Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Daten von 14.500 Patienten ausgewertet: Kompetenzzentrum HIV/AIDS an der RUB stellt erste Ergebnisse vor

23.11.2006
Daten von 14.500 Patienten aus 50 Zentren ausgewertet
Patientenkohorte ermöglicht erstmals internationale Kooperationen
Kompetenzzentrum HIV/AIDS an der RUB mit ersten Ergebnissen

Von rund 14.500 mit HIV infizierten Patienten haben bundesweit Wissenschaftler seit Juni 2004 Daten gesammelt und zum Teil schon ausgewertet. Mit diesen 400 Daten pro Patient, die in 50 Zentren erhoben werden, können sie nun langfristig z.B. Infektionswege, die Wirkung von Medikamenten oder die Intensität der Infektion erkennen. Erste Ergebnisse aus diesem zweijährigen Datenregister, das vom Kompetenznetzwerk HIV/AIDS unter der Leitung von Prof. Dr. Norbert Brockmeyer koordiniert wird, wurden am 23.11.2007 im Vorfeld des 2. Deutsch-Japanischen HIV-Symposiums in Bochum vorgestellt. Mit diesem Register gewinnt Deutschland erstmals Anschluss an große internationale Kohortenstudien.

HIV-Infektionsrate um 13% gestiegen

Mit fast 40 Mio. Infizierten hat die weltweite Epidemie einen neuen Höchststand erreicht. Auch in Deutschland steigt die Infektionsrate weiter an, allein im Jahr 2005 ist sie um 13% gegenüber dem Vorjahr auf 2.500 Neudiagnosen gestiegen. Fast 50.000 Menschen sind in Deutschland derzeit HIV-positiv. Die Daten des neuen Patientenregisters zeigen, dass noch immer die Männer mit 84 Prozent die Hauptgruppe der Infizierten ausmachen. Das mittlere Alter aller Infizierten liegt bei 43 Jahren, die mittlere Erkrankungsdauer bei neun Jahren. 24 Prozent der Patienten haben eine AIDS-definierende Erkrankung, die bei 68 Prozent bei Männern und 64 Prozent bei Frauen antiretroviral therapiert wird. Nach wie vor ein Rätsel ist es für die Wissenschaftler, wieso bei etwa 100 von den rund 14.500 HIV-Infizierten die Krankheit nicht fortschreitet, obwohl diese so genannten Long-Term Non-Progressors nicht therapiert werden.

... mehr zu:
»HIV »HIV/AIDS »Immunsystem »Infektion »RUB

Gebündelte Internationale Kompetenz

Auf Basis dieser Patientenkohorte wurden zahlreiche Studien initiiert. Die Mitglieder im Kompetenznetz werten die Daten daraufhin aus, wie sich verschiedene Eigenschaften des Körpers, aber auch verschiedene Lebensweisen oder eine unterschiedliche medizinische Versorgung auf den Verlauf der Krankheit auswirken. Die große Untersuchungsmenge macht es möglich, solche Zusammenhänge besonders schnell zu erkennen. Mit der Patientenkohorte gewinnt Deutschland Anschluss an die internationale Forschung, sie ist das "Sprungbrett", um mit großen Patientenzahlen und qualifiziert ausgewerteten Datensätzen an europäischen (Euro Vac, HIV Connect, ENTA, ENVA, NEAT, COHERE) und internationalen (CHAVI, SMART) Studien teilzunehmen. Ein Vorteil des internationalen Anschluss zeigt die Zusammenarbeit in der SMART-Studie, an der die Kohorten des Kompetenznetzwerkes beteiligt waren: Dabei kam heraus, dass Patienten, die ihre Therapie zeitweise unterbrechen eher AIDS-begleitende Infektionen erleiden als Patienten, die durchgängig therapiert werden.

Deutschland und Japan entwickeln sich ähnlich

Dass die internationale Zusammenarbeit bei solch einer weltweiten Epidemie notwendig ist, wird auch auf dem Deutsch-Japanisches Symposium am 24. November in Bochum dokumentiert. In der Zusammenarbeit mit japanischen Forschern werden Parallelen in der Entwicklung der HIV-Infektionen offensichtlich, insbesondere weil eine Reihe von Ähnlichkeiten zwischen Japan und Deutschland auffallen. Die Zahl der Neuinfizierten steigt in beiden Ländern seit einigen Jahren wieder an, in Japan infizierten sich im letzten Jahr 832 Menschen mit HIV. Homosexuelle Männer machen den größten Anteil der neu Infizierten aus.

Natürliche Immunität: eigene Abwehrkräfte stärken

Statt die Patienten mit "chemischen Keulen" zu behandeln, versuchen Wissenschaftler unter der Leitung von Prof. Dr. Reinhold E. Schmidt (MH Hannover) neuerdings gezielt die körpereigene Abwehr der Patienten zu verbessern. HI-Viren befallen bestimmte Zellen des Immunsystems, die so genannten T-Helferzellen, und vermehren sich in ihnen. Die

T-Helferzellen können dann ihre Aufgaben nicht mehr erfüllen, andere Zellen des Immunsystems bei der Abwehr von Krankheitserregern zu steuern. Bei fortgeschrittener Abwehrschwäche kann es zu lebensbedrohlichen opportunistischen Infektionen, zu Allergien und zur Entwicklung verschiedener Krebsarten kommen. Von Möglichkeiten, das Immunsystem zu stärken, könnte neben der HIV-Forschung auch die Krebsforschung profitieren.

Die Deutsche Aids-Hilfe vertritt die Stimme der Patienten

Das HIV-Kompetenznetz bündelt die Forschung verschiedener Arbeitsgruppen, die sich mit Grundlagen und Behandlungsmöglichkeiten von HIV befassen. Dabei wird es unterstützt von der Deutschen Aids-Hilfe (DAH), die sich als Vermittlungsstelle zwischen Patienten und Wissenschaftlern versteht. So sorgt sie dafür, dass die Patientenrechte bei der Planung neuer Forschungsprojekte berücksichtigt werden und hat bei der Entwicklung des Datenschutzsystems des Kompetenznetzes mitgewirkt. Im Jahr 2004 hat die DAH einen Patientenbeirat innerhalb des Kompetenznetzes eingerichtet. Hier können die Betroffenen selbst Themen für neue Projekte vorschlagen, so dass die Forschung sich an den tatsächlichen Interessen/Bedürfnissen der Patienten orientiert.

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Norbert Brockmeyer, Sprecher des Kompetenznetzes HIV/AIDS; Klinik für Dermatologie und Allergologie im St. Josef-Hospital Bochum, Klinikum der Ruhr-Universität Bochum, Tel. 0234/509-3474, n.brockmeyer@derma.de

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.kompetenznetz-hiv.de

Weitere Berichte zu: HIV HIV/AIDS Immunsystem Infektion RUB

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Kokosöl verlängert Leben bei peroxisomalen Störungen
20.06.2018 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Überdosis Calcium
19.06.2018 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

Noch mehr Reichweite oder noch mehr Nutzlast - das wünschen sich Fluggesellschaften für ihre Flugzeuge. Wegen ihrer hohen spezifischen Steifigkeiten und Festigkeiten kommen daher zunehmend leichte Faser-Kunststoff-Verbunde zum Einsatz. Bei Rümpfen oder Tragflächen sind permanent Innovationen in diese Richtung zu beobachten. Um dieses Innovationsfeld auch für Flugzeugräder zu erschließen, hat das Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF jetzt ein neues EU-Forschungsvorhaben gestartet. Ziel ist die Entwicklung eines ersten CFK-Bugrads für einen Airbus A320. Dabei wollen die Forscher ein Leichtbaupotential von bis zu 40 Prozent aufzeigen.

Faser-Kunststoff-Verbunde sind in der Luftfahrt bei zahlreichen Bauteilen bereits das Material der Wahl. So liegt beim Airbus A380 der Anteil an...

Im Focus: IT-Sicherheit beim autonomen Fahren

FH St. Pölten entwickelt neue Methode für sicheren Informationsaustausch zwischen Fahrzeugen mittels Funkdaten

Neue technische Errungenschaften wie das Internet der Dinge oder die direkte drahtlose Kommunikation zwischen Objekten erhöhen den Bedarf an effizienter...

Im Focus: Innovative Handprothesensteuerung besteht Alltagstest

Selbstlernende Steuerung für Handprothesen entwickelt. Neues Verfahren lässt Patienten natürlichere Bewegungen gleichzeitig in zwei Achsen durchführen. Forscher der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) veröffentlichen Studie im Wissenschaftsmagazin „Science Robotics“ vom 20. Juni 2018.

Motorisierte Handprothesen sind mittlerweile Stand der Technik bei der Versorgung von Amputationen an der oberen Extremität. Bislang erlauben sie allerdings...

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Leben im Plastikzeitalter: Wie ist ein nachhaltiger Umgang mit Plastik möglich?

21.06.2018 | Veranstaltungen

Kongress BIO-raffiniert X – Neue Wege in der Nutzung biogener Rohstoffe?

21.06.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

22.06.2018 | Materialwissenschaften

Lernen und gleichzeitig Gutes tun? Baufritz macht‘s möglich!

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

GFOS und skip Institut entwickeln gemeinsam Prototyp für Augmented Reality App für die Produktion

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics