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Gewichtsreduktion durch Diät senkt den Blutdruck stärker als Abnehmen durch Medikamente

06.11.2006
Studien liefern keine Belege für positiven Einfluss auf Folgekomplikationen der essentiellen Hypertonie

Es gibt bislang keine Studien, die belegen, dass Patienten mit essentieller Hypertonie seltener eine für Bluthochdruck typische Folgeerkrankung erleiden, wenn sie ihr Körpergewicht verringern. Allerdings senkt Abnehmen den Blutdruck.

Wird das Körpergewicht alleine durch eine Diät abgebaut, ist die blutdrucksenkende Wirkung größer als bei einer durch Medikamente unterstützten Gewichtsreduktion. Aufgrund methodischer Mängel der meisten Studien ist die Aussage zur Effektivität der Diäten aber mit Unsicherheit behaftet. Zu diesem Ergebnis kommt der Abschlussbericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), den die Kölner Wissenschaftler am 6. November 2006 veröffentlicht haben.

Der Bericht ist Teil eines umfassenden Auftragspakets, den der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) dem IQWiG am 22. Februar 2005 erteilt hat. Das Institut soll medikamentöse und nichtmedikamentöse Behandlungsalternativen für Patienten bewerten, bei denen die Blutdruckwerte dauerhaft erhöht sind, ohne dass es dafür eine organische Ursache gibt. In dem jetzt vorgelegten Abschlussbericht haben die Kölner Wissenschaftler ausschließlich den Einfluss einer Gewichtsreduktion auf die essentielle Hypertonie untersucht. Dabei wurden neben Diäten und Operationen auch die Wirkungen von zwei Medikamenten untersucht, die zur Unterstützung einer Gewichtsreduktion bei Beginn des Projektes zugelassen waren. Arzneimittel, die gezielt den Blutdruck senken, werden in einem gesonderten Bericht bewertet.

Insgesamt 17 Studien in die Bewertung einbezogen

Die Zielgrößen der vorliegenden Untersuchung wurden aus der Perspektive von Patienten ausgewählt: Die IQWiG-Wissenschaftler wollten wissen, ob Menschen mit Bluthochdruck durch Abnehmen ihr Risiko zum Beispiel von Herzinfarkten und Schlaganfällen verringern können und ob sich ihre krankheitsbezogene Lebensqualität verbessert. Eine Blutdrucksenkung ist zwar ein Hinweis, dass sich die Risiken verringern könnten. Allerdings reduzieren nicht alle Methoden der Blutdrucksenkung auf gleiche Weise beispielsweise das Risiko für Herzschäden. Die Dauer und das Ausmaß der Blutdrucksenkung sowie andere Parameter der Blutdruckkontrolle sollten deshalb als Surrogatparameter herangezogen werden.

In die Bewertung einbezogen haben die Kölner Forscher nur solche Studien, bei denen die untersuchte Intervention das Körpergewicht verringern sollte. Die Studien mussten zudem eine Laufzeit von mindestens 24 Wochen aufweisen.

Insgesamt konnten die IQWiG-Mitarbeiter 17 Studien ausfindig machen, die sich auf die Fragestellung des Auftrags bezogen. Darunter waren sieben Studien, die gewichtsreduzierende Arzneimittel untersuchten. Die übrigen Studien widmeten sich verschiedenen nichtmedikamentösen Verfahren wie Diäten. Zu operativen, den Magen verkleinernden Maßnahmen wie "Magenband" oder "Magenballon" fanden sich keine entsprechenden Untersuchungen. Von den identifizierten Studien waren viele methodisch mangelhaft, was ihre Aussagekraft zum Teil stark einschränkt. Dies gilt insbesondere für die Studien zu Diäten.

Blutdrucksenkende Wirkung von Sibutramin nicht belegt

Wie die Auswertung der IQWiG-Mitarbeiter ergab, lässt keine der im Bericht berücksichtigten Studien Aussagen über patientenrelevante Endpunkte und damit über den langfristigen Nutzen einer Gewichtsreduktion bei essentieller Hypertonie zu. So sagen sie beispielsweise nichts über die Verringerung des Risikos für Folgeerkrankungen aus.

Diäten können bei einer Behandlungsdauer von bis zu einem Jahr das Körpergewicht vermindern und den Blutdruck senken (systolisch um ca. 3 bis 10 mm Hg, diastolisch um ca. 1 bis 6 mm Hg).

Die Wirkstoffe Orlistat (Handelsname: Xenical) und Sibutramin (Handelsname: Reductil) können bei hypertensiven Patienten das Gewicht verringern. Im Vergleich zu Placebo führten sie in allen Studien zu einer statistisch signifikant stärkeren Gewichtsabnahme. Eine blutdrucksenkende Wirkung ist jedoch nur für Orlistat belegt (systolisch ca. 0 bis 4 mm Hg, diastolisch ca. 1 bis 3 mm Hg). Für Sibutramin fehlt ein entsprechender Nachweis. Sibutramin kann in höherer, in Deutschland nicht zugelassener Dosierung, den Blutdruck erhöhen. Unerwünschte Nebenwirkungen traten sowohl bei Orlistat als auch bei Sibutramin auf. Der unter dem Handelsnamen Accomplia vertriebene Wirkstoff Rimonabant wurde vom IQWiG nicht bewertet, weil er zum Zeitpunkt der Auftragsvergabe in Deutschland noch nicht zugelassen war.

Der Bericht macht keinerlei Aussagen zu anderen möglichen Auswirkungen des Abnehmens, beispielsweise auf die Prävention von Stoffwechselkrankheiten oder für andere Patientengruppen. Auch die Frage, wie wirksam Abnehmen in Kombination mit anderen Maßnahmen gegen erhöhten Blutdruck ist, wird in diesem Bericht nicht untersucht. Sie ist Gegenstand eines eigenen Projekts.

Dr. Anna-Sabine Ernst | idw
Weitere Informationen:
http://www.iqwig.de

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