Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Einblicke in das Krankenhaus der Zukunft

07.05.2002


Wie der Datenfluss in den Kliniken der Zukunft gesteuert wird, können die Besucher des Deutschen Röntgenkongresses schon heute erleben: In drei virtuellen Krankenhäusern sind tatsächliche, kommerzielle Computersysteme unterschiedlicher Hersteller zusammengeschaltet, um den Informationsfluss von der Aufnahme bis zur Entlassung eines Patienten zu demonstrieren. Mit ihren international eingebundenen Aktivitäten werden die Radiologen so zu den Schrittmachern eines vernetzten Gesundheitswesen.

Jeder Computernutzer kennt das Problem: Wenn ein PC mit einem Apple-Rechner kommunizieren soll, gibt es in vielen Fällen Schwierigkeiten. Ärger ist auch programmiert, wenn Internet-Provider für Unverträglichkeiten zwischen E-Mail-Programmen sorgen. Ungleich komplizierter wird es in einer Klinik, wenn die unterschiedlichsten Systeme verschiedener Hersteller miteinander vernetzt arbeiten sollen.

Darum entstand vor wenigen Jahren in den USA eine Initiative von Radiologen und Experten für Krankenhausinformationssysteme, also von Anwendern und Herstellern, die ein Ziel verfolgen: "Der digitale Datenfluss im Krankenhaus soll durch sichere Kanäle geleitet und die Nutzung von Standards erleichtert werden," erklärt Professor Berthold Wein von der Klinik für Radiologische Diagnostik am Universitätsklinikum Aachen.

Diese Initiative, kurz IHE (Integrating the Healthcare Enterprise), ist seit 1999 auch in Europa etabliert. Davon werden auch deutsche Kliniken profitieren, die durch die Einführung von Fallpauschalen inzwischen zu einem straffen Management gezwungen werden. Der Datenfluss, der optimale Ablauf diagnostischer Untersuchungen, die schnellere Verfügbarkeit der Befunde gehören dazu.

Technische Rahmenvorgaben und so genannte Integrationsprofile, die tägliche Situationen im Kommunikationsablauf von Kliniken beschreiben, ermöglichen es den Herstellern, ihre Produkte zu optimieren. Deren Funktionstüchtigkeit wird dann auf so genannten Connectathons (Connection Marathons) ausgiebig getestet, die Ergebnisse auf verschiedenen nationalen Röntgenkongressen demonstriert - wie jetzt erstmalig auch auf dem deutschen Kongress.
In diesem Jahr fand das zweite europäische Connectathon Mitte April in Paris statt. An ihm nahmen 33 Firmen aus zehn Ländern mit insgesamt 61 Systemen teil.

"Um den Test unter möglichst wirklichkeitsgetreuen Bedingungen durchführen zu können, werden während einer derartigen Veranstaltung viele unterschiedliche Systeme miteinander gekoppelt", erklärt Wein. "Dabei werden unterschiedliche Szenarien des alltäglichen Lebens nachgestellt und der Datentransfer genau beobachtet. Am Ende des Connectathon werden die Szenarien getestet, die auf den nationalen Demonstrationen gezeigt werden sollen."
Auf dem Röntgenkongress sind drei virtuelle Kliniken aufgebaut. In ihnen wird der nahtlose Datenfluss von der Aufnahme des Patienten über die Anmeldung im Abteilungssystem mit Anforderungen, Planung, Durchführung, Archivierung und Befundung von Untersuchungen bis hin zur Rückübermittlung dieser Daten nachgebildet und für den Anwender sichtbar und erlebbar gemacht. Beteiligt sind 19 Unternehmen mit 29 Produkten, etwa Krankenhaus- und Radiologieinformationssysteme, so genannte Modalitäten (Röntgengeräte und CTs), Archive für digitale Röntgenaufnahmen sowie Workstations und Drucker.

"Obwohl die Radiologen damit begonnen haben", erklärt Wein, "ist die IHE-Initiative so angelegt, dass das gesamte Gesundheitswesen grundsätzlich abgebildet werden kann." So sind Erweiterungen in Richtung Labormedizin, Kardiologie, Pathologie, Ophthalmologie und Dermatologie geplant. Ebenso stellen die Experten Überlegungen an, das IHE-System aus dem Krankenhaus in die ambulante Versorgung zu exportieren. "Endziel", so der Aachener Radiologe, "könnte dann das gesamtvernetzte Gesundheitswesen sein, in dem unter Beachtung anerkannter Sicherheitsbestimmungen medizinische Informationen des Patienten zum rechten Zeitpunkt am rechten Ort verfügbar sind."

Rückfragen an:
Prof. Dr. med. Berthold Wein
RWTH Klinikum Aachen
Klinik für Radiologische Diagnostik
Pauwelsstr. 30
52057 Aachen
Tel.: 0241-80-0
Fax: 0241-80-82480
E-Mail: wein@rad.rwth-aachen.de

Dipl. Biol. Barbara Ritzert | idw

Weitere Berichte zu: Gesundheitswesen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Seltene Erkrankungen - Fatale Signalstörung
26.02.2020 | Ludwig-Maximilians-Universität München

nachricht Antikörper als Therapiealternative bei Tumoren am Hör- und Gleichgewichtsnerv?
24.02.2020 | Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Computersimulationen stellen bildlich dar, wie DNA erkannt wird, um Zellen in Stammzellen umzuwandeln

Forscher des Hubrecht-Instituts (KNAW - Niederlande) und des Max-Planck-Instituts in Münster haben entdeckt, wie ein essentielles Protein bei der Umwandlung von normalen adulten humanen Zellen in Stammzellen zur Aktivierung der genomischen DNA beiträgt. Ihre Ergebnisse werden im „Biophysical Journal“ veröffentlicht.

Die Identität einer Zelle wird dadurch bestimmt, ob die DNA zu einem beliebigen Zeitpunkt „gelesen“ oder „nicht gelesen“ wird. Die Signalisierung in der Zelle,...

Im Focus: Bayreuther Hochdruck-Forscher entdecken vielversprechendes Material für Informationstechnologien

Forscher der Universität Bayreuth haben ein ungewöhnliches Material entdeckt: Bei einer Abkühlung auf zwei Grad Celsius ändern sich seine Kristallstruktur und seine elektronischen Eigenschaften abrupt und signifikant. In diesem neuen Zustand lassen sich die Abstände zwischen Eisenatomen mithilfe von Lichtstrahlen gezielt verändern. Daraus ergeben sich hochinteressante Anwendungsmöglichkeiten im Bereich der Informationstechnologien. In der Zeitschrift „Angewandte Chemie – International Edition“ stellen die Wissenschaftler ihre Entdeckung vor. Die neuen Erkenntnisse sind aus einer engen Zusammenarbeit mit Partnereinrichtungen in Augsburg, Dresden, Hamburg und Moskau hervorgegangen.

Bei dem ungewöhnlichen Material handelt es sich um ein Eisenoxid mit der Zusammensetzung Fe₅O₆. In einem Hochdrucklabor des Bayerischen Geoinstituts (BGI),...

Im Focus: Von China an den Südpol: Mit vereinten Kräften dem Rätsel der Neutrinomassen auf der Spur

Studie von Mainzer Physikern zeigt: Experimente der nächsten Generation versprechen Antworten auf eine der aktuellsten Fragen der Neutrinophysik

Eine der spannendsten Herausforderungen der modernen Physik ist die Ordnung oder Hierarchie der Neutrinomassen. Eine aktuelle Studie, an der Physiker des...

Im Focus: High-pressure scientists in Bayreuth discover promising material for information technology

Researchers at the University of Bayreuth have discovered an unusual material: When cooled down to two degrees Celsius, its crystal structure and electronic properties change abruptly and significantly. In this new state, the distances between iron atoms can be tailored with the help of light beams. This opens up intriguing possibilities for application in the field of information technology. The scientists have presented their discovery in the journal "Angewandte Chemie - International Edition". The new findings are the result of close cooperation with partnering facilities in Augsburg, Dresden, Hamburg, and Moscow.

The material is an unusual form of iron oxide with the formula Fe₅O₆. The researchers produced it at a pressure of 15 gigapascals in a high-pressure laboratory...

Im Focus: From China to the South Pole: Joining forces to solve the neutrino mass puzzle

Study by Mainz physicists indicates that the next generation of neutrino experiments may well find the answer to one of the most pressing issues in neutrino physics

Among the most exciting challenges in modern physics is the identification of the neutrino mass ordering. Physicists from the Cluster of Excellence PRISMA+ at...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

CLIMATE2020 – Weltweite Online-Klimakonferenz vom 23. bis 30. März 2020

26.02.2020 | Veranstaltungen

Automatisierung im Dienst des Menschen

25.02.2020 | Veranstaltungen

Genomforschung für den Artenschutz - Internationale Fachtagung in Frankfurt

25.02.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

IGF macht's möglich: Lemgoer Forschungsteam entwickelt neues Verfahren zur Abwehr von Noroviren auf Obst und Gemüse

26.02.2020 | Biowissenschaften Chemie

CLIMATE2020 – Weltweite Online-Klimakonferenz vom 23. bis 30. März 2020

26.02.2020 | Veranstaltungsnachrichten

Neue Wege im Kampf gegen die Parkinson-Krankheit: HZDR-Forscher entwickeln Radiotracer für die Differentialdiagnostik

26.02.2020 | Interdisziplinäre Forschung

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics