteil an...

Im Focus: IT-Sicherheit beim autonomen Fahren

FH St. Pölten entwickelt neue Methode für sicheren Informationsaustausch zwischen Fahrzeugen mittels Funkdaten

Neue technische Errungenschaften wie das Internet der Dinge oder die direkte drahtlose Kommunikation zwischen Objekten erhöhen den Bedarf an effizienter...

Im Focus: Innovative Handprothesensteuerung besteht Alltagstest

Selbstlernende Steuerung für Handprothesen entwickelt. Neues Verfahren lässt Patienten natürlichere Bewegungen gleichzeitig in zwei Achsen durchführen. Forscher der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) veröffentlichen Studie im Wissenschaftsmagazin „Science Robotics“ vom 20. Juni 2018.

Motorisierte Handprothesen sind mittlerweile Stand der Technik bei der Versorgung von Amputationen an der oberen Extremität. Bislang erlauben sie allerdings...

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Leben im Plastikzeitalter: Wie ist ein nachhaltiger Umgang mit Plastik möglich?

21.06.2018 | Veranstaltungen

Kongress BIO-raffiniert X – Neue Wege in der Nutzung biogener Rohstoffe?

21.06.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

22.06.2018 | Materialwissenschaften

Lernen und gleichzeitig Gutes tun? Baufritz macht‘s möglich!

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

GFOS und skip Institut entwickeln gemeinsam Prototyp für Augmented Reality App für die Produktion

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics