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Darmkrebs: Neue Methode könnte Vorsorge-Angebot erweitern

03.07.2013
Wissenschaftler des Klinikums der Universität München zeigen: Die virtuelle MR-Kolonographie bringt fast ebenso gute Ergebnisse wie die herkömmliche Darmspiegelung

Tausende von Menschen sterben in jedem Jahr an Darmkrebs – trotzdem scheuen viele die Vorsorgekoloskopie, die Darmspiegelung. Dabei ist sie die wichtigste Methode zur Früherkennung. Durch sie lassen sich Vorstufen des kolorektalen Karzinoms, sogenannte Polypen und frühe Stadien von Tumoren, rechtzeitig erkennen. Darmkrebs zählt weltweit zu den führenden krebsbedingten Erkrankungs- und Todesfällen. Nun belegt eine aktuelle Screeningstudie von Wissenschaftlern des Klinikums der Ludwig-Maximilians-Universität München eine hohe Sensitivität einer weiteren Untersuchungsmethode: der virtuellen Koloskopie mittels Magnetresonanztomographie (MR-Kolonographie).

Die bisher einzige akzeptierte Alternative zur Koloskopie ist der Test auf verstecktes Blut im Stuhl (Haemoccult-Test). Dieser ist in seiner Leistungsfähigkeit der Darmspiegelung aber weit unterlegen. Relativ neu ist eine weitere Untersuchung, die virtuelle Koloskopie, basierend auf der Computertomographie (CT). Sie ist in mehreren Studien untersucht worden. Diese Studien zeigen, dass die virtuelle CT-Koloskopie die Mehrzahl aller Neubildungen im Darm aufspürt. Sie ist in Deutschland nicht zur Vorsorge zugelassen, auch wenn die Strahlenbelastung gering ist.

Aus diesem Grunde haben Forscher um Prof. Dr. Frank Kolligs, Medizinische Klinik und Poliklinik II, und Prof. Dr. Anno Graser, Institut für Klinische Radiologie, in einer aktuellen Studie die virtuelle Koloskopie mittels Magnetresonanztomographie (MR-Kolonographie) im Vergleich zur konventionellen Koloskopie und zum Haemoccult-Test auf den Prüfstand gestellt. Bei dieser Methode werden mittels Kernspintomographie Schichtaufnahmen des Darms erstellt, ohne Strahlenbelastung. Bei der konventionellen Koloskopie wird ein elastischer Schlauch mit Kamera und Instrumenten im Miniformat eingeführt (Endoskopie). Die Darmreinigung ist (wie bei der Endoskopie) auch bei der virtuellen Koloskopie unerlässlich. Danach wurde mittels 3 Tesla Magnetresonanztomographie und intravenöser Kontrastmittelgabe untersucht. Anschließend erhielten alle Studienteilnehmer die herkömmliche Darmspiegelung. Diese erfolgte unvoreingenommen: Der Untersucher erfuhr das Ergebnis der MR-Kolonographie jeweils erst nach dem Rückzug des Endoskops aus dem entsprechenden Darmsegment.

An dieser Studie nahmen insgesamt 293 beschwerdefreie Personen teil. Sie unterzogen sich einer Vorsorgeuntersuchung. Das mittlere Alter war 59 Jahre. Insgesamt wurden in der Studie 281 Läsionen entdeckt. Alle wurden endoskopisch abgetragen und histologisch aufgearbeitet. In der Auswertung zeigte sich, dass mit der MR-Kolonographie im Vergleich zur Endoskopie 83,8 % aller Personen mit fortgeschrittenen Adenomen oder Karzinomen identifiziert werden konnten. Der gleichzeitig durchgeführte Haemoccult-Test erkannte dagegen nur 17,6 % aller Personen mit dieser Diagnose. Die Sensitivität der virtuellen Koloskopie für Adenome ab 6 mm lag bei 87 % und für Adenome ab 10 mm bei 91 %. Somit erreicht die MR-Kolonographie deutlich bessere Ergebnisse als der Haemoccult-Test und kommt nahe an die Leistungsfähigkeit der Koloskopie heran.

Prof. Kolligs: „Zusammenfassend zeigen diese Daten, dass die MR-Kolonographie, durchgeführt mit State-of-the-art-Technologie, in der Lage ist, die Mehrzahl aller Personen mit fortgeschrittenen Adenomen und Karzinomen zu identifizieren. Bei der vorgestellten Studie handelt es sich um die erste MR-Kolonographie-Studie, die mit dem aktuellen Stand der Technik durchgeführt wurde. Können diese guten Ergebnisse in einer geplanten prospektiven und Multicenter-Studie bestätigt werden, könnte die MR-Kolonographie das Angebot zur Darmkrebsvorsorge erweitern.“

Kontakt
Prof. Dr. Frank Kolligs
Tel: +49 (0)89/7095-5272
E-Mail: frank.kolligs@med.uni-muenchen.de
Prof. Dr. Anno Graser
Tel: +49 (0)89/7095-3620
E-Mail: anno.graser@med.uni-muenchen.de
Publikation: Graser A, Melzer A, Lindner E, Nagel D, Herrmann K, Stieber P, Schirra J, Mansmann U, Reiser MF, Göke B, Kolligs FT.
Magnetic resonance colonography for the detection of colorectal neoplasia in asymptomatic adults.

Gastroenterology. 2013 Apr;144(4):743-750.e2.

Hinweis: Im Patientenmagazin Klinikum aktuell, Ausgabe 3/2013, finden Sie ebenfalls Informationen zu diesem Thema. Das Magazin erscheint am 8. Juli und ist kostenfrei erhältlich an vielen Stellen des Klinikums der Universität München, Campus Innenstadt und Campus Großhadern. Online steht die Ausgabe ab kommender Woche hier zur Verfügung: http://www.klinikum.uni-muenchen.de/de/0200-einrichtungen/weitere-informationen-presse/publikationen.html

Klinikum der Universität München
Im Klinikum der Universität München (LMU) sind im Jahr 2012 an den Standorten Großhadern und Innenstadt 473.000 Patienten ambulant, teilstationär und stationär behandelt worden. Den 45 Fachkliniken, Instituten und Abteilungen sowie den 45 interdisziplinären Zentren stehen 2.080 Betten zur Verfügung. Von insgesamt über 10.000 Beschäftigten sind rund 1.800 Mediziner und 3.400 Pflegekräfte. Das Klinikum der Universität München hat im Jahr 2012 rund 78 Millionen Euro an Drittmitteln verausgabt und ist seit 2006 Anstalt des öffentlichen Rechts.

Gemeinsam mit der Medizinischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität ist das Klinikum der Universität München an fünf Sonderforschungsbereichen der DFG (SFB 455, 571, 596, 684, 914), an drei Transregios (TR 05, 127, 128), zwei Forschergruppen (FOR 535, 809) sowie an zwei Graduiertenkollegs (GK 1091, 1202) beteiligt. Hinzu kommen die vier Exzellenzcluster „Center for Integrated Protein Sciences“ (CIPSM), „Munich Center of Advanced Photonics“ (MAP), „Nanosystems Initiative Munich“ (NIM) und „Munich Cluster for Systems Neurology“ (SyNergy) sowie die Graduiertenschulen „Graduate School of Systemic Neurosciences“ (GSN-LMU) und „Graduate School of Quantitative Biosciences Munich (QBM)“.

Philipp Kreßirer | Klinikum der Universität München
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-muenchen.de

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