Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Der Computer als Waffe gegen gefährliche Epidemien

09.11.2007
Wenn die nächste Grippewelle über Europa schwappt, können die Epidemiologen über die Ländergrenzen hinweg nachvollziehen, welche Wege der Erreger nimmt - und wie sich beispielsweise national unterschiedliche Impfstrategien auf seine Ausbreitung auswirken.

Wissenschaftler der Universität Bonn entwickeln medizinische Geoinformationssysteme, die derartige Analysen möglich machen. Sie stellen ihr Projekt auf der vom 14. bis 17. November auf der Medizin-Messe MEDICA in Düsseldorf vor (Gemeinschaftsstand der Wissenschaftsregion Bonn, Halle 16/Stand C41). Ebenfalls dort zu sehen: Beschichtungsmaterialien, mit denen sich hygienischere Harnkatheter herstellen lassen - und ein Analyseverfahren für Umweltchemikalien und neuartige Dopingmittel.

Wer wissen will, wie man eine Seuche am wirksamsten bekämpft, wirft am besten einen Blick auf ihre Verbreitungswege. "Bei der Untersuchung einer Salmonellenepidemie in einem Krankenhaus haben wir so nicht nur herausbekommen, wo die Erreger ursprünglich herkamen", erklärt Dr. Thomas Kistemann, Geograph und leitender Oberarzt am Hygieneinstitut der Universität Bonn. "Wir konnten auch nachweisen, wie sich die Salmonellen verbreiteten. Besonders betroffen waren nämlich Stationen, in denen die Container mit den Mittagessen erst eine Weile auf den Fluren standen, bevor die Tabletts verteilt wurden."

Mit Softwarehilfe lassen sich oft Zusammenhänge aufdecken, die auf den ersten Blick unsichtbar sind. Der Computer wird so zur wirksamen Waffe gegen Epidemien. Kistemann und seine interdisziplinäre Arbeitsgruppe sind Experten für so genannte Geoinformationssysteme (GIS), die räumliche Daten mit medizinischen und sozioökonomischen Informationen korrelieren. "Wir haben mit einer solchen Software beispielsweise die Verbreitung der Tuberkulose in Köln auf Stadtbezirksebene untersucht", erläutert der Privatdozent. Bislang vermuteten Epidemiologen, dass der gefährliche Erreger vor allem mit Spätaussiedlern aus der ehemaligen Sowjetunion wieder nach Deutschland gelangte. "Unsere Ergebnisse stützen das nicht", betont Kistemann. "Demnach ist Tuberkulose vor allem in Bezirken mit einem hohen türkischen Bevölkerungsanteil ein Problem." Vermutlich könne die Krankheit dort auch deshalb so gut Fuß fassen, weil die Politik die Integration türkischer Zuwanderer bisweilen vernachlässigt habe: Wer Sprachprobleme hat oder sich aus anderen Gründen ausgegrenzt fühlt, sucht bei Krankheiten nicht so schnell ärztliche Hilfe auf.

... mehr zu:
»Epidemie »Urologie

Bonner Wissenschaftler werden auf der MEDICA zwei weitere Themen vorstellen: Das Team um Privatdozent Dr. Norbert Laube von der Experimentellen Urologie präsentiert zusammen mit Partnern vom Institut für Dünnschichttechnologie der TU Kaiserslautern seine neuesten Ergebnisse zum Thema "Diamantähnliche Kohlenstoffschichten auf urologischen Implantaten zur Verbesserung der Biokompatibilität". Nach einer langjährigen Entwicklungsphase wurde bereits eine Schicht mit großem Erfolg in den Markt eingeführt. "Natürlich geht die Forschung weiter, denn die Kohlenstoffschichten können in ihrer Zusammensetzung verändert werden. Wir erwarten daher noch einige Verbesserungen", betont Norbert Laube. Die Arbeiten von Doktorandin Isabella Syring zur Erforschung der Wirkmechanismen der Oberflächen helfen bei der Suche nach Optimierungsmöglichkeiten. Sie wurden in diesem Jahr sogar von der Deutschen Gesellschaft für Urologie ausgezeichnet.

Glühwürmchen als Doping-Spürhund

Hoch aktuell ist auch das Projekt von Dr. Sabine Daufeldt und Dr. Axel Alléra: Ihr so genannter "SteroCheck" soll Dopingsünder das Fürchten lehren. Mit der patentierten Methode lassen sich beispielsweise neu entwickelte Anabolika schnell und kostengünstig nachweisen. Als "Drogen-Hund" dient ihnen dazu das Glühwürmchen: Der nachtaktive Käfer produziert nämlich ein Enzym, das seinen Hinterleib zum Scheinwerfer macht - die Luziferase. Die Bonner Forscher haben das Luziferase-Gen in menschliche Prostata-Zellinien eingeschleust. Wenn die Zellen nun mit Substanzen in Kontakt kommen, die wie ein männliches Geschlechtshormon wirken, leuchten sie gelbgrün auf. "Das kann das natürliche Androgen Testosteron sein, aber auch ein neuartiges Dopingmittel oder bestimmte Umweltchemikalien und Pestizide", erklärt Dr. Alléra.

So kann SteroCheck beispielsweise auch Weichmacher aus Kunststoffen nachweisen. Diese so genannten "Phthalate" wirken wie Hormone, obwohl sie chemisch eine ganz andere Struktur aufweisen. Sie stehen in Verdacht, für den seit Jahrzehnten beobachteten Rückgang der Spermienzahlen bei Männern verantwortlich zu sein. Außerdem sollen Phtalate Hodenkrebs auslösen können. Über eine neu gegründete Firma werden die Wissenschaftler den SteroCheck nun vermarkten.

Kontakt:
Privatdozent Dr. Thomas Kistemann
Institut für Hygiene und Öffentliche Gesundheit, Universitätsklinikum Bonn
Telefon: 0228/287-15534
E-Mail: Thomas.Kistemann@ukb.uni-bonn.de
Privatdozent Dr. Norbert Laube
Klinik und Poliklinik für Urologie der Universität Bonn
Tel.: 0228/287-19106
E-Mail: norbert.laube@ukb.uni-bonn.de
Dr. Sabine Daufeldt und Dr. Axel Alléra
Telefon: 0170/4108-655
E-Mail: s.daufeldt@uni-bonn.de und allera@uni-bonn.de

Frank Luerweg | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de/

Weitere Berichte zu: Epidemie Urologie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Mit dem Nano-U-Boot gezielt gegen Kopfschmerzen und Tumore
19.07.2018 | Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

nachricht Verminderte Hirnleistung bei schwachem Herz
18.07.2018 | Universitätsklinikum Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Europaweit erste Patientin mit neuem Hybridgerät zur Strahlentherapie behandelt

19.07.2018 | Medizintechnik

Waldrand oder mittendrin: Das Erbgut von Mausmakis unterscheidet sich je nach Lebensraum

19.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Automatisiertes Befüllen von Regalen im Einzelhandel

19.07.2018 | Verkehr Logistik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics