Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wenn die Nieren akut versagen, hilft ein neues Blutwäscheverfahren

20.01.2005


Gleiche Effektivität wie Standardverfahren der Dialyse / Experten tagen am 20. Januar 2005 in der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg



Wenn der Körper stark angegriffen und geschwächt ist, drohen die Nieren zu versagen. Bei jedem fünften Patient, der auf einer Intensivstation behandelt werden muss, kommt es zum akuten Verlust der Nierenfunktion - meist begleitet vom Versagen anderer Organe. Dann kann oftmals nur eine Blutwäsche (Dialyse) das Leben des Patienten retten. Bei den meisten Patienten, gelingt es, den akuten Ausfall zu überbrücken. Doch welche Dialyseverfahren sollten am besten eingesetzt werden: Verfahren, die das Blut weniger intensiv aber kontinuierlich oder nur für wenige Stunden am Tag dafür jedoch intensiv filtern?

... mehr zu:
»Dialyse »Hämofiltration »Niere »SLEDD


Im Blickpunkt einer Expertentagung der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg am 20. Januar 2005 steht ein neues Dialyseverfahren: Die so genannte "slow extended daily dialysis" (SLEDD). Sie ist ein Kompromiss zwischen Langzeit- und Kurzzeitverfahren, mindestens ebenso effektiv wie diese Verfahren und bietet den Patienten erhebliche Vorteile. Bei der Heidelberger Tagung "Aktuelle Therapieformen des akuten Nierenversagens auf der Intensivstation" werden Vorzüge und Nachteile der verschiedenen Dialyseverfahren präsentiert.

Blutungsrisiko durch Gerinnungshemmer bei Dauerdialyse

Auch die Medizinische Universitätsklinik Heidelberg hat die SLEDD seit Sommer 2003 auf ihren Intensivstationen eingeführt. "Das Verfahren hat medizinische Vorteile, von denen viele Patienten profitieren", erklärt Professor Dr. Martin Zeier, Leiter der Sektion Nephrologie, die zur Abteilung Endokrinologie und Stoffwechsel (Ärztlicher Direktor: Professor Dr. Peter Nawroth) der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg gehört. "Vor allem Patienten, die eine Blutungsneigung haben, sollten nicht einer kontinuierlichen Dauerbehandlung (Hämofiltration) unterzogen werden, denn dabei muss die Blutgerinnung mit Medikamenten herabgesetzt werden." Dadurch könne es zu Blutungen kommen.

"Früher wurden die Patienten kurzzeitig (z. B. dreimal 4 Stunden/Woche) an ein Hämodialyse-Gerät angeschlossen", berichtet Dr. Vedat Schwenger, leitender Oberarzt in der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg. Seit Mitte der 80er Jahre hätten sich jedoch die "kontinuierlichen Nierenersatztherapie", die Hämofiltration, durchgesetzt. Als wichtiger Vorteil der Hämofiltration wird die Stabilität des Blutdrucks angesehen - bei der Kurzzeitdialyse kann es zu massiven Abfällen kommen, da hier innerhalb kurzer Zeit dem Körper viel Flüssigkeit zur Reinigung entzogen wird.

Dennoch gibt es auch Nachteile: Die Dauerdialyse ist deutlich aufwendiger, neben den sehr hohen Kosten hat sie auch klinische Nachteile: Bei der kontinuierlichen Blutwäsche ist es schwierig, die richtige Medikamentendosis zu finden. Außerdem können technische Untersuchungen nur eingeschränkt durchgeführt werden.

Eine effektive und kostengünstige Alternative für die Behandlung des akuten Nierenversagens ist deshalb die SLEDD mit dem so genannten Genius-System, einem Dialysegerät, das auch für andere Dialyseformen eingesetzt werden kann. "Vor kurzem hat eine wissenschaftliche Studie gezeigt, dass eine zwolfstündige Dialyse mit dem Genius-System eine Dialyse über 24 Stunden in puncto Effektivität der Behandlung und Nebenwirkungen vergleichbar ist," berichtet Dr. Schwenger. Auch der Blutdruck konnte stabil gehalten werden.

Bei Rückfragen:

Professor Dr. Martin Zeier: Martin_Zeier@med.uni-heidelberg.de
Dr. Vedat Schwenger: Vedat_Schwenger@med.uni-heidelberg.de

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.med.uni-heidelberg.de

Weitere Berichte zu: Dialyse Hämofiltration Niere SLEDD

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Narkolepsie: Wissenschaftler entlarven den Übeltäter der rätselhaften Schlafkrankheit
20.09.2018 | Universitätsspital Bern

nachricht Virotherapie bei Bauchfellkrebs erfolgreich getestet - Neue biologische Krebstherapie
18.09.2018 | Universitätsklinikum Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie Magnetismus entsteht: Elektronen stärker verbunden als gedacht

Wieso sind manche Metalle magnetisch? Diese einfache Frage ist wissenschaftlich gar nicht so leicht fundiert zu beantworten. Das zeigt eine aktuelle Arbeit von Wissenschaftlern des Forschungszentrums Jülich und der Universität Halle. Den Forschern ist es zum ersten Mal gelungen, in einem magnetischen Material, in diesem Fall Kobalt, die Wechselwirkung zwischen einzelnen Elektronen sichtbar zu machen, die letztlich zur Ausbildung der magnetischen Eigenschaften führt. Damit sind erstmals genaue Einblicke in den elektronischen Ursprung des Magnetismus möglich, die vorher nur auf theoretischem Weg zugänglich waren.

Für ihre Untersuchung nutzten die Forscher ein spezielles Elektronenmikroskop, das das Forschungszentrum Jülich am Elettra-Speicherring im italienischen Triest...

Im Focus: Erstmals gemessen: Wie lange dauert ein Quantensprung?

Mit Hilfe ausgeklügelter Experimente und Berechnungen der TU Wien ist es erstmals gelungen, die Dauer des berühmten photoelektrischen Effekts zu messen.

Es war eines der entscheidenden Experimente für die Quantenphysik: Wenn Licht auf bestimmte Materialien fällt, werden Elektronen aus der Oberfläche...

Im Focus: Scientists present new observations to understand the phase transition in quantum chromodynamics

The building blocks of matter in our universe were formed in the first 10 microseconds of its existence, according to the currently accepted scientific picture. After the Big Bang about 13.7 billion years ago, matter consisted mainly of quarks and gluons, two types of elementary particles whose interactions are governed by quantum chromodynamics (QCD), the theory of strong interaction. In the early universe, these particles moved (nearly) freely in a quark-gluon plasma.

This is a joint press release of University Muenster and Heidelberg as well as the GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt.

Then, in a phase transition, they combined and formed hadrons, among them the building blocks of atomic nuclei, protons and neutrons. In the current issue of...

Im Focus: Der Truck der Zukunft

Lastkraftwagen (Lkw) sind für den Gütertransport auch in den kommenden Jahrzehnten unverzichtbar. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der Technischen Universität München (TUM) und ihre Partner haben ein Konzept für den Truck der Zukunft erarbeitet. Dazu zählen die europaweite Zulassung für Lang-Lkw, der Diesel-Hybrid-Antrieb und eine multifunktionale Fahrerkabine.

Laut der Prognose des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur wird der Lkw-Güterverkehr bis 2030 im Vergleich zu 2010 um 39 Prozent steigen....

Im Focus: Extrem klein und schnell: Laser zündet heißes Plasma

Feuert man Lichtpulse aus einer extrem starken Laseranlage auf Materialproben, reißt das elektrische Feld des Lichts die Elektronen von den Atomkernen ab. Für Sekundenbruchteile entsteht ein Plasma. Dabei koppeln die Elektronen mit dem Laserlicht und erreichen beinahe Lichtgeschwindigkeit. Beim Herausfliegen aus der Materialprobe ziehen sie die Atomrümpfe (Ionen) hinter sich her. Um diesen komplexen Beschleunigungsprozess experimentell untersuchen zu können, haben Forscher aus dem Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) eine neuartige Diagnostik für innovative laserbasierte Teilchenbeschleuniger entwickelt. Ihre Ergebnisse erscheinen jetzt in der Fachzeitschrift „Physical Review X“.

„Unser Ziel ist ein ultrakompakter Beschleuniger für die Ionentherapie, also die Krebsbestrahlung mit geladenen Teilchen“, so der Physiker Dr. Thomas Kluge vom...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

4. BF21-Jahrestagung „Car Data – Telematik – Mobilität – Fahrerassistenzsysteme – Autonomes Fahren – eCall – Connected Car“

21.09.2018 | Veranstaltungen

Forum Additive Fertigung: So gelingt der Einstieg in den 3D-Druck

21.09.2018 | Veranstaltungen

12. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

20.09.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Tiefseebergbau: Forschung zu Risiken und ökologischen Folgen geht weiter

21.09.2018 | Geowissenschaften

4. BF21-Jahrestagung „Car Data – Telematik – Mobilität – Fahrerassistenzsysteme – Autonomes Fahren – eCall – Connected Car“

21.09.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Optimierungspotenziale bei Kaminöfen

21.09.2018 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics