Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Sanfte Operationstechnik für kranke Herzen

11.10.2000



... mehr zu:
»IOF »Katheter »Operationstechnik »Stent
Wo immer es möglich ist, greifen die Mediziner heute zu sanften Operationsmethoden. Wird beispielsweise die Gallenblase mit einer Bauchspiegelung minimal-invasiv entfernt, kann der Patient nach drei Tagen
die Klinik wieder verlassen. Früher musste er mindestens zehn Tage im Krankenhaus bleiben. Auch in der Herzmedizin könnten bald sanfte Verfahren Einzug halten: Wissenschaftler vom Fraunhofer-Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik IOF arbeiten zusammen mit dem Kardiologenteam um Prof. Hans-Reiner Figulla von der Universitätsklinik Jena an einer Operationstechnik, bei der die Aortenklappe minimal-invasiv über die Leistenschlagader eingesetzt wird. Zur Zeit erproben die Kardiologen an der Universitätsklinik Jena die neue Methode noch an einem Laboraufbau. Aber in wenigen Jahren könnte der Eingriff für alte und sehr schwache Herzpatienten, denen die lange und schwere Operation heute oft nicht mehr zugemutet werden kann, die Rettung sein.

Wie bisher verwenden die Mediziner eine gängige Bioprothese eine Schweineherzklappe. Diese wird mit hauchdünnem Nahtmaterial mit einer Gefäßstütze, dem Stent, vernäht. Um die etwa 28 Millimeter große Herzklappe in einem Katheter durch die Leistenschlagader durchführen zu können, muss diese mit dem Stent auf etwa acht Millimeter zusammen-gefaltet werden. Die komplizierte Struktur des Stents wurde im IOF zunächst am Rechner modelliert und in seiner Entfaltung simuliert. Im Ergebnis entstand ein ziehharmonikaähnliches Geflecht aus Spezialmetall, das sich, wenn es an der richtigen Stelle liegt, wie ein Regenschirm öffnet, die Schweineherzklappe aufspannt und sich in der Gefäßwand festkrallt. »Das Besondere an unserem Stent ist das Memory-Metall«, erklärt Dr. Volker Guyenot vom IOF. Memory-Metall lässt sich im gekühlten Zustand winzig klein zusammenfalten, ähnlich einem Textilgeflecht. Wird es wieder erwärmt, nimmt es binnen Sekunden seine richtige, vorher imprägnierte Form ein. »Die Ärzte führen zunächst einen Katheter in die Herzkammer und dehnen die defekte Herzklappe mit einem speziellen Ballon auf, um anschließend direkt die neue einsetzen zu können«, erklärt Dr. Markus Ferrari von der Universitätsklinik Jena die Operationstechnik. Durch eine Wechselschleuse werden Gefäßstütze und Implantat binnen weniger Minuten an Stelle der alten Klappe platziert.

Das Projekt war einer der Sieger im Innovationswettbewerb in der Medizintechnik INNOMEDT. Es wird deshalb in den nächsten drei Jahren zu 100 Prozent vom BMBF gefördert.

Ansprechpartner:
Dr. Volker Guyenot
Telefon: 0 36 41/8 07-2 01
Telefax: 0 36 41/8 07-6 04
E-Mail: guyenot@iof.fhg.de

Dr. Volker Guyenot |

Weitere Berichte zu: IOF Katheter Operationstechnik Stent

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Zwischen Erregung und Hemmung
06.12.2019 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Wenn der Rücken vom vielen Sitzen schmerzt
05.12.2019 | Technische Universität Chemnitz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das 136 Millionen Atom-Modell: Wissenschaftler simulieren Photosynthese

Die Umwandlung von Sonnenlicht in chemische Energie ist für das Leben unerlässlich. In einer der größten Simulationen eines Biosystems weltweit haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler diesen komplexen Prozess an einem Bestandteil eines Bakteriums nachgeahmt – am Computer, Atom um Atom. Die Arbeit, die jetzt in der renommierten Fachzeitschrift „Cell“ veröffentlicht wurde, ist ein wichtiger Schritt zum besseren Verständnis der Photosynthese in einigen biologischen Strukturen. An der internationalen Forschungskooperation unter Leitung der University of Illinois war auch ein Team der Jacobs University Bremen beteiligt.

Das Projekt geht zurück auf eine Initiative des inzwischen verstorbenen, deutsch-US-amerikanischen Physikprofessors Klaus Schulten von der University of...

Im Focus: Developing a digital twin

University of Texas and MIT researchers create virtual UAVs that can predict vehicle health, enable autonomous decision-making

In the not too distant future, we can expect to see our skies filled with unmanned aerial vehicles (UAVs) delivering packages, maybe even people, from location...

Im Focus: Freiformflächen bis zu 80 Prozent schneller schlichten: Neue Werkzeuge und Algorithmen für die Fräsbearbeitung

Beim Schlichtfräsen komplexer Freiformflächen können Kreissegment- oder Tonnenfräswerkzeuge jetzt ihre Vorteile gegenüber herkömmlichen Werkzeugen mit Kugelkopf besser ausspielen: Das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT aus Aachen entwickelte im Forschungsprojekt »FlexiMILL« gemeinsam mit vier Industriepartnern passende flexible Bearbeitungsstrategien und implementierte diese in eine CAM-Software. Auf diese Weise lassen sich große frei geformte Oberflächen nun bis zu 80 Prozent schneller bearbeiten.

Ziel im Projekt »FlexiMILL« war es, für die Bearbeitung mit Tonnenfräswerkzeugen nicht nur neue, verbesserte Werkzeuggeometrien zu entwickeln, sondern auch...

Im Focus: Bis zu 30 Prozent mehr Kapazität für Lithium-Ionen-Akkus

Durch Untersuchungen struktureller Veränderungen während der Synthese von Kathodenmaterialen für zukünftige Hochenergie-Lithium-Ionen-Akkus haben Forscherinnen und Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und kooperierender Einrichtungen neue und wesentliche Erkenntnisse über Degradationsmechanismen gewonnen. Diese könnten zur Entwicklung von Akkus mit deutlich erhöhter Kapazität beitragen, die etwa bei Elektrofahrzeugen eine größere Reichweite möglich machen. Über die Ergebnisse berichtet das Team in der Zeitschrift Nature Communications. (DOI 10.1038/s41467-019-13240-z)

Ein Durchbruch der Elektromobilität wird bislang unter anderem durch ungenügende Reichweiten der Fahrzeuge behindert. Helfen könnten Lithium-Ionen-Akkus mit...

Im Focus: Neue Klimadaten dank kompaktem Alexandritlaser

Höhere Atmosphärenschichten werden für Klimaforscher immer interessanter. Bereiche oberhalb von 40 km sind allerdings nur mit Höhenforschungsraketen direkt zugänglich. Ein LIDAR-System (Light Detection and Ranging) mit einem diodengepumpten Alexandritlaser schafft jetzt neue Möglichkeiten. Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Atmosphärenphysik (IAP) und des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT entwickeln ein System, das leicht zu transportieren ist und autark arbeitet. Damit kann in Zukunft ein LIDAR-Netzwerk kontinuierlich und weiträumig Daten aus der Atmosphäre liefern.

Der Klimawandel ist in diesen Tagen ein heißes Thema. Eine wichtige wissenschaftliche Grundlage zum Verständnis der Phänomene sind valide Modelle zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

QURATOR 2020 – weltweit erste Konferenz für Kuratierungstechnologien

04.12.2019 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Arbeit

03.12.2019 | Veranstaltungen

Intelligente Transportbehälter als Basis für neue Services der Intralogistik

03.12.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

RNA-Modifikation - Umbau unter Druck

06.12.2019 | Biowissenschaften Chemie

Verstopfung in Abwehrzellen löst Entzündung aus

06.12.2019 | Biowissenschaften Chemie

Der Versteppung vorbeugen

06.12.2019 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics