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Statine gegen Nerventod

06.12.2004


Orhan Aktas will herausfinden, ob und wie Patienten mit multipler Sklerose von Cholesterin senkenden Medikamenten profitieren. Dafür erhält er ein Stipendium der Novartis-Stiftung.



Es fängt scheinbar harmlos an. Zuerst kribbeln Arme und Beine "ganz komisch", wie viele Patienten es ausdrücken. Dann kommen immer wieder Krankheitsschübe mit plötzlichen Sehstörungen, Müdigkeit, Schwindel, Sprachstörungen und Lähmungen. Die Multiple Sklerose (MS) ist eine schwere Erkrankung und bislang unheilbar - neue Therapien sind deshalb dringend gefragt. Dr. Orhan Aktas vom Institut für Neuroimmunologie des Berliner Universitätsklinikums Charité erforscht den Einsatz von handelsüblichen Cholesterinsenkern, den "Statinen" in der MS-Behandlung. Seine Arbeiten werden nun mit einem Graduierten-Stipendium der Nürnberger Novartis-Stiftung für therapeutische Forschung ausgezeichnet.



Die Multiple Sklerose gilt als die häufigste Krankheit des zentralen Nervensystems unter jüngeren Menschen. Weltweit trifft es zweieinhalb Millionen Frauen und Männer - allein in Deutschland etwa 120000. Die so genannten T-Lymphozyten des Immunsystems - eigentlich darauf getrimmt, Erreger wie Bakterien oder Viren zu vernichten - attackieren aus noch ungeklärter Ursache die eigenen Nervenzellen. Zuerst leidet nur deren Isolierhülle, die Myelinschicht. "Kurze Zeit später sterben die Nervenzellen selbst", sagt der Stiftungs-Preisträger. Bisherige Therapiekonzepte versuchen, den Krankheitsverlauf zu bremsen. Das heißt: Die Zeit zwischen den typischen Schüben zu verlängern, was den Untergang der Nervenzellen heraus zögert. Dies gelingt nur bedingt.

Dass die Statine den MS-Patienten womöglich nutzen könnten, findet Aktas "ganz erstaunlich." Statine sind Medikamente, die seit Jahren erfolgreich gegen Herz- und Kreislauferkrankungen eingesetzt werden. Allerdings zeigte sich, dass sie nicht nur die Werte des Blutfettes Cholesterin senken, sondern "auch Entzündungsprozesse hemmen", so der Berliner Neurologe. Und tatsächlich bilden sich auch bei den Angriffen der T-Lymphozyten auf die Nervenzellen entzündliche Herde.

Einerseits können Statine die T-Lymphozyten nach Tierversuchen der Berliner Wissenschaftler weniger aggressiv machen, aber nicht vollständig unterdrücken. Ein wichtiger Punkt: Denn bei kompletter Unterdrückung wären Nebenwirkungen wie verstärkte Infektanfälligkeit oder eventuell erhöhtes Krebsrisiko zu erwarten. Andererseits hat Orhan Aktas "erste Hinweise, dass die Medikamente die Nervenzellen auch direkt schützen. Neue Studien sollen diesen rettenden Effekt bestätigen. Durch das bessere Verständnis der molekularen und zellulären Zusammenhänge zwischen Statinen und T-Lymphozyten bzw. Nervenzellen hofft der Mediziner, Ansatzpunkte für neue Medikamente zu finden, die "noch besser als die Statine wirken könnten."

Zwar berichteten US-Ärzte vor kurzem erstmals, dass MS-Patienten wirklich von den Cholesterinsenkern profitieren. Doch ist ein langfristiger Effekt mit weniger oder zumindest schwächeren Schüben in der klinischen Praxis noch keineswegs gesichert. Das Berliner Team hat deshalb eine große Studie gestartet. Dafür suchen die Ärzte noch Patienten, die im vergangenen Jahr einen behandelten oder unbehandelten Krankheitsschub erlitten. Ansprechpartner ist Studienschwester Britta Kreuzer, Telefon 030-450539040.

Die Novartis-Stiftung für therapeutische Forschung in Nürnberg gehört zu den ältesten und größten Unternehmensstiftungen in Deutschland. Ihr Stiftungsvolumen umfasst jährlich etwa 650.000 Euro.

Über Novartis

Die Novartis AG (NYSE: NVS) ist ein weltweit führendes Unternehmen in den Bereichen Pharma und Consumer Health. Im Jahr 2003 erzielte der Konzern einen Umsatz von USD 24,9 Milliarden und einen Reingewinn von USD 5,0 Milliarden. Der Konzern investierte rund USD 3,8 Milliarden in Forschung und Entwicklung. Novartis hat ihren Sitz in Basel (Schweiz). Die Novartis Konzerngesellschaften beschäftigen rund 80.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in über 140 Ländern. Weitere Informationen finden Sie im Internet unter.

Philipp Kressirer | idw
Weitere Informationen:
http://www.novartis.de

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