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Risikofaktoren für psychische Erkrankung nach einem Trauma entdeckt

01.12.2005


Wissenschaftler der Universität Zürich (UZH) haben zwei Risikofaktoren entdeckt, die für eine posttraumatische Erkrankung verantwortlich sind. Damit wird eine frühe Erkennung und Prävention beispielsweise bei belasteten Berufsgruppen wie Feuerwehr oder Polizei möglich. Die Studie erscheint am 1. Dezember im "American Journal of Psychiatry" (Volume 162, issue 12, 2005).



Rund 80 Prozent aller Menschen werden irgendwann in ihrem Leben mit einem traumatischen Ereignis wie Tod und schwere Verletzung, sexueller Missbrauch, Geiselnahmen, Terroranschläge, Naturkatastrophen oder Verkehrsunfälle konfrontiert. Aber nur etwa 4 Prozent der Bevölkerung erkranken im Verlauf des Lebens an einer posttraumatischen Belastungsstörung. Demnach scheint das Risiko für eine psychische Erkrankung nach einem Trauma individuell sehr unterschiedlich zu sein. Bislang wusste man nichts über mögliche Risikofaktoren, die bereits vor dem Trauma bestehen und die Entwicklung einer Erkrankung nach einer Traumkonfrontation begünstigen.

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Ein internationales Forschungsteam der Universität Zürich, der Universität Trier und des Centers for Disease Control and Prevention (USA) unter Leitung von Markus Heinrichs und Ulrike Ehlert vom Psychologischen Institut der Universität Zürich hat nun in einer mehrjährigen Längsschnittstudie erstmals zeigen können, dass unter zahlreichen psychologischen und biologischen Faktoren lediglich zwei Persönlichkeitseigenschaften das höchste Risiko darstellen: eine erhöhte Feindseligkeit anderen Menschen gegenüber und ein geringes Vertrauen auf Kontrollierbarkeit und Beeinflussung des eigenen Lebens. Wie die Wissenschaftler weiter zeigen, entwickeln Personen mit diesem Risiko schon bald nach einem traumatischen Erlebnis eine Reihe weiterer psychischer Symptome wie depressive Störungen, Ängste und körperliche Beschwerden. Dagegen bleiben Personen ohne diese beiden Risikofaktoren nach einem traumatischen Erlebnis offenbar von einer psychischen Krankheit verschont.

Erstmals Untersuchungen vor dem Trauma

Die Traumaforschung war bislang ausschliesslich auf Untersuchungsergebnisse bei Betroffenen nach traumatischen Erlebnissen angewiesen. Alle Befragungen von traumatisierten Personen im Hinblick auf die Zeit vor dem Trauma standen jedoch stets unter dem Eindruck des Erlebten. In der neuen Studie umgingen die Wissenschaftler dieses Problem, indem sie eine Hochrisikogruppe von jungen Einsatzkräften der Feuerwehr untersuchten. Diese Berufsgruppe zeigte in vorangehenden Studien ein vierfach erhöhtes Risiko für eine posttraumatische Belastungsstörung. In die Studie wurden 43 junge, gesunde Feuerwehrmänner noch vor ihrem Arbeitsbeginn aufgenommen. Sie wurden über zwei Jahre hinweg regelmässig hinsichtlich zahlreicher psychischer Symptome sowie Stresshormonveränderungen untersucht.

Markus Heinrichs schliesst aus der jetzt vorliegenden Studie: "Unsere Ergebnisse werden sowohl die Früherkennung von Risikopersonen wie auch eine frühe Prävention innerhalb belastender Berufsfelder wie Rettungsdienst, Feuerwehr, Polizei oder Militär verbessern helfen. Aufgrund unserer neuen Befunde könnte den langwierigen Rehabilitationsmass-nahmen und Frühberentungen insbesondere bei Personen dieser Risikoberufe durch präventive Konzepte begegnet werden." Ulrike Ehlert fasst die neuen Ergebnisse folgendermassen zusammen: "Mit dieser Studie haben wir erstmals Informationen über Risikofaktoren der posttraumatischen Belastungsstörung noch vor dem traumatischen Ereignis selbst erfasst. Wir gehen davon aus, dass auch bei anderen Gruppen von Traumaopfern eine Be-rücksichtigung dieser Faktoren im Rahmen früher Therapieansätze relevant ist."

Kontakt:
Markus Heinrichs, Psychologisches Institut, Abteilung für Klinische Psychologie und Psychotherapie, Universität Zürich
Tel. +41 44 634 44 57
E-Mail: m.heinrichs@psychologie.unizh.ch

Beat Müller | idw
Weitere Informationen:
http://www.unizh.ch/

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