Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wiener Forscher erzielen Meilenstein in der Kortisonforschung

13.03.2002


AKH-Team deckt Wirkweise des Hormons weiter auf

Kortison nutzt existierende Mechanismen der Wachstumskontrolle und entfaltet seine entzündungshemmende Wirkung auf anderen Wegen als bisher angenommen. Das ist eines der Ergebnisse der Wissenschafter um Lutz-Henning Block, Leiter der Klinischen Abteilung für Pulmologie an der Uniklinik für Innere Medizin IV am AKH Wien. Die Erkenntnisse der Wissenschafter, die nicht nur in-vitro, sondern auch mit in-vivo Experimenten am Menschen belegt wurden, rücken die Beherrschbarkeit der unterschiedlichen, auch unerwünschten (Neben)Wirkungen von Kortison zum ersten Mal in greifbare Nähe, so Block heute, Mittwoch, vor Journalisten. Die Forschungsergebnisse wurden in medizinischen Grundlagenjournal, dem FASEB Journal (Vol. 16, p. 177 – 184, 2002), veröffentlicht.

"Mit Hilfe unserer Entdeckung sollte jetzt die Entwicklung einer neuen Generation von so genannten Soft Cortisons möglich sein", bringt Block die Bedeutung der Forschungsergebnisse auf den Punkt. "Ziel ist es, die Wirkung von Kortison spezifisch zu machen, das heißt seine antientzündliche Wirkung zu steigern und die unerwünschten Nebenwirkungen zu verringern."

Die Ergebnisse der Wissenschafter bauen auf der mit dem Nobelpreis 2001 ausgezeichneten Erkenntnis auf, dass Zellwachstum durch stimulierende und blockierende Gene ermöglicht wird. Block und sein Team fanden nun mit in-vitro und in-vivo Experimenten am Menschen heraus, dass ein wachstumshemmendes Gen, p21, von entscheidender Bedeutung für die Wirkung von Kortison ist. Die antientzündliche Wirkung von Kortison beruht, wie das Team um Block erkannte, einerseits auf einer Hemmung des Wachstums von Entzündungszellen durch Aktivierung des Gens p21, in dem Kortison eine Bindungsstelle hat, und das den Zellzyklus und damit das Zellwachstum unterdrückt. Andererseits blockiert Kortison die Bildung von Mediatoren, die in der Zelle für das Entstehen von Entzündungen verantwortlich sind.

"Kortison entfaltet seine Wirkung durch die Beeinflussung der Gen-Transkription", erläutert Rolf Ziesche von der Klinischen Abteilung für Pulmologie der Uni-Klinik für Innere Medizin IV. Dabei handelt es sich um einen Vorgang, bei dem die generelle genetische Information von der im Zellkern vorhandenen DNA auf RNA (Ribonukleinsäure) "umgeschrieben" wird und der die Synthese funktionsspezifischer Eiweißmoleküle bewirkt. Zur Erzielung seiner Wirkung muss Kortison in den Zellkern gelangen." Die Entdeckung, dass die Wirkung von Kortison über Vermittlung unterschiedlicher, bereits bestehender Transkriptionssysteme erfolgt, rückt die Beherrschbarkeit der unterschiedlichen, auch der unerwünschten, Kortison-Wirkungen zum ersten Mal in greifbare Nähe.

Kortison ist ein körpereigenes Hormon, das in den Nebennierenrinden gebildet wird und u.a. bestimmte Teile des Stoffwechsels regelt und Abläufe im Immunsystem steuert. Der Wirkstoff wurde in den vergangenen Jahren weiter entwickelt und es werden den daraus entwickelten Präparaten weniger Nebenwirkungen zugesprochen. Allerdings gab es in den letzten zehn Jahren mangels neuer chemischer Modifikationsmöglichkeiten einen Stillstand in der Kortisonforschung.

Sandra Standhartinger | pte.monitor
Weitere Informationen:
http://www.univie.ac.at/med-online/A52142
http://www.fasebj.org/content/vol16/issue2

Weitere Berichte zu: Gen Kortison Kortisonforschung Pulmologie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Studie mit bispezifischem Antikörper liefert beeindruckende Behandlungserfolge bei Multiplem Myelom
01.04.2020 | Universitätsklinikum Würzburg

nachricht Pool-Testen von SARS-CoV-2 Proben erhöht die Testkapazität weltweit um ein Vielfaches
31.03.2020 | Goethe-Universität Frankfurt am Main

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Breites Spektrum: Neuartiges Hybridmaterial erweist sich als effizienter Fotodetektor

Digitalkameras, aber auch viele andere elektronische Anwendungen benötigen lichtempfindliche Sensoren. Um den steigenden Bedarf an solchen optoelektronischen Bauteilen zu decken, sucht die Industrie nach neuen Halbleitermaterialien. Diese sollten nicht nur einen möglichst breiten Wellenlängenbereich erfassen, sondern auch preisgünstig sein. Ein in Dresden entwickeltes Hybridmaterial erfüllt beide Anforderungen. Himani Arora, Physik-Doktorandin am Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR), wies nach, dass sich eine metallorganische Verbindung als Breitband-Fotodetektor verwenden lässt. Da es keine teuren Rohstoffe enthält, kann es in großen Mengen preisgünstig produziert werden.

Metallorganische Gerüste (Metal-Organic Frameworks, MOFs) haben sich in den vergangenen zwanzig Jahren zu einem gefragten Materialsystem entwickelt. Die...

Im Focus: Broad spectrum: Novel hybrid material proves an efficient photodetector

Digital cameras as well as many other electronic devices need light-sensitive sensors. In order to cater for the increasing demand for optoelectronic components of this kind, industry is searching for new semiconductor materials. They are not only supposed to cover a broad range of wavelengths but should also be inexpensive.

A hybrid material, developed in Dresden, fulfils both these requirements. Himani Arora, a physics PhD student at Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR),...

Im Focus: Langlebigere Satelliten, weniger Weltraumschrott

Forschende der Universität Stuttgart nehmen innovatives induktives Plasmatriebwerk auf Helicon-Basis in Betrieb

Erdbeobachtungssatelliten für niedrige Flughöhen, kleiner, leichter und billiger als herkömmliche Modelle: Das sind die Ziele des EU- Projekts „DISCOVERER“, an...

Im Focus: X-ray vision through the water window

The development of the first high-repetition-rate laser source that produces coherent soft x-rays spanning the entire 'water window' heralds the beginning of a new generation of attosecond technology

The ability to generate light pulses of sub-femtosecond duration, first demonstrated some 20 years ago, has given rise to an entirely new field: attosecond...

Im Focus: Innovative Technologien für Satelliten

Er kommt ohne Verkabelung aus und seine tragende Struktur ist gleichzeitig ein Akku: An einem derart raffiniert gebauten Kleinsatelliten arbeiten Forschungsteams aus Braunschweig und Würzburg. Für 2023 ist das Testen des Kleinsatelliten im Orbit geplant.

Manche Satelliten sind nur wenig größer als eine Milchtüte. Dieser Bautypus soll jetzt eine weiter vereinfachte Architektur bekommen und dadurch noch leichter...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium AWK’21 findet am 10. und 11. Juni 2021 statt

06.04.2020 | Veranstaltungen

Interdisziplinärer Austausch zum Design elektrochemischer Reaktoren

03.04.2020 | Veranstaltungen

13. »AKL – International Laser Technology Congress«: 4.–6. Mai 2022 in Aachen – Lasertechnik Live bereits früher!

02.04.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Preisgekröntes Projektmanagement

09.04.2020 | Förderungen Preise

Breites Spektrum: Neuartiges Hybridmaterial erweist sich als effizienter Fotodetektor

09.04.2020 | Materialwissenschaften

Bayreuther Genetiker entdecken Regulationsmechanismus der Chromosomen-Vererbung

09.04.2020 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics