Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Transfusionsbedarf bei urologischen Eingriffen

06.09.2000


... mehr zu:
»Harnröhre
Unnötige Anforderung von Blutkonserven führt zu Versorgungsengpässen
Transfusionsbedarf bei urologischen Eingriffen

Bei mehr als zwei Dritteln aller urologischen Operationen ist die Bereitstellung von Blutkonserven nicht notwendig. Wenn möglich, sollte in den übrigen Fällen vermehrt auf Eigenblutspenden zurückgegriffen werden. Dafür ist die genaue Kenntnis des zu erwartenden Blutverlusts notwendig. Die Praxis, unnötig viele Blutkonserven anzufordern, führt zu Versorgungsengpässen und vermeidbaren Kosten, so Dr. Maria de Iñiguez in einer an der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin der Universität zu Köln vorgelegten Untersuchung.

Gerade bei urologischen Operationen bereitet die Bestimmung des Blutverlusts Schwierigkeiten, so dass nach Dr. de Iñiguez´s Ansicht eine Empfehlungsliste für die Anforderung von Blutkonserven sinnvoll ist.

Neben der Einsparung von Fremdblutkonserven sprechen vor allem die infektiösen und immunologischen Risiken einer Fremdblutübertragung für die Eigenblutspende. Die Möglichkeit einer alleinigen Versorgung mit Eigenblut ist abhängig vom Gesundheitszustand des Patienten und von der Blutmenge, die ihm entnommen werden kann. Diese wiederum hängt vor allem von der Geschwindigkeit der Blutbildung im Knochenmark ab.

Eine Rolle spielt auch, ob während der Operation Blut aufgefangen und dem Patienten wieder zurückgegeben werden kann. Eine Eigenblutspende sollte unterbleiben bei Blutarmut, sehr ausgeprägten Verengungen der Herzkranzgefäße, entzündlichen Erkrankungen mit Fieber über 37,5 Grad Celsius und wenn in den letzten drei Monaten vor der Operation ein Herzinfarkt vorlag.

In der Urologie kann der Blutverlust während einer Operation wegen der Verwendung großer Mengen Spülflüssigkeit oft nur sehr schwierig bestimmt werden. Dies gilt besonders für Operationen, die durch die Harnröhre hindurch vorgenommen werden. Deshalb stimmt die bereitgestellte Menge Blutkonserven in über achtzig Prozent der Fälle - so Dr. de Iñiguez - nicht mit der tatsächlich benötigten Menge überein. Der tatsächliche Blutverlust liegt im Einzelfall um fünfzig bis 100 Prozent niedriger als erwartete. Ein Großteil der vor einer Operation bereitgehaltenen Blutkonserven wird gar nicht benötigt. Obwohl dies bekannt ist, werden in der Praxis für viele Operationen unnötig viele Blutkonserven angefordert. Deshalb sollten nach Ansicht von Dr. de Iñiguez in der operativen Urologie Empfehlungslisten für die Anforderung von Blutkonserven erstellt und zu Rate gezogen werden, was in den Medizinischen Einrichtungen der Universität zu Köln inzwischen geschieht.

Einen Anhaltspunkt für die Menge der benötigten Fremd- oder Eigenblutkonserven liefert der Transfusionsindex. Er stellt rückblickend auf bereits durchgeführte Operationen das Verhältnis transfundierter Blutkonserven zur Anzahl der Patienten dar, die eine Blutübertragung benötigten. Erst bei einem durchschnittlichen Wert von mehr als einer halben Konserve pro Patient für eine bestimmte Operation sollten - so Dr. de Iñiguez - Blutkonserven bereitgestellt werden. Dies gilt vor allem für die operative Totalentfernung der Harnblase, die Ausschälung von Prostata und Blase durch die Harnröhre, sowie für Operationen von Nieren- und Nebennierentumoren. Die von Dr. de Iñiguez empfohlene Anzahl Konserven beträgt dabei je nach Eingriff zwischen zwei und acht Blutkonserven. Patienten, die sich einer der genannten Operationen unterziehen müssen, sollten rechtzeitig über die Möglichkeit der Eigenblutspende informiert werden. Bei den meisten anderen urologischen Operationen ist eine Bereitstellung von Blutkonserven in der Regel nicht notwendig.

Verantwortlich: Dr. Wolfgang Mathias

Für Rückfragen steht Ihnen Dr. Stefan-Mario Kasper unter der Telefonnummer 0221/478-6388, der Fax-Nummer 0221/478-6093 und unter der Email-Adresse SM.Kasper@uni-koeln.de zur Verfügung.
Unsere Presseinformationen finden Sie auch im World Wide Web (http://www.uni-koeln.de/organe/presse/pi/index.html).

Für die Übersendung eines Belegexemplars wären wir Ihnen dankbar.

Gabriele Rutzen |

Weitere Berichte zu: Harnröhre

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Narkolepsie: Wissenschaftler entlarven den Übeltäter der rätselhaften Schlafkrankheit
20.09.2018 | Universitätsspital Bern

nachricht Virotherapie bei Bauchfellkrebs erfolgreich getestet - Neue biologische Krebstherapie
18.09.2018 | Universitätsklinikum Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kupfer-Aluminium-Superatom

Äußerlich sieht der Cluster aus 55 Kupfer- und Aluminiumatomen aus wie ein Kristall, chemisch hat er jedoch die Eigenschaften eines Atoms. Das hetero-metallische Superatom, das Chemikerinnen und Chemiker der Technischen Universität München (TUM) hergestellt haben, schafft die Voraussetzung für die Entwicklung neuer, kostengünstiger Katalysatoren.

Chemie kann teuer sein. Zum Reinigen von Abgasen beispielsweise benutzt man Platin. Das Edelmetall dient als Katalysator, der chemische Reaktionen...

Im Focus: Hygiene im Handumdrehen – mit neuem Netzwerk „CleanHand“

Das Fraunhofer FEP beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit der Entwicklung von Prozessen und Anlagen zur Reinigung, Sterilisation und Oberflächenmodifizierung. Zur Bündelung der Kompetenzen vieler Partner wurde im Mai 2018 das Netzwerk „CleanHand“ zur Entwicklung von Systemen und Technologien für saubere Oberflächen, Materialien und Gegenstände ins Leben gerufen. Als Partner von „CleanHand“ präsentiert das Fraunhofer FEP im Rahmen der Messe parts2clean, vom 23.-25. Oktober 2018, in Stuttgart, am Stand der Fraunhofer-Allianz Reinigungstechnik (Halle 5, Stand C31), das Netzwerk sowie aktuelle Forschungsschwerpunkte des Institutes im Bereich Hygiene und Reinigung.

Besonders um die Hauptreisezeiten gehen vermehrt Testberichte und Studien über die Reinheit von europäischen Raststätten, Hotelbetten und Freibädern durch die...

Im Focus: Hygiene at your fingertips with the new CleanHand Network

The Fraunhofer FEP has been involved in developing processes and equipment for cleaning, sterilization, and surface modification for decades. The CleanHand Network for development of systems and technologies to clean surfaces, materials, and objects was established in May 2018 to bundle the expertise of many partnering organizations. As a partner in the CleanHand Network, Fraunhofer FEP will present the Network and current research topics of the Institute in the field of hygiene and cleaning at the parts2clean trade fair, October 23-25, 2018 in Stuttgart, at the booth of the Fraunhofer Cleaning Technology Alliance (Hall 5, Booth C31).

Test reports and studies on the cleanliness of European motorway rest areas, hotel beds, and outdoor pools increasingly appear in the press, especially during...

Im Focus: Neue Therapien bei Gefäßerkrankungen

Auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Angiologie (DGA) vom 12. bis 15. September in Münster stellten Gefäßspezialisten aus ganz Deutschland die neuesten Therapien bei Gefäßerkrankungen vor. Vor allem in den Bereichen periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) und venöse Verschlusskrankheiten wie die Tiefe Venenthrombose (TVT) gibt gute Neuigkeiten für die Patienten. Viele der 720 Gefäßspezialisten, die an der Jahrestagung teilnahmen, stellten neueste Studienergebnisse vor.

Millionen Menschen leiden in Deutschland unter Gefäßerkrankungen, allein rund fünf Millionen unter der „Schaufensterkrankheit“, medizinisch periphere...

Im Focus: Wie Magnetismus entsteht: Elektronen stärker verbunden als gedacht

Wieso sind manche Metalle magnetisch? Diese einfache Frage ist wissenschaftlich gar nicht so leicht fundiert zu beantworten. Das zeigt eine aktuelle Arbeit von Wissenschaftlern des Forschungszentrums Jülich und der Universität Halle. Den Forschern ist es zum ersten Mal gelungen, in einem magnetischen Material, in diesem Fall Kobalt, die Wechselwirkung zwischen einzelnen Elektronen sichtbar zu machen, die letztlich zur Ausbildung der magnetischen Eigenschaften führt. Damit sind erstmals genaue Einblicke in den elektronischen Ursprung des Magnetismus möglich, die vorher nur auf theoretischem Weg zugänglich waren.

Für ihre Untersuchung nutzten die Forscher ein spezielles Elektronenmikroskop, das das Forschungszentrum Jülich am Elettra-Speicherring im italienischen Triest...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Fachkonferenz "Automatisiertes und autonomes Fahren"

25.09.2018 | Veranstaltungen

4. BF21-Jahrestagung „Car Data – Telematik – Mobilität – Fahrerassistenzsysteme – Autonomes Fahren – eCall – Connected Car“

21.09.2018 | Veranstaltungen

Forum Additive Fertigung: So gelingt der Einstieg in den 3D-Druck

21.09.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Bisher unbekannter Mechanismus der Blut-Hirn-Schranke entdeckt

25.09.2018 | Biowissenschaften Chemie

Suche nach Grundwasser im Ozean - Neues deutsch-maltesisches Forschungsprojekt gestartet

25.09.2018 | Geowissenschaften

Auf dem Weg zur Prothese der Zukunft

25.09.2018 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics