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Forscher finden Ursache für unterschiedliche Anthrax-Virulenz

28.03.2003


Ein sechsköpfiges US-Forscherteam hat entdeckt, warum manche Anthrax-Stämme gefährlicher als andere sind.



Theoretisch könnten durch diese Erkenntnisse nicht nur bessere Impfstoffe bzw. Nachweismethoden, sondern auch für den Menschen noch gefährlichere Biowaffen entwickelt werden. Aufgrund dieser Brisanz wurde laut Forschern über die Veröffentlichung der Ergebnisse debattiert. Am Ende scheinen doch die Vorteile über den Risiken der Publikation gestanden zu sein, berichtet die New York Times. Die Ergebnisse wurden im Fachblatt Clinical Microbiology veröffentlicht.

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»Anthrax-Bakterium »Kopie »Plasmid


Das Team unter der Leitung von Pamala R. Coker vom Lawrence Livermore National Laboratory untersuchte das Genom verschiedener Stämme der Anthrax-Bakterien Bacillus anthracis. Das Genom besteht aus einem einzigen großen Chromosom und zwei kleinen DNA-Ringen mit Extra-Genen. Diese so genannten Plasmide besitzen die verschiedenen Stämme entgegen der bisherigen Annahme in unterschiedlicher Anzahl. Vom ersten Plasmid können bis zu 243 Kopien vorkommen, vom zweiten, bekannt als pX02, bis zu 32 Kopien. Je mehr Kopien ein Bakterien-Stamm enthält, umso eher verursacht dieser eine Erkrankung, so die Forscher.

Im Experiment infizierten die Wissenschaftler Meerschweinchen mit verschiedenen Stämmen der Anthrax-Bakterien. Diese wiesen jeweils verschiedene Kopien der Plasmide auf. Trug ein in Mosambik isolierter Stamm nur ein pX02-Plasmid starben 25 Prozent der Versuchstiere. Ein australischer Stamm mit 32 Kopien hingegen endete für alle Meerschweinchen tödlich. Der so genannte Ames-Stamm, dem bei den Anschlägen in den USA 2001 fünf Menschen zum Opfer fielen, besitzt zwei Kopien des pX02-Plasmids. Diese Bakterien töteten 62 Prozent der infizierten Tiere. Laut Forschern liegen auf dem pX02-Plasmid Gene für Proteine der Zellmembran, die einen Schutzmantel der Anthrax-Bakterien bilden. In vielfacher Ausführung könnte es diese genetische Information den Bakterien ermöglichen, einen sehr dichten Schutzmantel gegen Attacken des Immunsystems des infizierten Organismus zu bilden, so die Vermutung.

Bislang wurden 89 verschiedene Anthrax-Stämme identifiziert. Warum manche gefährlicher als andere sind war unklar. Mit dem Wissen über die genetischen Unterschiede zwischen den verschiedenen virulenten Anthrax-Stämmen könnten nun verbesserte Impfstoffe hergestellt werden. Dafür sind aber noch weitere Untersuchungen nötig. Theoretisch können die neuen Informationen aber auch für die Produktion noch gefährlicherer Bakterien herangezogen werden, erklärt Coker. Kein Begutachter hat sich allerdings der Veröffentlichung des Papers entgegengestellt. Erst vor kurzem haben Autoren und Redakteure bedeutender Fachmagazine erklärt, Forschungsergebnisse nicht veröffentlichen zu wollen, falls die Informationen zu terroristischen Angriffen verwendet werden können.

Sandra Standhartinger | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://jcm.asm.org
http://www.nytimes.com
http://www.llnl.gov

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