Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit Elektroden im Gehirn gegen Cluster-Kopfschmerz - Hoffnung für therapieresistente Patienten

18.09.2006
Patienten mit dem sehr schmerzhaften so genannten Cluster-Kopfschmerz kann eine "Tiefenhirnstimulation" helfen: Fest implantierte Elektroden reizen bestimmte Bereiche im Gehirn und lindern dadurch den Schmerz.

Bei etwa 75 Prozent der Behandelten bessern sich die Beschwerden dadurch deutlich. Risiken und Nutzen der Therapie diskutieren Experten im Rahmen der 79. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN), die vom 20. bis 22. September 2006 in Mannheim stattfindet.

Der Cluster-Kopfschmerz gilt als die schwerste Form des Kopfschmerzes. Schätzungsweise einer von hundert bis einer von tausend Menschen sind betroffen. Heftige Schmerzattacken im Kopf- und Gesichtsbereich überrollen die Betroffenen regelrecht, mitunter bis zu achtmal täglich. Die Schmerzen treten ausschließlich auf einer Seite des Kopfes auf und halten wenige Minuten bis mehrere Stunden an. Betroffen ist vor allem der Bereich um das Auge, es rötet sich und beginnt zu tränen. Oft verstopft oder "läuft" auch die Nase. Eine aktive Kopfschmerzphase dauert meist vier bis zwölf Wochen. Bei einigen Patienten können dann Monate oder Jahre vergehen, ohne dass ein erneuter Anfall auftritt. Bei anderen liegen höchstens einige Wochen zwischen den einzelnen Phasen.

Es gibt Medikamente zur Behandlung und Vorbeugung der Cluster-Attacken. "Die Tiefenhirnstimulation kommt deshalb nur für Patienten in Betracht, bei denen die herkömmliche Behandlung nicht oder nicht mehr anschlägt", sagt Professor Dr. med. Guido Nikkhah, Funktioneller Neurochirurg am Neurozentrum des Universitätsklinikums Freiburg. Für diese "therapieresistenten" Patienten ist der Eingriff mitunter eine letzte Hoffnung, dem Schmerz zu entkommen.

Die Operateure pflanzen die Elektroden in den Hypothalamus ein - ein zentrales Steuerungszentrum des Gehirns. Denn neueren Untersuchungen zufolge scheint der Cluster-Kopfschmerz dort seinen Ursprung zu haben. Entsprechend den Signalen, die sie von außen erhalten, lassen die Elektroden dort entsprechende Ströme fließen. Wie die Tiefenhirnstimulation wirkt, ist nicht genau bekannt. "Bildgebende Untersuchungsverfahren haben gezeigt, dass die Stimulation ein ganzes Netzwerk an Aktivierungen und Deaktivierungen zur Folge hat", erläutert Guido Nikkhah. "Um die Zusammenhänge genau zu verstehen, ist aber noch viel Forschungsarbeit notwendig."

Einige Patienten benötigen zusätzlich weiterhin Medikamente, allerdings in sehr viel geringeren Dosen als zuvor. Ein weiterer Vorteil des Verfahrens: Im Gegensatz zu älteren Methoden - früher zerstörte man die betroffenen Bereiche im Gehirn teilweise - ist es umkehrbar. Bleibt der erwünschte Erfolg der Behandlung aus, kann der Arzt die Elektroden wieder entfernen. Professor Nikkhah wird seine Erfahrungen mit der neuen Behandlungsmethode auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie im September in Mannheim vorstellen.

| idw
Weitere Informationen:
http://awmf.org
http://www.dgn2006.de

Weitere Berichte zu: Cluster-Kopfschmerz Elektrode Tiefenhirnstimulation

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Narkolepsie: Wissenschaftler entlarven den Übeltäter der rätselhaften Schlafkrankheit
20.09.2018 | Universitätsspital Bern

nachricht Virotherapie bei Bauchfellkrebs erfolgreich getestet - Neue biologische Krebstherapie
18.09.2018 | Universitätsklinikum Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie Magnetismus entsteht: Elektronen stärker verbunden als gedacht

Wieso sind manche Metalle magnetisch? Diese einfache Frage ist wissenschaftlich gar nicht so leicht fundiert zu beantworten. Das zeigt eine aktuelle Arbeit von Wissenschaftlern des Forschungszentrums Jülich und der Universität Halle. Den Forschern ist es zum ersten Mal gelungen, in einem magnetischen Material, in diesem Fall Kobalt, die Wechselwirkung zwischen einzelnen Elektronen sichtbar zu machen, die letztlich zur Ausbildung der magnetischen Eigenschaften führt. Damit sind erstmals genaue Einblicke in den elektronischen Ursprung des Magnetismus möglich, die vorher nur auf theoretischem Weg zugänglich waren.

Für ihre Untersuchung nutzten die Forscher ein spezielles Elektronenmikroskop, das das Forschungszentrum Jülich am Elettra-Speicherring im italienischen Triest...

Im Focus: Erstmals gemessen: Wie lange dauert ein Quantensprung?

Mit Hilfe ausgeklügelter Experimente und Berechnungen der TU Wien ist es erstmals gelungen, die Dauer des berühmten photoelektrischen Effekts zu messen.

Es war eines der entscheidenden Experimente für die Quantenphysik: Wenn Licht auf bestimmte Materialien fällt, werden Elektronen aus der Oberfläche...

Im Focus: Scientists present new observations to understand the phase transition in quantum chromodynamics

The building blocks of matter in our universe were formed in the first 10 microseconds of its existence, according to the currently accepted scientific picture. After the Big Bang about 13.7 billion years ago, matter consisted mainly of quarks and gluons, two types of elementary particles whose interactions are governed by quantum chromodynamics (QCD), the theory of strong interaction. In the early universe, these particles moved (nearly) freely in a quark-gluon plasma.

This is a joint press release of University Muenster and Heidelberg as well as the GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt.

Then, in a phase transition, they combined and formed hadrons, among them the building blocks of atomic nuclei, protons and neutrons. In the current issue of...

Im Focus: Der Truck der Zukunft

Lastkraftwagen (Lkw) sind für den Gütertransport auch in den kommenden Jahrzehnten unverzichtbar. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der Technischen Universität München (TUM) und ihre Partner haben ein Konzept für den Truck der Zukunft erarbeitet. Dazu zählen die europaweite Zulassung für Lang-Lkw, der Diesel-Hybrid-Antrieb und eine multifunktionale Fahrerkabine.

Laut der Prognose des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur wird der Lkw-Güterverkehr bis 2030 im Vergleich zu 2010 um 39 Prozent steigen....

Im Focus: Extrem klein und schnell: Laser zündet heißes Plasma

Feuert man Lichtpulse aus einer extrem starken Laseranlage auf Materialproben, reißt das elektrische Feld des Lichts die Elektronen von den Atomkernen ab. Für Sekundenbruchteile entsteht ein Plasma. Dabei koppeln die Elektronen mit dem Laserlicht und erreichen beinahe Lichtgeschwindigkeit. Beim Herausfliegen aus der Materialprobe ziehen sie die Atomrümpfe (Ionen) hinter sich her. Um diesen komplexen Beschleunigungsprozess experimentell untersuchen zu können, haben Forscher aus dem Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) eine neuartige Diagnostik für innovative laserbasierte Teilchenbeschleuniger entwickelt. Ihre Ergebnisse erscheinen jetzt in der Fachzeitschrift „Physical Review X“.

„Unser Ziel ist ein ultrakompakter Beschleuniger für die Ionentherapie, also die Krebsbestrahlung mit geladenen Teilchen“, so der Physiker Dr. Thomas Kluge vom...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

4. BF21-Jahrestagung „Car Data – Telematik – Mobilität – Fahrerassistenzsysteme – Autonomes Fahren – eCall – Connected Car“

21.09.2018 | Veranstaltungen

Forum Additive Fertigung: So gelingt der Einstieg in den 3D-Druck

21.09.2018 | Veranstaltungen

12. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

20.09.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Tiefseebergbau: Forschung zu Risiken und ökologischen Folgen geht weiter

21.09.2018 | Geowissenschaften

4. BF21-Jahrestagung „Car Data – Telematik – Mobilität – Fahrerassistenzsysteme – Autonomes Fahren – eCall – Connected Car“

21.09.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Optimierungspotenziale bei Kaminöfen

21.09.2018 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics