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Neue Biomaterialien vermindern Risiko einer Katheterinfektion

29.09.2000


Ob für künstliche Linsen, Knochenzemente oder Bandscheiben, der Bedarf an neuen Werkstoffen für die Medizin steigt stetig. Dabei kommt es nicht nur darauf an, dass der Werkstoff vom Körper akzeptiert wird, sondern
dass die Wundheilung vielleicht gar gefördert und Infektionen von dem Implantat selbst unterdrückt werden. Auf der Suche nach neuen Biomaterialien ist Erlangern und Jenaer Forschern mit der Entwicklung einer neuen Technologie ein entscheidender Durchbruch gelungen.

Mit einem neuen Verfahren lässt sich beobachten, wie Mikroorganismen oder höhere Zellen auf Materialoberflächen anbinden und sich vermehren. Da das Verfahren Materialproben mit hoher Genauigkeit und in großer Zahl untersucht, kann man den produktspezifisch optimalen Werkstoff wesentlich rascher identifizieren. Das Analyseverfahren arbeitet mit hohem Probendurchsatz. So wurden mehr als 30.000 Materialproben für die Entwicklung neuartiger antimikrobieller Medizinprodukte untersucht. Lohn der erfolgreichen Bemühungen war u.a. ein Katheter, bei dessen Einsatz die Zahl der durch Krankenhauskeime verursachten lebensbedrohlichen Katheterinfektionen deutlich vermindert war.

Die Besiedlung von Materialoberflächen mit Mikroorganismen ist in Medizin und Technik oft unerwünscht und führt zu erheblichen Folgekosten. Gefährdet die Verkeimung doch die medizinische Sicherheit oder verkürzt die technische Lebensdauer eines davon betroffenen Produkts. Andererseits ist man bei vielen medizinischen Implantaten daran interessiert, eine hohe Gewebeverträglichkeit zu gewährleisten. So kann die Wahl des richtigen Materials eine raschere Wundheilung mit verbesserter Prognose z.B. bei Knochenbrüchen unterstützen. Solche innovativen Materialien tragen erheblich zur Kostenreduktion bei.

Wie die Forscher in der Septemberausgabe des renommierten Nature Medicine Journals1 berichten, kann das vielseitige Verfahren für Polymere, Metalle, Keramik oder Glas eingesetzt werden. Auch der Einfluss von nano- oder mikrostrukturierten Oberflächen auf die Biokompatibilität von Werkstoffen kann untersucht werden. Mit Unterstützung des Landes Bayern und der Friedrich Alexander Universität Erlangen-Nürnberg haben sich im Rahmen der FLÜGGE-Programms zwei der beteiligten Forscher, Dr. Thorsten Bechert und Dr. Peter Steinrücke, entschlossen, ihr Know-how in einer von ihnen gegründeten Firma zu verwerten. Die BioGate GmbH mit Sitz in Erlangen arbeitet eigenständig oder im Auftrag von Firmenkunden an der Entwicklung neuartiger Produkte mit für den Einsatz in Biologie und Technik optimierten Werkstoffoberflächen.

* Weitere Informationen:
Dr. Thorsten Bechert, Dr. Peter Steinrücke
Klinik für Kinder und Jugendliche
Loschgestrasse 15, 91054 Erlangen
Tel.: 09131-8536223 bzw. 0179-5308009
E-Mail: contact@bio-gate.de

Ute Missel | idw

Weitere Berichte zu: Biomaterial Katheterinfektion Mikroorganismus Wundheilung

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