Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Selbstschutz vor Rückfall in Depression

04.01.2006


DFG fördert unter Jenaer Koordination neue Multizenter-Studie zur Therapie von Depressionen



Ohnmachtsgefühle angesichts riesiger Aktenberge auf dem Schreibtisch, nervender Auseinandersetzungen mit dem pubertierenden Nachwuchs oder drohender Beziehungskrisen kennt wohl jeder. Wenn jedoch Selbstzweifel und Versagensängste den Menschen lähmen, wenn ständige Grübelei im Kopf keinen Platz mehr für positive Gedanken lässt, dann ist die Grenze zur Depression oft überschritten. "Depression ist heute die häufigste psychische Störung", sagt Prof. Dr. Ulrich Stangier von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. "Alleine fünf bis acht Prozent der Deutschen im Alter zwischen 18 und 65 Jahren, das sind mehr als drei Millionen Menschen, zeigen behandlungsbedürftige depressive Symptome", so der Experte für Klinisch-psychologische Intervention am Institut für Psychologie. "Wir gehen davon aus, dass etwa 15 Prozent der Menschen mindestens einmal im Leben an einer depressiven Störung leiden", ergänzt er. Die Dimension der "Volkskrankheit Depression" wird noch deutlicher, berücksichtigt man die hohe Rückfallquote. "Acht von zehn Patienten erleiden mehrfach depressive Episoden. Selbst bei prophylaktischer Einnahme von antidepressiven Medikamenten sind es noch etwa 40 Prozent", so der Jenaer Psychologe.

... mehr zu:
»Depression »Psychologie


Diese Zahl um die Hälfte zu senken, ist in einem neuen Forschungsvorhaben gemeinsames Ziel von Psychologen und Ärzten aus fünf deutschen Universitäten und Kliniken. "Wir wollen mit einer verbesserten Behandlung, die auf die Kombination von antidepressiven Medikamenten und Psychotherapie setzt, das Rückfallrisiko deutlich senken", erklärt Prof. Stangier als Hauptprojektleiter. Rund 710.000 Euro hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) der Arbeitsgruppe für die Studie, die im März starten soll, zugesagt.

Zwar ist die Wirksamkeit von Antidepressiva durch wissenschaftliche Studien gut belegt. "Wir wollen überprüfen, ob sich mit einer kognitiven Therapie langfristig noch bessere Erfolge erzielen lassen", sagt Stangier. Um das nachzuweisen, arbeiten Wissenschaftler der Friedrich-Schiller-Universität mit Kollegen in Tübingen, Frankfurt/Main, Oberursel und Mainz sowie 15 Kliniken in Thüringen und Hessen zusammen. "In unsere multizentrische Studie werden insgesamt 170 Patienten einbezogen", sagt Stangier. Speziell trainierte Therapeuten werden mit den Patienten, die in den Kliniken ambulant behandelt werden, über mindestens acht Monate arbeiten.

"Unsere Therapie setzt bei den Problemverarbeitungsmustern der Patienten an und ist auf die Aktivierung und Stärkung eigener, bereits vorhandener Fähigkeiten und Ressourcen gerichtet. Sie sollen lernen, sich von negativen Gedanken zu lösen, eigene Stärken und Erfolge besser zu erkennen und ein positives Selbstwertgefühl zu entwickeln", erklärt der Psychologe von der Universität Jena. Gespräche mit dem Therapeuten stünden neben Übungen zur Meditation, Rollenspielen und Belastungstests. Alles sei darauf gerichtet, dem Betroffenen praktische Hilfestellung für den Lebensalltag zu geben, seine Eigenschutzfaktoren zu stärken und ihn weniger anfällig für Rückfälle in die Depression zu machen. "Das ist nicht nur für den einzelnen Menschen bedeutungsvoll, sondern auch für die Gesellschaft relevant", sagt Stangier. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) registriere eine Zunahme von depressiven Störungen, die immer häufiger Ursache für Arbeitsunfähigkeit und Frühverrentung sind. "Geht die Entwicklung so wie bisher weiter, verursacht die Depression im Jahr 2030 mehr negative Folgen und Kosten für die Gesellschaft als Tumorerkrankungen".

Kontakt:
Prof. Dr. Ulrich Stagnier
Institut für Psychologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Humboldtstr. 11, 07743 Jena
Tel. 03641 / 945174, Fax: 03641 / 945172
E-Mail: Ulrich.Stangier[at]uni-jena.de

Axel Burchardt | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de/

Weitere Berichte zu: Depression Psychologie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Differenzierte Bildgebung für bessere Diagnosen bei Brustkrebs
21.01.2020 | Universität Zürich

nachricht Gendefekt bei Zellbaustein Aktin sorgt für massive Entwicklungsstörungen
20.01.2020 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ein ultraschnelles Mikroskop für die Quantenwelt

Was in winzigen elektronischen Bauteilen oder in Molekülen geschieht, lässt sich nun auf einige 100 Attosekunden und ein Atom genau filmen

Wie Bauteile für künftige Computer arbeiten, lässt sich jetzt gewissermaßen in HD-Qualität filmen. Manish Garg und Klaus Kern, die am Max-Planck-Institut für...

Im Focus: Integrierte Mikrochips für elektronische Haut

Forscher aus Dresden und Osaka präsentieren das erste vollintegrierte Bauelement aus Magnetsensoren und organischer Elektronik und schaffen eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung von elektronischer Haut.

Die menschliche Haut ist faszinierend und hat viele Funktionen. Eine davon ist der Tastsinn, bei dem vielfältige Informationen aus der Umgebung verarbeitet...

Im Focus: Dresdner Forscher entdecken Mechanismus bei aggressivem Krebs

Enzym blockiert Wächterfunktion gegen unkontrollierte Zellteilung

Wissenschaftler des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden im Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen Dresden (NCT/UCC) haben gemeinsam mit einem...

Im Focus: Integrate Micro Chips for electronic Skin

Researchers from Dresden and Osaka present the first fully integrated flexible electronics made of magnetic sensors and organic circuits which opens the path towards the development of electronic skin.

Human skin is a fascinating and multifunctional organ with unique properties originating from its flexible and compliant nature. It allows for interfacing with...

Im Focus: Dresden researchers discover resistance mechanism in aggressive cancer

Protease blocks guardian function against uncontrolled cell division

Researchers of the Carl Gustav Carus University Hospital Dresden at the National Center for Tumor Diseases Dresden (NCT/UCC), together with an international...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

HDT-Tagung: Sensortechnologien im Automobil

24.01.2020 | Veranstaltungen

Tagung befasst sich mit der Zukunft der Mobilität

22.01.2020 | Veranstaltungen

ENERGIE – Wende. Wandel. Wissen.

22.01.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Minutiöse Einblicke in das zelluläre Geschehen

24.01.2020 | Biowissenschaften Chemie

HDT-Tagung: Sensortechnologien im Automobil

24.01.2020 | Veranstaltungsnachrichten

Ein ultraschnelles Mikroskop für die Quantenwelt

24.01.2020 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics