Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gen-Chips sortieren Tumortypen

30.12.2005


Heidelberger Wissenschaftler charakterisieren Untergruppen von Leberkrebs und arbeiten an einer zielgerichteten Behandlung / Preisgekrönte Arbeiten im Institut für Pathologie / Aktuelle Publikation


So genannte cDNA-Microarrays (Gen-Chips)zeigen die Aktivität spezifischer Gene in Lebertumoren. Foto: Pathologisches Institut Heidelberg



Wissenschaftlern des Pathologischen Instituts am Universitätsklinikum Heidelberg unter Leitung von Professor Dr. Peter Schirmacher ist es gelungen, die Bedeutung bestimmter Gene zu entschlüsseln, die das Wachstum und das Übergreifen von bösartigen Lebertumoren auf gesundes Gewebe steuern. Damit können diese Tumoren nun genauer charakterisiert werden und in Zukunft möglicherweise auch zielgerichteter behandelt werden.

... mehr zu:
»AGO »DGP »GASL »Gen »Gen-Chip »Interferon »Lebertumor »Pathologie


Für ihre erfolgreichen Arbeiten wurden die Heidelberger Wissenschaftler in diesem Jahr mehrfach ausgezeichnet, u. a. von der Arbeitsgemeinschaft Gastroenterologische Onkologie (AGO), der Deutschen Gesellschaft zum Studium der Leber (GASL) sowie der Deutschen Gesellschaft für Pathologie (DGP). In einer gerade publizierten Arbeit im "International Journal of Cancer" befassen sie sich zudem mit Aktivitäten von Genen in Lebermetastasen.

Leberkrebs entsteht häufig aus einer Leberzirrhose; dabei wird das Lebergewebe allmählich durch wucherndes Bindegewebe ersetzt. Dies kann Folge einer chronischen Infektion mit dem Hepatitis-B- oder C-Virus sein. Bösartige Lebertumoren sind aggressiv, die bisherigen Behandlungsmöglichkeiten dagegen nur begrenzt.

Lebertumor ist jedoch nicht gleich Lebertumor: Bösartige Tumoren unterscheiden sich in der Aktivität von Genen, die ungebremstes Wachstum auslösen. Diese Gene sind deshalb wichtige Ansatzpunkte für neue, zielgerichtete Therapien, die das Wachstum des Tumors stoppen sollen.

Hemmstoff verhindert Tumorwachstum in der Maus

Mit der Hilfe so genannter cDNA-Microarrays, auch als Gen-Chips bekannt, haben die Heidelberger Wissenschaftler die Genaktivitäten in Lebertumoren näher charakterisiert und die Tumoren weiter unterteilt. Eine Gruppe von Tumoren zeichnet sich durch eine hohe Aktivität so genannter Interferon (INF)-regulierter Gene aus (Interferon ist ein zentraler Botenstoff des Immunsystems). Eine weitere Gruppe ist durch eine hohe Konzentration des Insulin-like-Growth Factor-II (ein sog. Wachstumsfaktor) gekennzeichnet.

"Wir konnten zeigen, dass eine Subtypisierung von Lebertumoren aufgrund der speziellen Aktivität von IGF-II und IFN-regulierter Gene möglich ist", erklärt Professor Schirmacher. "Die Chip-Analysen helfen uns auch, besser zu verstehen, wie die Tumorzellen, z.B. bei Metastasen, in das Lebergewebe einwachsen."

In einem weiteren Ansatz untersuchten die Forscher das Enzym Cyclooxygenase-2, das in Tumoren der Leber verstärkt hergestellt wird. An Mäusen mit transplantierten Leberkrebszellen konnten sie erstmals in einem "lebenden System" nachweisen, dass durch einen Hemmstoff, der die Cyclooxygenase-2 ausschaltet, das Tumorwachstum gehemmt wird.

Die Genaktivität bestimmt die Therapie

"Dass diese Gene bei Lebertumoren bzw. bei Lebermetastasen so unterschiedlich aktiv sind, bietet eine viel versprechende Grundlage für neue diagnostische und therapeutische Maßnahmen", erläutert Professor Schirmacher. Denn wenn sich die Tumoren molekularbiologisch fundamental unterscheiden, könnte dies künftig ausschlaggebend für eine gen-spezifische Therapie sein. Die Wissenschaftler möchten nun spezifische auf die molekularen Entstehungsmechanismen abgestimmte Therapien entwickeln und diese in den nächsten Jahren in klinischen Studien testen.

Die Forschungsarbeiten sind in ein Netzwerk eingebunden, das seit kurzem durch eine Verbundförderung des Landes Baden Württemberg unter Koordination von Professor Schirmacher gefördert wird. Im Rahmen dieser Forschungsförderung werden zur Zeit fünf Arbeitsgruppen des Universitätsklinikums Heidelberg unterstützt.

Homepage des Instituts für Pathologie am Universitätsklinikum Heidelberg
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/pathologie

Ansprechpartner:
Professor Dr. Peter Schirmacher
Telefon: 06221 / 562600
Peter.Schirmacher@med.uni-heidelberg.de

Posterpreise:

T. Nussbaum, S. Vreden, K. Breuhahn, P. Schirmacher
Identifizierung des insulin-like growth factor (IGF)-II als therapeutische Zielstruktur in der Hepatokarzinogenese
Posterpreis der Deutschen Gesellschaft für Pathologie (DGP), Jahrestagung der DGP, Wuppertal, 2005

Bandapalli O, Brand K
Global analysis of host tissue gene expression in the invasive front of colorectal liver metastases
Posterpreis der Deutschen Gesellschaft zum Studium der Leber (GASL); 21. Jahrestagung der GASL, Ulm, 2005

Brand K, Bandapalli O
Differentiell regulierte Gene und Genexpression in der Invasionsfront kolorektaler Lebermetastasen
Posterpreis der Arbeitsgemeinschaft Gastroenterologische Onkologie (AGO), Jahrestagung der AGO, Aachen, 2005

Literatur:

Bandapalli OR, Geheeb M, Kobelt D, Kuehnle K, Elezkurtaj S, Herrmann J, Gressner AM, Weiskirchen R, Beule D, Bluthgen N, Herzel H, Franke C, Brand K. Global analysis of host tissue gene expression in the invasive front of colorectal liver metastases. Int J Cancer. 2006 Jan 1; 118(1): 74 - 89.

M. A. Kern, M. M. Schöneweiß, D. Sahi, M. Bahlo, A. M. Haugg, H. U. Kasper, H. P. Dienes, H. Käferstein, K. Breuhahn, P. Schirmacher: Cyclooxygenase-2 inhibitors suppress the growth of human hepatocellular carcinoma implants in nude mice. Carcinogenesis, 2004; 25:1193-1199

K. Breuhahn, S. Vreden, R. Haddad, S. Beckebaum, D. Stippel, P. Flemming, T. Nussbaum, W. H. Caselmann, B. B. Haab, P. Schirmacher: Molecular Profiling of Human Hepatocellular Carcinoma Defines Mutually Exclusive Interferon Regulation and Insulin-Like Growth Faktor II Overexpression. Cancer Research, Sept. 2004; 64:6058-6064

Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 45 36
Fax: 06221 / 56 45 44
E-Mail: Annette_Tuffs@med.uni-heidelberg.de

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/pathologie
http://www.med.uni-heidelberg.de/

Weitere Berichte zu: AGO DGP GASL Gen Gen-Chip Interferon Lebertumor Pathologie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Jenaer Sepsisexperten erforschen im EU-Verbund personalisierte Immuntherapie bei Sepsis
11.02.2020 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Maßgeschneiderte Immuntherapie bei Sepsis
10.02.2020 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lichtpulse bewegen Spins von Atom zu Atom

Forscher des Max-Born-Instituts für Nichtlineare Optik und Kurzpulsspektroskopie (MBI) und des Max-Planck-Instituts für Mikrostrukturphysik haben durch die Kombination von Experiment und Theorie die Frage gelöst, wie Laserpulse die Magnetisierung durch ultraschnellen Elektronentransfer zwischen verschiedenen Atomen manipulieren können.

Wenige nanometerdünne Filme aus magnetischen Materialien sind ideale Testobjekte, um grundlegende Fragestellungen des Magnetismus zu untersuchen. Darüber...

Im Focus: Freiburg researcher investigate the origins of surface texture

Most natural and artificial surfaces are rough: metals and even glasses that appear smooth to the naked eye can look like jagged mountain ranges under the microscope. There is currently no uniform theory about the origin of this roughness despite it being observed on all scales, from the atomic to the tectonic. Scientists suspect that the rough surface is formed by irreversible plastic deformation that occurs in many processes of mechanical machining of components such as milling.

Prof. Dr. Lars Pastewka from the Simulation group at the Department of Microsystems Engineering at the University of Freiburg and his team have simulated such...

Im Focus: Transparente menschliche Organe ermöglichen dreidimensionale Kartierungen auf Zellebene

Erstmals gelang es Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, intakte menschliche Organe durchsichtig zu machen. Mittels mikroskopischer Bildgebung konnten sie die zugrunde liegenden komplexen Strukturen der durchsichtigen Organe auf zellulärer Ebene sichtbar machen. Solche strukturellen Kartierungen von Organen bergen das Potenzial, künftig als Vorlage für 3D-Bioprinting-Technologien zum Einsatz zu kommen. Das wäre ein wichtiger Schritt, um in Zukunft künstliche Alternativen als Ersatz für benötigte Spenderorgane erzeugen zu können. Dies sind die Ergebnisse des Helmholtz Zentrums München, der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) und der Technischen Universität München (TUM).

In der biomedizinischen Forschung gilt „seeing is believing“. Die Entschlüsselung der strukturellen Komplexität menschlicher Organe war schon immer eine große...

Im Focus: Skyrmions like it hot: Spin structures are controllable even at high temperatures

Investigation of the temperature dependence of the skyrmion Hall effect reveals further insights into possible new data storage devices

The joint research project of Johannes Gutenberg University Mainz (JGU) and the Massachusetts Institute of Technology (MIT) that had previously demonstrated...

Im Focus: Skyrmionen mögen es heiß – Spinstrukturen auch bei hohen Temperaturen steuerbar

Neue Spinstrukturen für zukünftige Magnetspeicher: Die Untersuchung der Temperaturabhängigkeit des Skyrmion-Hall-Effekts liefert weitere Einblicke in mögliche neue Datenspeichergeräte

Ein gemeinsames Forschungsprojekt der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) und des Massachusetts Institute of Technology (MIT) hat einen weiteren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Chemnitzer Linux-Tage am 14. und 15. März 2020: „Mach es einfach!“

12.02.2020 | Veranstaltungen

4. Fachtagung Fahrzeugklimatisierung am 13.-14. Mai 2020 in Stuttgart

10.02.2020 | Veranstaltungen

Alternative Antriebskonzepte, technische Innovationen und Brandschutz im Schienenfahrzeugbau

07.02.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Höhere Treibhausgasemissionen durch schnelles Auftauen des Permafrostes

18.02.2020 | Geowissenschaften

Supermagnete aus dem 3D-Drucker

18.02.2020 | Maschinenbau

Warum Lebewesen schrumpfen

18.02.2020 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics