Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Stammzellen zur Selbsterneuerung anregen

05.09.2001


Gentherapie und Knochenmark-Transplantation kombinieren

Hamburg (so) - Blut besteht aus vielen verschiedenen Zelltypen. Vorstufe aller Blutzellen sind die Stammzellen. Sie sitzen im Inneren des Knochenmarks. Das besondere Potential der Stammzellen besteht in ihrer Fähigkeit, sich entweder in reife Blutzellen zu differenzieren oder sich ständig selbst zu erneuern. Sie sind damit die Garanten der lebenslangen Blutbildung. Welchen Weg die Stammzellen einschlagen, hängt von der Aktivität bestimmter Gene ab. Wissenschaftler aus Hamburg wollen die Selbsterneuerung der Stammzellen jetzt gentherapeutisch steuern. Dieser neue Therapieansatz könnte Knochenmark-transplantierten Krebspatienten helfen. Denn: Die von einem Spender übertragenen Zellen sind in der Regel nicht mehr so "teilungsfreudig". Mögliche Folge sind Blutarmut und Abwehrschwäche. Die Deutsche Krebshilfe unterstützt das zweijährige Projekt mit knapp 375.000 Mark.

Zur Behandlung verschiedener Krebsarten müssen Chemotherapeutika oftmals sehr hoch dosiert werden. Doch diese Chemotherapie zerstört nicht nur die Krebszellen, sondern greift auch alle Zellen des blutbildenden Systems an, einschließlich der Stammzellen im Knochenmark. Deshalb entnehmen Mediziner den Betroffenen vor einer Hochdosis-Chemotherapie gesundes Knochenmark und übertragen es nach der Behandlung zurück. Diese "autologe" Knochenmark-Transplantation macht es möglich, dass die Patienten nach der Behandlung wieder rote und weiße Blutzellen sowie Blutplättchen in ausreichender Menge bilden.

Bestimmte Gene der so genannten HOX-Genfamilie sind nur in Stamm- und sehr frühen Vorläuferzellen aktiv. Mit zunehmender Differenzierung zu reifen Blutzellen werden sie nacheinander abgeschaltet, während andere Gene aktiviert werden. In Experimenten mit Knochenmark-transplantierten Mäusen konnten Wissenschaftler aus Kanada zeigen, dass eines dieser frühen Gene - das "HOXB4" - wesentlich an der Regulation der Selbsterneuerung der blutbildenden Stammzellen beteiligt ist: Gentherapeutisch veränderte Blutstammzellen der Maus mit permanent aktivem HOXB4-Gen waren wieder in der Lage, schon innerhalb weniger Wochen nach Transplantation den Stammzellpool auf das natürliche Maß aufzufüllen.

Dieses Wissen machen sich Forscher vom Heinrich-Pette-Institut für Experimentelle Virologie und Immunologie an der Universität Hamburg jetzt zu Nutze: Unter der Leitung von Professor Dr. Wolfram Ostertag und Dr. Bernd Schiedlmeier wollen die Wissenschaftler menschliche Stammzellen, die transplantiert werden sollen, mit dem aktiven HOXB4-Gen bestücken. Als Gen-Fähre dient ihnen ein Virus. "Im Tiermodell überprüfen wir, ob die transplantierten, gentherapeutisch veränderten humanen Stammzellen sich wieder im natürlichen Maß vervielfältigen", so Professor Ostertag. "Dieser neue Therapieansatz könnte zukünftig Knochenmark-transplantierten Krebspatienten helfen: Mögliche Gefahren wie Blutarmut und geschwächte Abwehrkräfte als Langzeitfolge einer Knochenmark-Transplantation würden damit erheblich minimiert."

Allerdings ist es bis dahin noch ein weiter Weg. Denn: Das ständig aktive HOXB4-Gen führt möglicherweise zu Fehlern bei der Bildung der unterschiedlichen Blutzellen. Die Folge: Blutkrebs (Leukämie). Dr. Schiedlmeier: "Deswegen gehen wir im Rahmen des von der Deutschen Krebshilfe geförderten Projektes auch der Frage nach, ob das aktive HOXB4-Gen das Risiko der Leukämie-Entstehung erhöht."

Dr. med. Eva M. Kalbheim-Gapp | idw
Weitere Informationen:
http://www.krebshilfe.de/

Weitere Berichte zu: Blutzelle Knochenmark Knochenmark-Transplantation Stammzelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Gangmessdaten visualisieren und analysieren
16.07.2018 | Fachhochschule St. Pölten

nachricht „Small meets smaller“ – Nanopartikel beeinflussen Schimmelpilzinfektion der Atemwege
05.07.2018 | Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Im Focus: First evidence on the source of extragalactic particles

For the first time ever, scientists have determined the cosmic origin of highest-energy neutrinos. A research group led by IceCube scientist Elisa Resconi, spokesperson of the Collaborative Research Center SFB1258 at the Technical University of Munich (TUM), provides an important piece of evidence that the particles detected by the IceCube neutrino telescope at the South Pole originate from a galaxy four billion light-years away from Earth.

To rule out other origins with certainty, the team led by neutrino physicist Elisa Resconi from the Technical University of Munich and multi-wavelength...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungen

Conference on Laser Polishing – LaP: Feintuning für Oberflächen

12.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

17.07.2018 | Energie und Elektrotechnik

Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

17.07.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics