Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erstmals in Europa: Virologen können jetzt Infektionsprozesse an lebenden Zellen mikroskopieren

18.07.2016

Im S3-Labor des Instituts für Medizinische Virologie und Epidemiologie der Viruskrankheiten am Universitätsklinikum Tübingen ist jetzt ein High-End Forschungsmikroskop mit Superresolution installiert. Das Mikroskop-System ist das erste seiner Art in Europa und weltweit das einzige in einem gentechnischen Sicherheitslabor der Stufe 3. Die Infektion von lebenden Zellen mit gefährlichen Viren und Krankheitserregern kann damit in Hochauflösung untersucht werden.

Das neue Mikroskop-System DeltaVision OMX SR der Firma GE kann mit sogenannter Superresolution Strukturen auflösen, die kleiner sind als es die physikalische Auflösungsgrenze erlaubt. Diese liegt bei 250 bis 300 Nanometer (nm). Zudem ist es so schnell, dass lebende Zellen mikroskopiert werden können. Für die sogenannten Superresolution-Mikroskopie-Methoden wurde 2014 der Chemie-Nobelpreis vergeben.


Ramona Businger, Doktorandin im Sicherheitslabor des Tübinger Instituts Medizinische Virologie und Epidemiologie der Viruskrankheiten am High-End Mikroskop-System

Fotograf Michael Schindler, Bildquelle Universitätsklinikum Tübingen


Aufnahme mit dem Superresolution Live Cell Imaging Mikroskop: Menschliche Zellen (Zellkerne, blau), die ein HIV-1 Protein (Nef, grün) exprimieren.

1 konventionelle Fluoreszenzmikroskopie, 2 konfokale Fluoreszenzmikroskopie, 3 Superresolution-Fluoreszenzmikroskopie

Fotograf Michael Schindler, Bildquelle Universitätsklinikum Tübingen

Der Tübinger Virologe, Prof. Dr. Michael Schindler, will das Mikroskop einsetzen, um Infektionen von humanen Zellen mit hochpathogenen Viren zu untersuchen, die eine Größe von 50 bis 150 nm haben – das entspricht etwa einem 10.000tel Millimeter.

Dafür müssen die Viren mit Fluoreszenz markiert werden, und zwar so, dass sie nicht oder nur minimal in ihrer Vermehrungsfähigkeit eingeschränkt sind. Im Detail analysieren die Forscher wie das AIDS Virus HIV-1 oder das Leber-schädigende Hepatitis C Virus Zellen infizieren, in diesen zusammengebaut und wieder ausgeschleust werden. Dabei interessieren sich die Wissenschaftler für zelluläre Transportwege und molekulare Interaktionen.

„Wir haben schon erste Hinweise darauf, dass der Transport bestimmter Viren anders ist, als bisher angenommen“, so Schindler. „Dies könnte eine wichtige zellbiologische Entdeckung darstellen, für deren weitere Analyse das neue Mikroskop-System speziell geeignet ist“, führt der Virologe weiter aus. Das Forscherteam hat auch neue Medikamentenkandidaten, die den Zusammenbau von Viren in Zellen inhibieren sollen, und wird deren Wirkungsweise nun auf molekularer Ebene an lebenden infizierten Zellen untersuchen.

Mittelfristig rechnet die Arbeitsgruppe um Michael Schindler mit einer weltweiten Vernetzung mit Infektiologen, die Fragestellungen zur Erforschung der Infektion von lebenden Zellen mit gefährlichen Viren und Krankheitserregern an diesem System beantworten möchten.

Schindler konnte das 500.000 Euro teure Gerät bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) über einen Großgeräteantrag einwerben. Es wurde hälftig von der DFG und vom Universitätsklinikum bezahlt.


Medienkontakt

Universitätsklinikum Tübingen
Institut für Medizinische Virologie und Epidemiologie der Viruskrankheiten
Prof. Dr. Michael Schindler
Elfriede-Aulhorn-Str. 6, 72076 Tübingen
Tel. 07071 29-87459
E-Mail Michael.Schindler@med.uni-tuebingen.de

Dr. Ellen Katz | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.uni-tuebingen.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Die Gene sind nicht schuld
20.07.2018 | Technische Universität München

nachricht Staus im Gehirn: FAU-Forscher identifizieren eine Ursache für Parkinson
20.07.2018 | Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Future electronic components to be printed like newspapers

A new manufacturing technique uses a process similar to newspaper printing to form smoother and more flexible metals for making ultrafast electronic devices.

The low-cost process, developed by Purdue University researchers, combines tools already used in industry for manufacturing metals on a large scale, but uses...

Im Focus: Rostocker Forscher entwickeln autonom fahrende Kräne

Industriepartner kommen aus sechs Ländern

Autonom fahrende, intelligente Kräne und Hebezeuge – dieser Ingenieurs-Traum könnte in den nächsten drei Jahren zur Wirklichkeit werden. Forscher aus dem...

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue Anwendungen für Mikrolaser in der Quanten-Nanophotonik

20.07.2018 | Physik Astronomie

Need for speed: Warum Malaria-Parasiten schneller sind als die menschlichen Abwehrzellen

20.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Die Gene sind nicht schuld

20.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics