Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mobile Krebsstammzellen als Ursache für Metastasen

28.03.2008
EMT formt Krebszellen in gefährliche Stammzellen um

"Die mobilen Krebsstammzellen sind die gefährlichsten Zellen für den Krebspatienten, denn sie sind nach unserem Modell der Hauptursprung von Metastasen."

Zu diesem Schluss kommt der Krebsexperte Thomas Brabletz von der Universitätsklinik Freiburg beim derzeit in Berlin stattfindenden Kongress "Invasion and Metastasis" am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC). Bisher waren die Wissenschaftler stets davon ausgegangen, dass jede Tumorzelle Metastasen bilden kann.

Brabletz, der sich insbesondere mit der Entstehung von Dickdarmkrebs beschäftigt hat, erklärt im pressetext-Interview, wie die Krebsstammzellen aus den Stammzellen des Dickdarms entstehen. Normalerweise sorgen die Stammzellen dafür, dass die Zellen des Darms, die nur eine begrenzte Lebensdauer haben, regelmäßig, das heißt einmal am Tag, erneuert werden.

"Wenn eine solche Stammzelle zur Krebsstammzelle wird, kann sie sich anschließend unbegrenzt teilen und weitere Krebsstammzellen hervorbringen", erklärt der Experte. In einem weiteren Schritt löst sich die Krebsstammzelle vom Ursprungstumor ab und kann sich über die Blutgefäße im Körper verbreiten. "Dafür werden längst stillgelegte Signalwege aktiviert, die der Körper während seiner Entwicklung als Embryo nutzte."

"Die stationären Krebszellen können allerdings noch keine Metastasen bilden", räumt auch Brabletz ein. In einem Prozess namens epitheliale-mesenchymale Transition, kurz EMT genannt, werden die Krebszellen umgeformt und nicht mehr im ursprünglichen Zellverband gehalten. "Diese Theorie ist mittlerweile anerkannt", meint der Forscher. Wenn eine solche bewegliche Krebsstammzelle ins Blutsystem eindringt, kann sie so andere Körperregionen erreichen, die vom ursprünglichen Tumor weit entfernt sind und sich dort ansiedeln. "Dies nennt man Metastasierung. Beim Dickdarmkrebs siedeln sich Metastasen meist in der Leber an", erklärt der Wissenschaftler.

Mit dem Modell der mobilen Krebsstammzelle vereint Brabletz erstmals alle aktuellen Theorien zur Entstehung von Metastasen - von den genetischen Veränderungen, den Veränderungen im Tumorumfeld, den Krebsstammzellen sowie der EMT. "Die wichtigen Schritte der Metastasenbildung sind umkehrbar und können nicht nur durch unwiderruflich veränderte Gene erklärt werden. Wenn eine mobile Krebsstammzelle ihr Ziel erreicht, verwandelt sie sich wieder zurück in eine stationäre Krebsstammzelle." Was die Wissenschaftler nun interessiert, ist die Frage, welche Komponente den Anstoß für die Verwandlung dieser Zellen in die eine oder die andere Richtung gibt. Möglicherweise gebe es Wachstumsfaktoren aus dem Umfeld des Tumors, die dafür verantwortlich sind.

An eine Umsetzung des Wissens in neue Krebstherapien will der Forscher aber noch nicht denken. "Es wäre verfrüht hier irgendetwas Konkretes zu sagen." Er rechne in frühestens zehn Jahren mit spezifischen Medikamenten, die etwa die mobilen Krebsstammzellen bekämpfen können.

Dickdarmkrebs ist nach dem Lungenkrebs die zweithäufigste Todesursache unter den Krebserkrankungen. Vielfach zeigen Betroffene am Anfang selten Schmerzen oder Symptome. Der Tumor wird häufig erst erkannt, wenn sich bereits Metastasen gebildet haben. Eine ab dem 45. Lebensjahr im Abstand von mindestens fünf Jahren durchgeführte Darmspiegelung sei eine geeignete Vorsorge, meint auch der Forscher.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.uniklinik-freiburg.de
http://www.mdc-berlin.de

Weitere Berichte zu: EMT Krebsstammzelle Krebszelle Metastase Stammzelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Die Gene sind nicht schuld
20.07.2018 | Technische Universität München

nachricht Staus im Gehirn: FAU-Forscher identifizieren eine Ursache für Parkinson
20.07.2018 | Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Future electronic components to be printed like newspapers

A new manufacturing technique uses a process similar to newspaper printing to form smoother and more flexible metals for making ultrafast electronic devices.

The low-cost process, developed by Purdue University researchers, combines tools already used in industry for manufacturing metals on a large scale, but uses...

Im Focus: Rostocker Forscher entwickeln autonom fahrende Kräne

Industriepartner kommen aus sechs Ländern

Autonom fahrende, intelligente Kräne und Hebezeuge – dieser Ingenieurs-Traum könnte in den nächsten drei Jahren zur Wirklichkeit werden. Forscher aus dem...

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue Anwendungen für Mikrolaser in der Quanten-Nanophotonik

20.07.2018 | Physik Astronomie

Need for speed: Warum Malaria-Parasiten schneller sind als die menschlichen Abwehrzellen

20.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Die Gene sind nicht schuld

20.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics