Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Dicke Kinder: Halsschlagader verrät Herz-Kreislauf-Risiko

14.11.2012
Kinderradiologen können mit Ultraschalluntersuchungen Arterienverkalkungen bei Kindern nachweisen. Entsprechende Studien wurden auf der Jahrestagung der Gesellschaft für Pädiatrische Radiologie(GPR) in Düsseldorf präsentiert.

Jedes siebte Kind ist in Deutschland übergewichtig, etwa jedes fünfzehnte gilt als fettleibig. Dass das nicht ohne Folgen für die Gesundheit bleibt, belegen mehrere Studien von Kinderradiologen die auf der Jahrestagung der Gesellschaft für Pädiatrische Radiologie präsentiert wurden.

Anhand von Ultraschalluntersuchungen der Halsschlagader können die Experten zeigen, dass bei Fettleibigkeit schon im Kindesalter an den Blutgefäßen krankhafte Veränderungen – Arteriosklerose oder umgangssprachlich Arterienverkalkung – entstehen. Der Weg zum Herzinfarkt beginnt also ganz früh. Die gute Nachricht: Wird das Gewicht reduziert, geht die Arterienverkalkung zurück.

Arterienverkalkung ist der häufigste Verursacher von Herzinfarkten und Schlaganfällen im Erwachsenenalter. Diese „Verkalkungen“ entstehen vor allem dann, wenn bestimmte Risikofaktoren vorliegen, beispielsweise Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen oder eine Zuckerkrankheit. Stark übergewichtige Kinder entwickeln oft bereits in frühen Jahren solche Risikofaktoren: Sie haben einen zu hohen Blutdruck, eine beginnende Störung des Zuckerstoffwechsels oder erhöhte Blutfette. Unklar war bisher, ob sich diese frühen Störungen auch schon an den Blutgefäßen der Kinder niederschlagen. Professor Dr. Rainer Wunsch und seine Kollegen von der Vestischen Kinder- und Jugendklinik in Datteln konnten zeigen, dass genau das bei vielen Kindern der Fall ist.

Präzise Messungen im Submillimeterbereich

Die Kinderradiologen nutzten für ihre Untersuchungen, über die sie bei der 49. Jahrestagung der Gesellschaft für Pädiatrische Radiologie e.V. in Düsseldorf berichteten, ein Verfahren, bei dem mittels Ultraschall gemessen wird, wie dick die Wand der Halsschlagader ist. Diese so genannte „Intima-Media-Dicke“ korreliert bei Erwachsenen mit dem Herzinfarktrisiko. „Das Problem bei Kindern sind die insgesamt relativ dünnen Gefäßwände. Wir reden hier teilweise von 0,3 Millimetern. Oft wurden für diese Messungen Ultraschalltechniken eingesetzt, mit denen solche dünnen Strukturen gar nicht exakt messbar sind“, erläutert Wunsch.
In mehreren Studien haben die Experten deswegen zunächst einmal einen Standard für die Messung der Intima-Media-Dicke bei Kindern entwickelt. Zum Einsatz kommt nicht die für diese Zwecke oft verwendete Ultraschalltechnik des „Harmonic Imaging“, sondern eine Methode, die sich „SpeckleReduction Imaging“ (SRI) nennt. „Diese neue Methode beherrschen viele moderne Ultraschallgeräte. Nötig ist lediglich ein hoch auflösender Linearschallkopf“, so Wunsch. Steht kein SRI zur Verfügung, ist der ganz normale Ultraschall, der „fundamentale Schall“, eine Alternative.

Ultraschall macht frühe Gefäßveränderungen bei Übergewicht sichtbar

Nach dieser Vorarbeit konnten die Radiologen in zwei klinischen Studien zeigen, dass stark übergewichtige Kinder bereits in jungen Jahren eine statistisch signifikant dickere Gefäßwand aufweisen als normalgewichtige Kinder im gleichen Alter. Mehr noch: In beiden Studien, an denen insgesamt über 140 Kinder teilnahmen, gab es einen eindeutigen Zusammenhang zwischen einer größeren Intima-Media-Dicke und dem Auftreten von Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Störungen des Zuckerstoffwechsels und erhöhten Entzündungsmarkern im Blut. „Das belegt, dass wir mit unserem nicht-invasiven Ultraschallverfahren auf elegante Weise eine frühe Arteriosklerose bereits im Kindesalter sichtbar machen können“, betont Wunsch.
Für Ärzte, die stark übergewichtige Kinder betreuen, kann das Wissen um beginnende Gefäßveränderungen eine wertvolle Zusatzinformation sein. „Wenn bereits Gefäßveränderungen vorliegen, wird eine effektive Behandlung von Risikofaktoren umso wichtiger“, so Wunsch. Die Darstellung der Gefäßwand im Ultraschall hilft außerdem dabei, die Folgen des Übergewichts für die Kinder anschaulich und begreifbar zu machen.

Abnehmen tut auch den Blutgefäßen gut

Auch als Erfolgskontrolle bei Abnehmprogrammen kann die Messung der Intima-Media-Dicke eingesetzt werden. In einer weiteren Studie mit 56 Kindern, die an einem einjährigen Adipositas-Interventionsprogramm teilnahmen, konnten die Experten zeigen, dass Abnehmerfolge auch an der Gefäßwand sichtbar werden: „Bei den 24 Kindern, die es geschafft haben ihr Gewicht deutlich zu senken, verbesserten sich nicht nur Blutdruck und Fettstoffwechsel. Auch die Dicke der Gefäßwand nahm signifikant ab.“

Über die Kinderradiologie: Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Sie haben andere Krankheitsbilder als erwachsene Patienten und andere Krankheitsverläufe. Die Kinderradiologie bildet daher eine eigene Schwerpunktbezeichnung innerhalb der Radiologie. Die Facharztweiterbildung dauert bei diesen Spezialisten sieben statt fünf Jahre, da neben den Kenntnissen der Radiologie weitreichendes Wissen der Kinderheilkunde vermittelt wird. Im Fokus kinderradiologischer Arbeit stehen Patienten mit Krebserkrankungen sowie die Diagnose von Kindesmisshandlungen, die sich häufig zweifelsfrei in der Bildgebung nachweisen lassen.

Die Gesellschaft für Pädiatrische Radiologie im Internet:
http://www.kinder-radiologie.org/

Pressekontakt:
Florian Schneider
Presseverantwortlicher
Deutsche Röntgengesellschaft e.V.
Tel.: 030 – 916 070 19
Fax: 030 – 916 070 22
E-Mail: schneider@drg.de

Florian Schneider | idw
Weitere Informationen:
http://www.kinder-radiologie.org/
http://www.drg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue Erkenntnisse zur Schlaganfall-Rehabilitation: Entspannung besser als Laufbandtraining?
19.09.2019 | Universität Greifswald

nachricht Forscher entwickeln "Landkarte" für Krebswachstum
19.09.2019 | Universität Leipzig

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: 'Nanochains' could increase battery capacity, cut charging time

How long the battery of your phone or computer lasts depends on how many lithium ions can be stored in the battery's negative electrode material. If the battery runs out of these ions, it can't generate an electrical current to run a device and ultimately fails.

Materials with a higher lithium ion storage capacity are either too heavy or the wrong shape to replace graphite, the electrode material currently used in...

Im Focus: Nervenzellen feuern Hirntumorzellen zum Wachstum an

Heidelberger Wissenschaftler und Ärzte beschreiben aktuell im Fachjournal „Nature“, wie Nervenzellen des Gehirns mit aggressiven Glioblastomen in Verbindung treten und so das Tumorwachstum fördern / Mechanismus der Tumor-Aktivierung liefert Ansatzpunkte für klinische Studien

Nervenzellen geben ihre Signale über Synapsen – feine Zellausläufer mit Kontaktknöpfchen, die der nächsten Nervenzelle aufliegen – untereinander weiter....

Im Focus: Stevens team closes in on 'holy grail' of room temperature quantum computing chips

Photons interact on chip-based system with unprecedented efficiency

To process information, photons must interact. However, these tiny packets of light want nothing to do with each other, each passing by without altering the...

Im Focus: Happy hour für die zeitaufgelöste Kristallographie

Ein Forschungsteam vom Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD), der Universität Hamburg und dem European Molecular Biology Laboratory (EMBL) hat eine neue Methode entwickelt, um Biomoleküle bei der Arbeit zu beobachten. Sie macht es bedeutend einfacher, enzymatische Reaktionen auszulösen, da hierzu ein Cocktail aus kleinen Flüssigkeitsmengen und Proteinkristallen angewandt wird. Ab dem Zeitpunkt des Mischens werden die Proteinstrukturen in definierten Abständen bestimmt. Mit der dadurch entstehenden Zeitraffersequenz können nun die Bewegungen der biologischen Moleküle abgebildet werden.

Die Funktionen von Biomolekülen werden nicht nur durch ihre molekularen Strukturen, sondern auch durch deren Veränderungen bestimmt. Mittels der...

Im Focus: Happy hour for time-resolved crystallography

Researchers from the Department of Atomically Resolved Dynamics of the Max Planck Institute for the Structure and Dynamics of Matter (MPSD) at the Center for Free-Electron Laser Science in Hamburg, the University of Hamburg and the European Molecular Biology Laboratory (EMBL) outstation in the city have developed a new method to watch biomolecules at work. This method dramatically simplifies starting enzymatic reactions by mixing a cocktail of small amounts of liquids with protein crystals. Determination of the protein structures at different times after mixing can be assembled into a time-lapse sequence that shows the molecular foundations of biology.

The functions of biomolecules are determined by their motions and structural changes. Yet it is a formidable challenge to understand these dynamic motions.

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

92. Neurologie-Kongress: Mehr als 6500 Neurologen in Stuttgart erwartet

20.09.2019 | Veranstaltungen

Frische Ideen zur Mobilität von morgen

20.09.2019 | Veranstaltungen

Thermodynamik – Energien der Zukunft

19.09.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Ferroelektrizität verbessert Perowskit-Solarzellen

20.09.2019 | Energie und Elektrotechnik

HD-Mikroskopie in Millisekunden

20.09.2019 | Biowissenschaften Chemie

Kinobilder aus lebenden Zellen: Forscherteam aus Jena und Bielefeld 
verbessert superauflösende Mikroskopie

20.09.2019 | Medizintechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics