Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Am besten kann es die Petersilie

30.07.2001


Britta S. Kubens vom Institut für Immunologie der Universität Witten/Herdecke untersucht die Wirkung bestimmter Substanzen auf das Wanderungs- und Teilungsverhalten von Darmkrebszellen

In der Krebsforschung gibt es eine goldene Regel: Nicht der Primärtumor selbst ist meist lebensbedrohlich, sondern jene Zellen, die sich irgendwann aus ihm lösen und über die Blutbahn unkontrolliert auf Wanderschaft gehen. Dort, wo sie sich absetzen, bilden sie so genannte Metastasen, also Tochtergeschwulste.
Dementsprechend ringen Forscher in vielen aktuellen Projekten mit der Frage, wie man verhindern kann, dass Krebszellen überhaupt auf Wanderschaft gehen und sich dabei weiter teilen? Und welche Zusammenhänge bestehen zwischen der Wanderung und der Teilung?
Mit letzterer Frage beschäftigt sich seit drei Jahren Dr. Britta S. Kubens vom Institut für Immunologie der Universität Witten/Herdecke. Wie so oft bei Grundlagenforschern, kam sie durch Zufall auf die Idee, diesen Zusammenhang etwas genauer unter die Lupe, bzw. das Mikroskop zu nehmen.
Zunächst pflanzte sie Darmkrebszellen in künstliches Gewebe und filmte ihr Verhalten mit einem Videomikroskop 15 Stunden lang. Dabei machte sie eine interessante Beobachtung: Wanderung und Zellteilung finden nicht etwa, wie noch in vielen Lehrbüchern beschrieben, nacheinander statt, sondern parallel: Denn bevor sich die Zelle zum Teilen gleichsam "hinsetzt", bereitet sie ihre Spaltung während des Wanderns schon vor. Die Frage ist also, wie man schon während der Wanderung eingreifen kann um eine spätere Teilung zu verhindern?
Um das herauszufinden, experimentierte Kubens in einem zweiten Schritt mit verschiedenen Substanzen, die alle in verschiedenen Phasen des Zellzyklus eingreifen. Sie wollte damit herausfinden, an welcher Stelle dieses Kreislaufs welche Substanz die Wanderung und Vermehrung der Zellen am besten hemmt, wenn nicht sogar stoppt. Erstaunliche Ergebnisse erzielte sie dabei nicht mit chemischen "Bomben", sondern durchweg mit Substanzen, die in Nahrungspflanzen vorkommen. Mit Mimosin, einem Stoff aus den Blättern und Samen des in Asien, Süd- und Mittelamerika sowie dem Pazifischem Raum vorkommenden Wunderbaums, reduzierte sie die Wanderung um 50 Prozent und konnte die Teilung fast ganz stoppen. Besser als Mimosin kann es zur Zeit nur noch das Apigenin - eine Substanz aus der heimischen Petersilie. Apigenin trifft die Zelle in ihrem kritischsten Moment: Im Augenblick nach der Verdopplung der DNA, aber noch vor ihrer endgültigen Teilung.
Auf der Liste der von Kubens noch nicht erforschten Substanzen stehen Derivate des Knoblauchs und der Zwiebel. Wenn sie mehr Aufschlüsse gewonnen hat über die Zusammenhänge von Wanderung und Teilung möchte die Forscherin auch verschiedene Stoffe kombinieren. Der Vorteil: Ein solcher Mix würde - zeitlich gestaffelt - in verschiedenen Phasen des Zellzyklus eingreifen.

Kontakt: Institut für Immunologie, 02302/669-177, E-Mail: bks@uni-wh.de

Christiane Bensch | idw

Weitere Berichte zu: Immunologie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Jenaer Sepsisexperten erforschen im EU-Verbund personalisierte Immuntherapie bei Sepsis
11.02.2020 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Maßgeschneiderte Immuntherapie bei Sepsis
10.02.2020 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lichtpulse bewegen Spins von Atom zu Atom

Forscher des Max-Born-Instituts für Nichtlineare Optik und Kurzpulsspektroskopie (MBI) und des Max-Planck-Instituts für Mikrostrukturphysik haben durch die Kombination von Experiment und Theorie die Frage gelöst, wie Laserpulse die Magnetisierung durch ultraschnellen Elektronentransfer zwischen verschiedenen Atomen manipulieren können.

Wenige nanometerdünne Filme aus magnetischen Materialien sind ideale Testobjekte, um grundlegende Fragestellungen des Magnetismus zu untersuchen. Darüber...

Im Focus: Freiburg researcher investigate the origins of surface texture

Most natural and artificial surfaces are rough: metals and even glasses that appear smooth to the naked eye can look like jagged mountain ranges under the microscope. There is currently no uniform theory about the origin of this roughness despite it being observed on all scales, from the atomic to the tectonic. Scientists suspect that the rough surface is formed by irreversible plastic deformation that occurs in many processes of mechanical machining of components such as milling.

Prof. Dr. Lars Pastewka from the Simulation group at the Department of Microsystems Engineering at the University of Freiburg and his team have simulated such...

Im Focus: Transparente menschliche Organe ermöglichen dreidimensionale Kartierungen auf Zellebene

Erstmals gelang es Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, intakte menschliche Organe durchsichtig zu machen. Mittels mikroskopischer Bildgebung konnten sie die zugrunde liegenden komplexen Strukturen der durchsichtigen Organe auf zellulärer Ebene sichtbar machen. Solche strukturellen Kartierungen von Organen bergen das Potenzial, künftig als Vorlage für 3D-Bioprinting-Technologien zum Einsatz zu kommen. Das wäre ein wichtiger Schritt, um in Zukunft künstliche Alternativen als Ersatz für benötigte Spenderorgane erzeugen zu können. Dies sind die Ergebnisse des Helmholtz Zentrums München, der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) und der Technischen Universität München (TUM).

In der biomedizinischen Forschung gilt „seeing is believing“. Die Entschlüsselung der strukturellen Komplexität menschlicher Organe war schon immer eine große...

Im Focus: Skyrmions like it hot: Spin structures are controllable even at high temperatures

Investigation of the temperature dependence of the skyrmion Hall effect reveals further insights into possible new data storage devices

The joint research project of Johannes Gutenberg University Mainz (JGU) and the Massachusetts Institute of Technology (MIT) that had previously demonstrated...

Im Focus: Skyrmionen mögen es heiß – Spinstrukturen auch bei hohen Temperaturen steuerbar

Neue Spinstrukturen für zukünftige Magnetspeicher: Die Untersuchung der Temperaturabhängigkeit des Skyrmion-Hall-Effekts liefert weitere Einblicke in mögliche neue Datenspeichergeräte

Ein gemeinsames Forschungsprojekt der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) und des Massachusetts Institute of Technology (MIT) hat einen weiteren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Chemnitzer Linux-Tage am 14. und 15. März 2020: „Mach es einfach!“

12.02.2020 | Veranstaltungen

4. Fachtagung Fahrzeugklimatisierung am 13.-14. Mai 2020 in Stuttgart

10.02.2020 | Veranstaltungen

Alternative Antriebskonzepte, technische Innovationen und Brandschutz im Schienenfahrzeugbau

07.02.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Erste Untersuchungsergebnisse zum "Sensations-Meteoritenfall" von Flensburg

17.02.2020 | Geowissenschaften

Lichtpulse bewegen Spins von Atom zu Atom

17.02.2020 | Physik Astronomie

Freiburger Forscher untersucht Ursprünge der Beschaffenheit von Oberflächen

17.02.2020 | Materialwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics