Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Korrektur von Herzfehler ohne Operation: Erstmaliger Eingriff bei einem Erwachsenen mittels Katheter

10.01.2006


Ein Loch in der Kammerscheidewand ist mit etwa 25 Prozent der am häufigsten vorkommende angeborene Herzfehler und führt unter anderem zu Linksherzschwäche und Atemnot. Bislang konnte dieser so genannte Ventrikelseptumdefekt im Jugendlichen- und Erwachsenenalter meist nur durch eine Operation am offenen Herzen behandelt werden. Doch jetzt haben Ärzte an der Medizinischen Klinik II des Universitätsklinikums Bonn erstmals in der Region einen solchen Herzfehler bei einem Erwachsenen katheterunterstützt mit einem Doppelschirm verschlossen.



Heutzutage wird ein Ventrikelseptumdefekt häufig bereits im Säuglingsalter festgestellt. Hierbei besteht zwischen den beiden Herzkammern fälschlicherweise eine Verbindung. Das Herz kann das Blut nicht in ausreichender Menge durch Lunge und Körper pumpen. Dieses geht mit einer deutlichen Schwäche und fehlender Belastbarkeit des Herzens einher. Doch ein solcher Defekt kann wie bei Bernhard T. unentdeckt bleiben und im Erwachsenenalter zu ernsthaften Herzerkrankungen bis hin zu einer schweren Linksherzschwäche führen: "Früher wurde mir gesagt, ich wäre zu schnell groß geworden und mein Herz sei nicht mit gewachsen." Der heute siebzigjährige Bauunternehmer konnte als Kind nicht richtig Sport treiben und hatte später oft Luftprobleme bei seiner schweren körperlichen Arbeit.



Meist muss das angeborene Loch in der Herzscheidewand durch eine Operation am offenen Herzen geschlossen werden. "Dies trifft bisher insbesondere auf Patienten zu, die erst im Erwachsenenalter mit einem solchen Herzfehler auffällig werden", sagt Professor Dr. Georg Nickenig, Direktor der Medizinischen Klinik II am Universitätsklinikum Bonn - deutschlandweit eines der wenigen Zentren, das auch komplizierte Herzfehler mittels eines Eingriffs im Herzkatheterlabor behandeln kann. Denn der Verschluss des Ventrikelseptumdefekts mit einem Doppelschirm, der über einen Katheter von der Leiste her im Herzen platziert wird, ist technisch schwierig. Liegt das Loch beispielsweise zu nah an der Aortenklappe, kann sich das Schirmchen in der Klappe verhaken.

Eingriff im Katheterlabor dauerte nur anderthalb Stunden

Doch bringt dieser Eingriff, der langjährige Erfahrung im Umgang mit herzkranken Patienten erfordert, erhebliche Vorteile für den Patienten. So kann unter anderem auf die Herz-Lungen-Maschine verzichtet werden, die bei einer Operation die Arbeit des ruhiggestellten Herzens übernimmt. Denn ihr Einsatz belastet ältere Patienten mit sehr schlechtem Allgemeinzustand und kann unter Umständen zum Tode führen. Bei Bernhard T. gelang es Professor Nickenig und Privatdozent Dr. Johannes Breuer, Direktor der Kinderkardiologie am Universitätsklinikum Bonn, innerhalb von anderthalb Stunden das Loch in der Herzscheidewand zu schließen. Den minimal-invasiven Eingriff erlebte der Patient ohne Vollnarkose und bei vollem Bewusstsein mit. "Durch den Verschluss des Defektes wird die Leistung des Herzens gesteigert, so dass sich der Zustand unseres Patienten verbessern wird", sagt Professor Nickenig.

Bereits sechs Stunden nach diesem schonenden Eingriff konnte Bernhard T. aufstehen und eine Woche später seinen Geburtstag zu Hause mit Familie und Freunden feiern. "Mir geht es deutlich besser und wenn es so bleibt, bin ich sehr zufrieden. Die Bonner Ärzte haben mich gut beraten; ich konnte mich voll auf sie verlassen."

Kontakt für die Medien:
Professor Dr. Georg Nickenig
Direktor der Medizinischen Klinik II des Universitätsklinikums Bonn
Telefon: 0228/287-5217
E-Mail: georg.nickenig@ukb.uni-bonn.de

Dr. Inka Väth | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de/

Weitere Berichte zu: Herzfehler Katheter Ventrikelseptumdefekt

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Verminderte Hirnleistung bei schwachem Herz
18.07.2018 | Universitätsklinikum Würzburg

nachricht Antikörper verringern Nebenwirkungen von Antibiotika in der Lunge
18.07.2018 | Charité – Universitätsmedizin Berlin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vernetzte Beleuchtung: Weg mit dem blinden Fleck

18.07.2018 | Energie und Elektrotechnik

BIAS erhält Bremens größten 3D-Drucker für metallische Luffahrtkomponenten

18.07.2018 | Verfahrenstechnologie

Verminderte Hirnleistung bei schwachem Herz

18.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics