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27.11.2001


Brustkrebs: Neue Entwicklungen in Diagnostik und Therapie

Mit mehr als 46.000 Neuerkrankungen pro Jahr in Deutschland ist Brustkrebs der häufigste bösartige Tumor bei der Frau. Neue diagnostische und therapeutische Verfahren sollen den Tumor immer früher erkennbar und besser behandelbar machen. Auf der Ärztetagung "Das Mammakarzinom" am 24. November 2001 in der Dr. Mildred Scheel Akademie in Köln stellten renommierte Brustkrebs-Experten neueste Erkenntnisse vor. Gut 100 niedergelassene Ärzte und Kliniker informierten sich über erbliche Brustkrebs-Erkrankungen, bildgebende Verfahren, therapeutische Strategien und die psychische Situation der Betroffenen. Mit konkreten Handlungsempfehlungen kehrten die Ärzte in ihren Berufsalltag zurück.

Eines war nach der Ärztetagung "Das Mammakarzinom - Neue Entwicklungen in Behandlung und Strategie" unter der Leitung von Professor Dr. Walter Jonat und Professor Dr. Jacobus Pfisterer von der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe in Kiel klar: Nur ein erfahrener Arzt kann - technisch einwandfreie bildgebende Verfahren vorausgesetzt - Brustkrebs eindeutig diagnostizieren. Professor Dr. Ingrid Schreer aus Kiel referierte über die Möglichkeiten und Grenzen der bildgebenden Verfahren: "Durchleuchtet man die Brust mit Röntgenstrahlen (Mammographie), werden 85 bis 98 Prozent der Geschwülste entdeckt. Ergänzende Verfahren, wie die Untersuchung mit Ultraschall (Sonographie) oder die Entnahme von Gewebeproben (Stanz- oder Vakuumbiopsie), müssen folgen, um bösartige von gutartigen Veränderungen unterscheiden zu können." Die gute Abklärung der Befunde im Vorfeld einer Operation schließt böse Überraschungen aus: "Dass eine Frau bei uns nichts ahnend in eine Operation geht und uninformiert ohne Brust wieder aufwacht, gibt es nicht mehr", so Professor Jonat.

Erfreulich war es zu hören, dass in den vergangenen 25 Jahren 25 bis 30 Prozent weniger Brustkrebs-Patientinnen an der Krankheit verstorben sind. Je nach Krankheitssituation gibt es unterschiedliche Behandlungsstrategien: Wird brusterhaltend operiert, ist eine anschließende Bestrahlung unbedingt erforderlich. Außerdem können eine Chemotherapie und eine Behandlung mit Antihormonen folgen. Falls eine komplette Entfernung der Brust unumgänglich ist, können ebenfalls begleitende Therapien notwendig werden. Ausschlaggebend für die Wahl der richtigen Strategie sind neben dem Krankheitsstadium auch das Alter der Patientin und die Frage nach der Familienplanung.

Auf der Ärztetagung gaben Professor Pfisterer, Professor Dr. Bernd Gerber aus Rostock und Privatdozent Dr. Hans-Joachim Lück aus Hannover den Zuhörern konkrete Therapieempfehlungen: Bei einer Vorstufe zum Brustkrebs, dem duktalen Carcinoma in situ (DCIS), ist es nach Angabe der Experten wichtig, den Knoten weiträumig operativ zu entfernen und dann zu bestrahlen. "Ob die Behandlung mit Antihormonen die Therapieerfolge verbessert, ist noch fraglich", so Pfisterer. Sind dagegen schon Tochtergeschwülste in den Lymphknoten nachweisbar, muss nach einer Operation auch chemotherapeutisch behandelt werden. Die Gabe von Antihormonen steht ebenfalls außer Frage, wenn bei den Frauen das Eiweiß nachgewiesen werden kann, über welches das Hormon seine Wirkung entfaltet. Doch schon bei der Wahl der Chemotherapie fangen die Probleme an: "Keiner von uns weiß, welches Zytostatikum in dieser Situation das Richtige ist", sagte Jonat. Wenn sich bereits in anderen Organen Tochtergeschwülste gebildet haben, wird die Situation noch schwieriger. Die Frage, ob es wirksamer ist, mehrere unterschiedliche Zytostatika auf einmal oder nacheinander zu verabreichen, ist noch nicht genau geklärt. Deshalb muss man sich bei der Wahl des Therapieschemas hauptsächlich nach den Nebenwirkungen richten.

Die Psychoonkologin Dr. Carmen Kollenbaum aus Kiel gab den Ärzten konkrete Tipps für den Umgang mit ihren Patientinnen: "Akzeptieren Sie, dass die Frauen Angst haben. Versuchen Sie, Gefühle wahrzunehmen und auf sie einzugehen." 30 bis 50 Prozent der Brustkrebspatientinnen leiden unter Depressionen und Anpassungsstörungen. Sie sollten psychoonkologisch betreut werden. Gute Informationen, die Einbeziehung von Angehörigen, die aktive Auseinandersetzung mit der Behandlung und Entspannungsübungen können in dieser körperlichen wie psychischen Krisensituation helfen. Auch das Wissen um ein erblich erhöhtes Brustkrebs-Risiko bringt eine große Belastung mit sich: Fünf bis zehn Prozent der 46.000 Brustkrebs-Erkrankungen in Deutschland sind familiär bedingt. Etwa 80 bis 85 Prozent der erblich vorbelasteten Frauen erkranken. Doch welche Frauen sollen genetisch untersucht werden? Professor Dr. Marion Kiechle von der Frauenklinik des Klinikums rechts der Isar in München: "Es macht keinen Sinn, jede Frau zu testen. Sind jedoch beispielsweise zwei Fälle von Brust- oder Eierstockkrebs in der Familie bekannt, wobei einer der Tumoren vor dem 50. Lebensjahr diagnostiziert wurde, dann ist ein Gentest angebracht."

Dr. med. Eva M. Kalbheim-Gapp | idw
Weitere Informationen:
http://www.krebshilfe.de/

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