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Experimente zeigen: Schokolade schmeckt bei Freude besser

02.10.2002


"Süßigkeiten sind Frustfutter" - diese Einschätzung stimmt nicht immer. Das legen Experimente nahe, die Psychologen von der Uni Würzburg mit Filmausschnitten und Schokolade angestellt haben. Die Versuchspersonen entwickelten nämlich genau dann mehr Appetit auf Süßes, wenn sie guter Laune waren.

Das Team des Psychologen Dr. Michael Macht zeigte den insgesamt 48 männlichen Versuchsteilnehmern verschiedene Filmausschnitte, um bestimmte Emotionen zu wecken. Eine Szene aus der Komödie "Harry und Sally", bei der die Hauptdarstellerin in einem gut besuchten Restaurant einen Orgasmus nachspielt, sorgte für Heiterkeit. Mit einem Ausschnitt aus dem Boxerfilm "The Champ" wurde dagegen Trauer erzeugt: Ein kleiner Junge erlebt den Tod seines Vaters mit, der zuvor in einem Boxkampf schwer verletzt wurde.

Anschließend mussten die Versuchspersonen Schokolade essen und den Wohlgeschmack und die Wirkung des Naschwerks beschreiben. Sie wurden gefragt, wie es um den Wunsch nach mehr Süßem steht oder wie ihr Hungergefühl vor und nach den Filmsequenzen war. Sogar das Kauverhalten wurde für spätere Analysen mit Video aufgezeichnet.

Bei diesen Experimenten habe sich unter anderem gezeigt, so Dr. Macht, dass die Schokolade den traurig gestimmten Männern weniger gut schmeckte und dass deren Verlangen nach mehr Naschwerk geringer war als bei den fröhlichen Teilnehmern. Alle Ergebnisse der Versuchsreihe sind in der Oktober-Ausgabe des Fachblatts "Appetite" nachzulesen.

Hintergrund für diese Arbeiten: Dr. Macht untersucht die Auswirkungen von Emotionen auf das Essverhalten. "Dieses Gebiet ist von den Grundlagen her so gut wie nicht erforscht. Oft wurden nur klinisch bedeutsame Aspekte hinterfragt, etwa im Zusammenhang mit Ess-Störungen", so der Würzburger Psychologe.

Beispiel: Es sei bekannt, dass Ärger als Auslöser von so genannten Ess-Anfällen eine wesentliche Rolle spielt: Die Betroffenen stopfen dann unkontrolliert Nahrung in sich hinein, bis sie nicht mehr können. Dagegen gebe es über die Auswirkung von Ärger auf das Essverhalten gesunder Menschen nur eine einzige Studie, die an der Uni Würzburg gemacht wurde. Dr. Macht: "Unsere Arbeiten sind zwar grundlagenorientiert, haben aber letzten Endes trotzdem Bedeutung für die klinische Praxis, etwa für die Behandlung von Ess-Störungen".

Weitere Informationen: Dr. Michael Macht, T (0931) 31-2836, Fax (0931) 31-2733, E-Mail:
macht@psychologie.uni-wuerzburg.de

Die Arbeit von Michael Macht, Sonja Roth und Heiner Ellgring heißt "Chocolate eating in healthy men during experimentally induced sadness and joy" und ist nachzulesen in der Zeitschrift "Appetite" vom Oktober 2002, Vol. 39, No. 2, Seiten 147 - 158.

Robert Emmerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.academicpress.com/appetite

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