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Einfluss der Gene auf die Krebsbehandlung

30.06.2005


Neues Göttinger Graduiertenkolleg erforscht individualisierte Krebstherapien



Mit zwei Millionen Euro fördert die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) seit Januar 2005 für zunächst viereinhalb Jahre ein interdisziplinäres Graduiertenkolleg zum Thema "Pharmakogenomik" in Göttingen. Ziel des Kollegs ist es, Krebstherapien individuell auf den Patienten abzustimmen und gleichzeitig jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern eine umfassende Ausbildung in dem hochrangigen Forschungsgebiet zu ermöglichen. Das Graduiertenkolleg 1034 trägt den Titel: "Die Bedeutung genetischer Polymorphismen in der Onkologie: Von den Grundlagen zur individualisierten Therapie". Beteiligt sind acht Abteilungen des Bereichs Humanmedizin der Universität Göttingen sowie je eine Abteilung der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Göttingen und des Max-Planck-Instituts für biophysikalische Chemie. Zehn Nachwuchsforscherinnen und -forscher haben ihre Arbeit bereits begonnen, vier Stellen sind noch unbesetzt.



Krebsmedikamente sollen Tumore schnell und wirkungsvoll bekämpfen, bei möglichst geringen Nebenwirkungen. Weil sich aber die individuelle Erbgut-Ausstattung zwischen den Menschen unterscheidet, entwickeln sich Wirkungen und Nebenwirkungen der Medikamente bei unterschiedlichen Menschen unterschiedlich stark. Die "Pharmakogenomik" untersucht den Zusammenhang zwischen der erblichen Vielfalt in den Genen der Menschen und den Wirkungen und Nebenwirkungen von Medikamenten. "Mit Hilfe der Pharmakogenomik wollen wir die Krebstherapie besser auf den einzelnen Patienten zuschneiden. Als Fernziel stellen wir uns ein Analyse-System wie etwa einen "Krebstherapie-Chip" vor, mit dem Ärzte vor Beginn der Behandlung die Wirkung und Nebenwirkungen verfügbarer Krebs-Medikamente abschätzen können", sagt Prof. Dr. Jürgen Brockmöller, Direktor der Abteilung Klinische Pharmakologie am Bereich Humanmedizin der Universität Göttingen und Sprecher des Graduiertenkollegs.

Die Doktorandinnen und Doktoranden des Graduiertenkollegs vergleichen natürlich vorkommende Unterschiede in den Bausteinen bestimmter Gene mit Aufzeichnungen aus klinischen Studien über die Wirkungen und Nebenwirkungen von Krebsmedikamenten. Dabei greifen sie auf Studiendaten von mehreren tausend Patienten zurück. Die Konzentration auf bereits gut erforschte Kandidaten-Gene gewährleistet detaillierte Forschungsergebnisse und eine zeitnahe und anwendungsorientierte klinische Überprüfung der entwickelten Hypothesen. "Wir hoffen, bis Ende 2005 mindestens 200 potenziell wichtige Gene für die Therapie von Lymphomen untersucht zu haben. Die wichtigen Kandidaten werden wir 2006 auf ihre Anwendbarkeit in der Gestaltung der Krebsbehandlung hin untersuchen", sagt Prof. Dr. Lorenz Trümper, Leiter der Abteilung Hämatologie und Onkologie am Bereich Humanmedizin.

Krebsforschung und Pharmakogenomik/-genetik sind zwei der vier Profil bildenden Forschungs-schwerpunkte des Bereichs Humanmedizin der Universität Göttingen (weitere: Neurowissenschaften, Organregeneration und Organentwicklung). Damit besitzt das Graduiertenkolleg ein breites wissenschaftliches und medizinisches Umfeld. Wesentlich ist die enge Zusammenarbeit zwischen den Ärzten, die täglich Patienten mit Krebserkrankungen behandeln, mit den grundlagenwissenschaftlich orientierten Abteilungen.

An der Erforschung und Behandlung spezieller Tumorerkrankungen sind die Abteilung Hämatologie und Onkologie (Direktor Prof. Dr. Lorenz Trümper), die Abteilung Pädiatrie I (Direktor Prof. Dr. Lothar Schweigerer) und die Abteilung Dermatologie und Venerologie (Direktorin Prof. Dr. Christine Neumann) beteiligt. Diese Einrichtungen kooperieren eng mit weiteren Abteilungen aus dem Bereich Humanmedizin sowie der Biologischen Fakultät und dem Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie. Die Graduierten werden in der experimentellen Krebsforschung, Bioinformatik und Biostatistik, klinischen Krebsforschung, Arzneimittelforschung und in bioethischen Aspekten geschult.

Weitere Informationen:

Georg-August-Universität Göttingen - Bereich Humanmedizin
Abteilung Klinische Pharmakologie
Prof. Dr. med. Jürgen Brockmöller
Robert-Koch-Str. 40
37075 Göttingen
Tel.: 0551/39 - 5770
Fax: 0551/39 - 12767
E-Mail: jurgen.brockmoller@med.uni-goettingen.de

Stefan Weller | idw
Weitere Informationen:
http://www.gcpg.de
http://www.uni-goettingen.de

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