Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Messung des Blutzuckers durch einen Blick ins Auge

25.10.2000


Strahlengang für die Messung der

Glukosekonzentration in der Vorderkammer des Auges, wobei die

Reflexion an der Linsenvorderfläche (Position 3) genutzt wird. In

Position X befindet sich eine Infrarotlichtquelle. Grafik:

Schrader


... mehr zu:
»Blutzucker »Diabetiker »Glukose
Millionen Diabetiker leiden darunter, dass sie zur Zuckerbestimmung bis zu sieben Mal täglich aus ihren Fingerkuppen Blut entnehmen und sich ebenso oft Insulin unter die Haut spritzen müssen. Wissenschaftler von der
Universität Würzburg wollen nun ein sehr elegantes Verfahren entwickeln, um Diabetikern das Leben zu erleichtern: Der Blutzucker soll durch einen Blick ins Auge gemessen werden. Erste Tests waren bereits erfolgreich.

In den vergangenen 40 Jahren wurden unzählige Versuche unternommen, den Gehalt an Blutzucker (Glukose) automatisch zu registrieren. Doch Glukosesensoren, die man in den Körper von Versuchstieren einpflanzte, wurden innerhalb weniger Tage von Narbengewebe umgeben und fielen aus. Andere Systeme, bei denen durch die Haut gemessen werden sollte, scheiterten an ihrer Überempfindlichkeit gegen Temperatur- und Feuchtigkeitsänderungen.

Ein Forscherteam an der Universität Würzburg untersucht nun, wie man nach der Einstrahlung von Licht in die Vorderkammer des Auges die Konzentrationen von Stoffwechselprodukten und Medikamenten im Körper bestimmen kann. Das Projekt läuft unter der Leitung von Dr. Wolfgang Schrader, Oberarzt an der Augenklinik, und von Prof. Dr. Wolfgang Kiefer vom Institut für Physikalische Chemie. Gefördert wird es von der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

Die Würzburger Wissenschaftler haben ihr neues Untersuchungsverfahren bereits patentiert. Die Konzentrationsmessungen erfolgen mit spektrometrischen Methoden: Das in der Vorderkammer des Auges reflektierte Licht wird spektral zerlegt und mit hochempfindlichen Aufnahmesystemen registriert. Dabei erhalten die Forscher ein Spektrum, das einen "Fingerabdruck" des jeweils untersuchten Stoffes liefert, diesen also eindeutig identifiziert. Um die Konzentration des Stoffes zu ermitteln, wird das Spektrum mit Standards verglichen, die in einer Computerdatenbank abgelegt sind.

Unter anderem versucht die Forschergruppe an der Universitätsaugenklinik, nach der Einstrahlung von unsichtbarem infrarotem Licht in die Vorderkammer des Auges den Glukosegehalt im Auge zu bestimmen. Versuche an einem Modell haben belegt, dass eine Messung im normalen Konzentrationsbereich möglich ist. Erste Tests an Versuchspersonen waren ebenfalls erfolgreich: Die am Auge gemessenen Konzentrationen erlaubten den Rückschluss auf die Konzentrationen des Blutzuckers.

Dr. Schrader: "Bevor aber zuckerkranke Patienten eine automatische Selbstmessung von Glukose durchführen können, ist noch umfangreiche Entwicklungsarbeit zu leisten." Diese Arbeit wird mit Sicherheit von der Hoffnung zahlreicher Diabetiker begleitet - wie etwa von dem Patienten Carl, der am 9. November 1999 in einem Internet-Gesprächskreis sinngemäß folgendes schrieb: "Als 1966 meine Zuckerkrankheit diagnostiziert wurde, wurde mir an einer führenden US-Universitätsklinik angekündigt, dass in den nächsten fünf Jahren ein System im Körper eingepflanzt werden könne, das automatisch die notwendigen Insulinmengen abgibt. Nun, 33 Jahre später, hoffe ich immer noch, dass so etwas wirklich herauskommt."

Weitere Informationen: Dr. Wolfgang Schrader, T (0931) 201-5605 oder 201-5610 (Sekretariat), Fax (0931) 201-2400, E-Mail:
w.schrader@augenklinik.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw

Weitere Berichte zu: Blutzucker Diabetiker Glukose

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Bekannte Arzneimittel – neue Wirkung im Kampf gegen Infektionen?
06.06.2019 | Paul-Ehrlich-Institut - Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel

nachricht Erste zugelassene Gentherapie in der Augenheilkunde am Klinikum der LMU München durchgeführt
05.06.2019 | Klinikum der Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Additive Fertigung zur Herstellung von Triebwerkskomponenten für die Luftfahrt

Globalisierung und Klimawandel sind zwei der großen Herausforderungen für die Luftfahrt. Der »European Flightpath 2050 – Europe’s Vision for Aviation« der Europäischen Kommission für Forschung und Innovation sieht für Europa eine Vorreiterrolle bei der Vereinbarkeit einer angemessenen Mobilität der Fluggäste, Sicherheit und Umweltschutz vor. Dazu müssen sich Design, Fertigung und Systemintegration weiterentwickeln. Einen vielversprechenden Ansatz bietet eine wissenschaftliche Kooperation in Aachen.

Das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT und der Lehrstuhl für Digital Additive Production DAP der RWTH Aachen entwickeln zurzeit eine...

Im Focus: Die verborgene Struktur des Periodensystems

Die bekannte Darstellung der chemischen Elemente ist nur ein Beispiel, wie sich Objekte ordnen und klassifizieren lassen.

Das Periodensystem der Elemente, das die meisten Chemiebücher abbilden, ist ein Spezialfall. Denn bei dieser tabellarischen Übersicht der chemischen Elemente,...

Im Focus: The hidden structure of the periodic system

The well-known representation of chemical elements is just one example of how objects can be arranged and classified

The periodic table of elements that most chemistry books depict is only one special case. This tabular overview of the chemical elements, which goes back to...

Im Focus: MPSD-Team entdeckt lichtinduzierte Ferroelektrizität in Strontiumtitanat

Mit Licht lassen sich Materialeigenschaften nicht nur messen, sondern auch verändern. Besonders interessant sind dabei Fälle, in denen eine fundamentale Eigenschaft eines Materials verändert werden kann, wie z.B. die Fähigkeit, Strom zu leiten oder Informationen in einem magnetischen Zustand zu speichern. Ein Team um Andrea Cavalleri vom Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie in Hamburg, hat nun Lichtimpulse aus dem Terahertz-Frequenzspektrum benutzt, um ein nicht-ferroelektrisches Material in ein ferroelektrisches umzuwandeln.

Ferroelektrizität ist ein Zustand, in dem die Atome im Kristallgitter eine bestimmte Richtung "aufzeigen" und dadurch eine makroskopische elektrische...

Im Focus: MPSD team discovers light-induced ferroelectricity in strontium titanate

Light can be used not only to measure materials’ properties, but also to change them. Especially interesting are those cases in which the function of a material can be modified, such as its ability to conduct electricity or to store information in its magnetic state. A team led by Andrea Cavalleri from the Max Planck Institute for the Structure and Dynamics of Matter in Hamburg used terahertz frequency light pulses to transform a non-ferroelectric material into a ferroelectric one.

Ferroelectricity is a state in which the constituent lattice “looks” in one specific direction, forming a macroscopic electrical polarisation. The ability to...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Teilautonome Roboter für die Dekontamination - den Stand der Forschung bei Live-Vorführungen am 25.6. erleben

18.06.2019 | Veranstaltungen

KI meets Training

18.06.2019 | Veranstaltungen

Automatisiertes Fahren

17.06.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Additive Fertigung zur Herstellung von Triebwerkskomponenten für die Luftfahrt

18.06.2019 | Maschinenbau

Zwei erdähnliche Planeten um einen der kleinsten Sterne – und die Möglichkeit, von dort aus die Erde nachzuweisen

18.06.2019 | Physik Astronomie

Neues aus der Kinderstube der Diamanten

18.06.2019 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics